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KW 33 / 2015

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Das Kreuz mit dem Kreuz

Vor 20 Jahren: "Kruzifix-Urteil" des Bundesverfassungsgerichts

Utteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe10.08.1995: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verkündet, das Anbringen von Kreuzen in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Schule verletze die in Artikel 4 des Grundgesetzes gewährte Religions- und Glaubensfreiheit. (Die Richter erklärten insbesondere, dass die staatliche Anordnung von Kreuzen in der Bayerischen Volksschulordnung (von 1983) verfassungswidrig sei.)

Die Beschwerdeführer hatten geltend gemacht, dass mit dem Kreuz gegen ihre Weltanschauung und ihre Erziehungsvorstellungen auf ihre Kinder eingewirkt werde. Das mit knapper Mehrheit (5:3) zustande gekommene sogenannte "Kruzifix-Urteil" löst Großdemonstrationen und sehr emotional geführte Debatten aus. Bis heute ist es jedoch weitgehend ohne praktische Folgen geblieben. (Das geänderte bayerische Schulgesetz schreibt weiterhin Kreuze vor und enthält jetzt lediglich bei Einspruch von Eltern eine Konfliktregelung.)

* * *

Ich bin zwar für eine striktere Trennung von Kirchen und Staat, aber mit dem Gedanken, dass ein Kreuz an der Wand gegen die Religionsfreiheit verstoßen soll, komme ich nicht klar: Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht und bedeutet ja nicht, frei von Religion, sondern dass jeder seine Religion frei wählen, wechseln und dafür werben darf.

Sehr bemerkenswert finde ich, dass in der Urteilsbegründung davor gewarnt wird, das Kreuz zum "abendländischen Kulturgut" herabzuwürdigen: Es sei doch das "spezifische Glaubenssymbol des Christentums" und versinnbildliche die Erlösung des Menschen durch den Opfertod Jesu.

mehr bei uns über Kreuz und OpferJa, das Kreuz ist die Mitte des Christentums, aber diese Mitte ist immer wieder in Gefahr. Einig ist man sich darüber, dass der Mensch der göttlichen Vergebung bedarf. Aber gerade in den protestantischen Lagern ist das "Wort vom Kreuz" immer seltener das Thema, oder es wird hinterfragt, ob Gott Blutopfer nötig hat, um uns vergeben zu können. Dabei ist die Antwort darauf eigentlich nicht schwer:

Nicht Gott hat es nötig, dass sich ein Mensch opfert,
sondern der schuldige Mensch kommt damit in die Haltung, in der er Gottes Vergebung erfahren kann,
und zwar so intensiv, dass sie ihn verändert.
Dr. Hans Frisch in unserer Karfreitagssendung

Uwe Schütz

Schlussbemerkung: Dass es der Mensch ist, der Sündeböcke braucht, sieht man auch gerade an der Rücktrittsforderungen angesichts der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg

mehr bei uns über religöse Symbole in Politik und Rechtsprechung: mehr bei uns zum Thema: Kreuz und Opfer:  
2010 : Kruzifixe in Klassenräumen erneut vor Europäischem Gerichtshof
2010 : Muslimische Ministerin: Keine christliche Symbole an staatlichen Schulen
2008 : Verwaltungsgericht: Lehrer muss weiterhin unter Kruzifix unterrichten
2008 : Grüne: Alle religiösen Symbole aus Klassenzimmern verbannen
2005 : Kopftuchverbot verstößt nicht gegen Grundrecht

Manuskript der AREF-Sendung vom Karfreitag

Christ sein ohne Glaube an Opfertod Jesu?

Prof. Richard Dawkins will die Menschheit vom "Gotteswahn" heilen

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