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KW 23 / 2016

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Stern - Wir haben abgetrieben 

Tabubruch

Vor 45 Jahren: 374 Frauen bekennen Wir haben abgetrieben!

stern titelt: Wir haben abgetrieben
Titelblatt der Zeitschrift "Stern", 24. Jg. Heft 24,
Gruner + Jahr, Hamburg, 6. Juni 1971
Quelle: www.dhm.de, Haus der Geschichte, Bonn,
EB-Nr.: 1996/01/0049

06.06.1971: In der Zeitschrift „Stern“ bekennen 374 Frauen, dass sie illegal Abtreibungen vorgenommen und damit gegen geltendes Recht verstoßen haben - unter ihnen sind zahlreiche Prominente. Sie fordern die ersatzlose Streichung des §218 (Strafgesetzbuch), freien Zugang zu Verhütungsmitteln und die Finanzierung von Abtreibungen durch die Krankenkassen. Hunderte von Frauen würden durch den Eingriff sterben, zehntausende blieben krank und steril, weil der Eingriff von Laien vorgenommen werde. Von Fachärzten durchgeführt, sei Abtreibung ein einfacher Eingriff. (Initiatorin der Kampagne ist Alice Schwarzer, Journalistin und spätere Gründerin der Zeitschrift „Emma“.)

* * *

Mit dem Tabubruch „Wir haben abgetrieben“ landen die Frauen nicht vor dem Richter, sondern sie bringen das Thema auf die Tagesordnung der Politik: Drei Jahre später, 1974, verabschiedet die sozial-liberale Koalition mit knapper Mehrheit die sogenannte Fristenregelung, nach der Abtreibung in den ersten 12 Schwangerschaftswochen straffrei bleiben sollte. Doch das Bundesverfassungsgericht kippt zweimal (1975 u. 1993) den Gesetzentwurf, weil das Recht auf Leben über dem Selbstbestimmungsrecht der Frau stehe.

Obwohl es heute wohl immer weniger im Bewusstsein ist, dass Abtreibungen nach wie vor rechtswidrig sind und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei, steigt heute die Bereitschaft, ein ungeplantes Kind zu behalten. Selbst manche einst radikale Feministin hat ihre Einstellung gegenüber dem Leben grundlegend verändert, nachdem sie Mutter geworden ist. So bittet 2015 eine ehemalige Ultrafeministin, die sich einst aus Protest oben ohne, mit Dornenkrone und eine andere junge Frau küssend vor das Kreuz einer Kirche stellte, Christen um Vergebung. Sie verbindet es mit dem Appell: „Bitte, ihr Frauen, die ihr so verzweifelt seid und überlegt abzutreiben, denkt gut darüber nach. Ich bereue es sehr, dass ich es getan habe. Ich möchte nicht, dass euch das Gleiche passiert.“

Und deshalb braucht es eine Politik und eine Beratung, die dem Leben dient.

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns zum Thema:  
1970 : ARD zeigt die TV-Satire "Das Millionenspiel"
1970 : Endes des "Contergan"-Prozesses
1971 : Stern: „Wir haben abgetrieben“

1971 : Erste Greenpeace-Aktion
1971 : Uraufführung des Musicals "Jesus Christ Superstar"
1972 : "Bloody Sunday" in Nordirland
1972 : Die Wende im Vietnamkrieg
1972 : US-Regierung im Watergate-Skandal

1952 : Gründung von Pro Familia
1967 : Die Rebellion beginnt
1971 : Stern: „Wir haben abgetrieben“

1973 : Reform des Sexualstrafrechts
1975 : BVG kippt $218-Reform
1993 : §218 erneut auf dem BVG-Prüfstand
2004 : EU-Gerichtshof : Recht auf Lebensschutz gilt nicht für Ungeborene
2006 : US-Bundesstaat stellt Abtreibung wieder unter Strafe
2006 : »amnesty international« zum Thema »Abtreibung«

2006 : Das Elterngeld benachteiligt sozial schwache

7 Testfragen über Schwangerschaftsabruch - Hier kann jeder für sich testen,
ob er gut über die deutsche Rechtslage und Praxis zum Schwangerschaftsabbruch informiert ist.

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1:57 s, mp3, 64 kbit/s, 924 KB

 

 

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