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KW 02 / 2020

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Von der Mehrheit zur Minderheit

Vor 10 Jahren: In Ägypten sterben bei Anschlag auf Weihnachtsmesse sechs Besucher

Nag Hammadi, wo sich das Massaker ereignete, ist eine Stadt am Nil, hat 30.000 Einwohner und liegt 127 km nördlich von Luxor.

06.01.2010: In der oberägyptischen Stadt Nag Hammadi geht kurz nach 23 Uhr die Weihnachtsmesse zu Ende. Als die Besucher die Kirche verlassen, schießen drei Männer aus einem vorbeifahrenden Auto mit automatischen Waffen wahllos in die Menge. Sechs Jugendliche werden getötet, und viele weitere Personen werden schwer verletzt.

Ein Regierungsvertreter spricht von einem „individuellen Verbrechen“: Die Täter hätten die Vergewaltigung eines muslimischen Mädchens rächen wollen. SPIEGEL-Online kommentiert das Massaker mit den Worten: „Wann immer es Ausschreitungen zwischen Religionsgruppen gibt, findet die Regierung dafür höchst weltliche Gründe: Streit um Land, Rache für ein Verbrechen, persönlicher Zwist. … Vermutlich kommen die angeblichen Täter irgendwann frei, sobald sich die Aufregung gelegt hat.“ (Spiegel Nr. 8 / 2010, S.99)

* * *

Und so war es wohl auch. Obwohl der Bischof der koptischen Kirche im Vorfeld anonyme Drohungen erhielt, hatte die Polizei den Schutz der Veranstaltung abgelehnt. Und nach der Tat brauchte sie Stunden, bis sie am Tatort erschien.

Weltbekannt wurde die Stadt Nag Hammadi, wo sich das Massaker ereignete, durch die dort im Dezember 1945 gefundenen dreizehn Papyrus-Schriften in koptischer Sprache. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 1. Jahrhundert und dem 4. Jahrhundert.

Die koptische Kirche ist eine der ältesten Kirchen der Welt. Bereits 50 bis 60 Jahre nach Christi Geburt brachte der Apostel Markus den Glauben in das Land am Nil. 300 Jahre später waren die meisten Ägypter Christen.

Doch nach der islamischen Eroberung Ägyptens 640 mussten die Christen auswandern, eine Kopfsteuer bezahlen oder zum Islam konvertieren. Heute sind nur noch etwa 10% der Ägypter Christen.

Weihnachten feiern sie noch immer nach dem alten Julianischen Kalender und damit 13 Tage später als wir. Es ist wohl auch kein Zufall, dass es gerade zum Weihnachtsfest immer wieder zu Anschlägen kommt, denn im Islam ist es undenkbar, dass Gott Mensch wird und in diese Welt kommt. Deshalb wurde auch die Weihnachtsgeschichte für den Koran umgeschrieben, und aus dem „Retter“ wurde ein „Prophet“.

In der biblischen Vorlage heißt die Botschaft an die Hirten: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“. (Lukas 2, 11) Und wer will den schon – auch wenn es das Leben kosten kann - gegen einen Propheten tauschen und seine Erlösung aufgeben?

Uwe Schütz

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