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KW 33 / 2021

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Woher kommt das Böse?

Vor 50 Jahren: Das Gefängnis-Experiment an der Stanford-Universität

Sonntag, 15.08.1971, Beginn des Standord Prison Experiments: 9 Studenten werden von echten Polizisten wegen "bewaffnetem Raubüberfall" und "Einbruch" in ihren Wohnungen verhaftet und über ihre Rechte aufgeklärt. Mit ausgestreckten Armen und Beinen am Polizeiauto werden sie durchsucht, in Handschellen gelegt und verhaftet - häufig unter den Blicken von überraschten und neugierigen Nachbarn. Auf dem Polizeirevier werden sie erkennungsdienstlich behandelt und in den zum Gefängnis umgebauten Kellertrakt der Universität Stanford gebracht.
Foto: www.prisonexp.org

Die "Gefangenen" werden entlaust und vom Anstaltsleiter“ persönlich begrüßt. Sie werden in ein Krankenhaushemd gesteckt, auf denen hinten und vorne ihre Häftlingsnummer aufgenäht war. Die Nummer war für die gesamte Haftzeit anstelle ihres Namens zu verwenden. Auf ihre Haare mussten sie einen Nylonstrumpf ziehen und an den Füßen trugen sie eine schwere Fußkette. Foto: www.prisonexp.org

15.08.1971: Am Morgen werden in der kalifornischen Stadt Palo Alto 9 Studenten von der Polizei aus den Betten geholt und verhaftet. Sie sind Teil eines Experiments, für das sie sich beworben haben: Zwei Wochen will die renommierte Stanford-Universität menschliches Verhalten unter Gefängnisbedingungen erforschen. Die 9 „Gefangenen“ werden im Kellertrakt der Uni jeweils zu dritt in eine Zelle gesperrt. Die 15 „Wärter“ – ausgerüstet mit Uniformen, verspiegelten Sonnenbrillen und Gummiknüppeln - sollen - ohne Gewalt - für Ruhe und Ordnung im „Gefängnis“ sorgen. Die Regeln dazu sollen sie selbst aufstellen und durchsetzen. Das Experiment gerät schnell außer Kontrolle. Bereits am 2. Tag bricht ein Aufstand aus, und nach 6 Tagen wird das Experiment abgebrochen.

* * *

15 US-Dollar pro Tag gab es 1971 für jeden Teilnehmer. Viel Geld - hatten sich die Studenten gedacht, um als Gefangener mal so richtig auszuschlafen oder als Wärter den ganzen Tag Karten zu spielen.

Doch alles kam anders: Innerhalb weniger Tage entstand ein Terror-Regime. Die Wärter wurden jeden Tag einfallsreicher beim Austüfteln sadistischer Spielchen. Der Psychologe und Projektleiter Philip Zimbardo schlussfolgerte: Die Gefängnissituation habe aus den willkürlich ausgewählten „Wärtern“ Täter gemacht – das Böse stecke also in jedem von uns.

Kritiker sagen bis heute, die „Wärter“ seien zu ihrer harten Haltung ermuntert worden. Solche offenen Diskussionen gibt es meines Erachtens immer seltener. Wer heute politisch etwas durchsetzen will, der argumentiert gerne mit einer Studie. Wer dann nachfragt, was untersucht wurde und wie das Resultat zustande kam, wird schnell diskreditiert.

Wissenschaft darf sich nicht zum Handlanger von Politik machen. Das wussten offenbar die Väter unseres Grundgesetzes und schrieben in Artikel 5:

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ (Artikel 5, Abs. 3)

Wissenschaft soll also nicht predigen,
sondern ergebnisoffen forschen!

Autor: Uwe Schütz
Sprecher: Heiko Müller

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Aufklärer Jean-Jacques Rousseau und seine berühmte Aussage "Der Mensch ist von Natur aus gut"

Der Philosoph und Schriftsteller Friedrich Nietzsche

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