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KW 33 / 2018

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Außer Kontrolle

Vor 30 Jahren: Geiselgangster von Gladbeck als Medienstars

18.08.1988, 3. Tag des Geiseldramas, das in Gladbeck begann: Der Fluchtwagen umringt von Reportern und Schaulustigen vor dem Gebäude des WDR in Köln.
18.08.1988, 3. Tag des Geiseldramas, das in Gladbeck begann: Der Fluchtwagen umringt von Reportern und Schaulustigen vor dem Gebäude des WDR in Köln. Foto Screenshot (AREF) der Doku "Das Geiseldrama von Gladbeck" auf zdf info

16.08.1988: Im nordrhein-westfälischen Gladbeck überfallen zwei Bankräuber die Filiale der Deutschen Bank. Als die Polizei ihnen den Fluchtweg abschneidet, nehmen sie zwei Bankangestellte als Geiseln. Sie erpressen Lösegeld und ein Fluchtauto.

Eine ziellose Irrfahrt mit wechselnden Fahrzeugen quer durch Nord- und Westdeutschland mit bis zu 60 Pressefahrzeugen im Schlepptau beginnt. Die Sensationsgier der Reporter lähmt die Arbeit der Polizei.

Am 3. Tag, als bereits eine Geisel und ein Polizist getötet wurden, parkt der Fluchtwagen mittags umlagert von Presse und Fernsehen in der Kölner Fußgängerzone (rechts im Bild). Die Geiselgangster geben Live-Interviews.

Geiseldram Gladbeck: Fotoreporter am Fluchtfahrzeug in Köln. Bewusst zeigen wir als Kontrapunkt zu dem Medienwahnsinn keine Bilder der Täter und ihrer Opfer.
Fotoreporter am Fluchtfahrzeug in Köln. Bewusst zeigen wir als Kontrapunkt zu dem Medienwahnsinn keine Bilder der Täter und ihrer Opfer. Außerdem hat uns der Anwalt der Mutter der getöteten 18-jährigen Silke Bischoff 2003 auf "Persönlichkeitsverletzung" verklagt. Sie haben dies Kalenderblatt offensichtlich nicht zu Ende gelesen. Foto Screenshot (AREF) der Doku "Das Geiseldrama von Gladbeck" auf zdf info

Bei der Weiterfahrt machen sich Journalisten zu Mittätern. Auf der Autobahn Köln-Frankfurt wird das Geiseldrama nach 54 Stunden von der Polizei gewaltsam beendet. Die Bilanz: Drei Tote und sechs Schwerverletzte.

Sowohl Polizei als auch Medien gerieten wegen ihres unklugen Vorgehens heftig unter Druck und wiesen sich gegenseitig die Schuld zu.

* * *

Jeden Tag bringen sich Reporter in Gefahr, um näher dran zu sein und damit "bessere Bilder" zu haben als der Mitbewerber. Zu leicht vergessen sie dabei, dass sie sich zu Handlangern machen, weil sie Terroristen und Verbrechern Öffentlichkeit verschaffen und damit den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen.

Die Lösung aus diesem Teufelskreis kann nicht Zensur sein, sondern ein gesunder Umgang mit dem Medium Fernsehen: Nicht alles konsumieren, sondern abschalten und das Gesehene reflektieren. Vielleicht ergibt sich daraus ein gutes Gespräch mit Freunden oder in der Familie.

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über Mediengeschichte:  

1987 : Tod von Rocky, dem Irokesen auf dem Kiez in Hamburg
1987 : Tod des CDU-Politikers Uwe Barschel
1987 : Gründung der Hamas
1988 : Geiseldrama in Gladbeck
1988 : Anschlag auf US-Jumbo über Lockerbie
1989 : Russen verlassen Afghanistan
1989 : Aus für WAA in Wackersdorf
1989 : Studentenproteste in Peking
1989 : Flüchtlingsdrama in der deutschen Botschaft in Prag
1989 : Reisefreiheit für DDR-Bürger - Fall der Mauer

1950 : Gründung der ARD
1967 : Start des Farbfernsehens
1973 : Start der "Sesamstraße"
1982 : Erste Verträge für private TV-Angebote
1985 : Start der ARD-Serie "Lindenstraße"
1988 : Geiseldrama von Gladbeck
2000 : Mit "Big Brother" startet das "Reality-TV"

Medien als Handlanger für Gangster und Terroristen

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