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Das Kalenderblatt

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KW 21 / 2020

Eine Kalenderwoche weiter

 

Nicht normal

55 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel

1.02.1970 - 1. Treffen von Regierungsvertretern in Bonn: Israels Außenminister Abba Eban (li) und Bundeskanzler Willy Brandt
21.02.1970 - 1. Treffen von Regierungsvertretern in Bonn: Israels Außenminister Abba Eban (li) und Bundeskanzler Willy Brandt. Israel hat Gesprächsbedarf, weil die seit Oktober 1969 regierende sozial-liberale Koalition die Beziehungen zu den arabischen Nachbarn, den erklärten Feinden Israels, verbessern will. Gegenüber Außenminister Walter Scheel betont Eban: „Israel hindert die Bundesrepublik nicht an guten Beziehungen zu den Arabern. Es sind doch die Araber, die alles versuchen, die Bundesrepublik an guten Beziehungen zu Israel zu hindern.“ (Quelle: DER SPIEGEL 10/1970) Foto: Bundesregierung/Ludwig Wegmann

12.05.1965: Die Bundesrepublik Deutschland und der Staat Israel nehmen offizielle diplomatische Beziehungen zueinander auf. 10 arabische Staaten brechen daraufhin die Beziehungen zur Bundesrepublik ab. Erst 5 Jahre später betritt ein israelischer Regierungsvertreter offiziell westdeutschen Boden (rechts im Bild).

Heute gilt Deutschland als Israels weltweit drittwichtigster Handelspartner.

* * *

Deutsch-israelische Beziehungen gab es bereits kurz nach Gründung des Staates Israel. 1952 gab es das erste Abkommen über die Rückerstattung von Vermögen und Hilfen zur Ansiedlung von Juden aus von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten in Israel. 1957 versprach Verteidigungsminister Franz Josef Strauß dem in seiner Existenz bedrohten jüdischen Staat Rüstungshilfen.

Logo für das 55-jährige Bestehen der deutsch-israelischen Beziehungen von Design-Studentin Ann-Katrin Giesen und der Texterin Tabea Stöhr: „Das Logo zeigt ein Herz, das aus einer mittig gespiegelten 55 besteht. Es symbolisiert die freundschaftlichen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern, und vereint durch die unterschiedlichen Ausrichtungen der Ziffern den Blick in die Vergangenheit mit der Zukunft.“

Doch mit der Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen 1965 wurde es noch schwieriger: So verweigerte 1973 Friedensnobelpreis-Träger Willy Brandt Israel die Vermittlung mit den arabischen Nachbarn und nach deren Einmarsch in Israel verweigerte er das Auftanken US-amerikanischer Transportflugzeuge mit Ziel Israel.

Und heute? „Wir stehen an der Seite Israels“, heißt es von deutscher Seite in Sonntagsreden, doch der Alltag auf der Weltbühne sieht anders aus: Deutschland steht z.B. bei gegen Israel gerichteten UN-Resolutionen fast immer auf der Seite der Israel-Gegner. Und früher haben wir Israel mit Waffen unterstützt, heute beliefern wir eher ihre Gegner.

Wer sich in Deutschland fragen will, woher eine ablehnende Haltung gegenüber Israelis und Juden kommt, der braucht sich nur deutsche Schulbücher anzuschauen: Im Nahostkonflikt wird Israel meistens (einseitig) als Aggressor dargestellt.

25. Februar 1970: Borussia Mönchengladbach gegen die israelische Nationalmannschaft, die sich gerade für die Fußball-WM in Mexiko qualifiziert hat. Die Kapitäne Günter Netzer (li.) und Israels Mordechai „Motti“ Spiegler beim Wimpeltausch. Die Torschützen: Ulrik le Fevre (8. Min.), Herbert Laumen (10. und 25. Min.), Herbert (Hacki) Wimmer (54. Min.), Günter Netzer (75. Min.), Berti Vogts (89.). mehr unter www.borussia.de Foto: Screenshot von ARD-Doku "Geheimmission Tel Aviv" / AREF

 

Dass trotz des Völkermords an Juden normale Beziehungen möglich sind, zeigen die beliebten Austauschprogramme zwischen jungen Israelis und jungen Deutschen.

Und auch der Fußball trug seinen Teil bei: Am 25.02.1970 reiste mit Borussia Mönchengladbach die erste Bundesliga-Mannschaft nach Israel. Obwohl sie die israelische Nationalmannschaft mit 6:0 schlugen, wurden sie in Tel Aviv im ausverkauften Stadion von den Israelis gefeiert. Eine israelische Zeitung schrieb vom „besten Spiel, das Israel je sah“. Und der Kicker kommentierte: „Die 90 Minuten Borussia-Spiel werden im israelischen Volk in Erinnerung bleiben als beste deutsche Wertarbeit. In fünf Jahren deutscher Botschaft gab es so was noch nie.“

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über die deutsch-israelischen Beziehungen:  

1963 : Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy
1964 : Cassius Clay wird Boxweltmeister
1964 : Eintritt der USA in den Vietnam-Krieg
1964 : Martin Luther King besucht Berlin
1965 : Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel
1967 : Gründung von Kommune 1 in Berlin
1967 : USA setzt in Vietnam "Agent Orange" ein
1967 : Berliner Polizist erschießt Studenten
1967 : Sechstagekrieg

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