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Türkei

Christenverfolgung in der Türkei

Drei Tote bei Überfall auf christlichen Verlag in Malatya, Türkei

Necati Aydin (36), Tilmann Geske (46), Ugur Yuksel (32) (v.l.) wurden am 18.04.2007 in den Räumen des christlichen „Zirve“-Verlages von jungen Türken gefoltert und umgebracht.
Necati Aydin (36), Tilmann Geske (46), Ugur Yuksel (32) (v.l.) wurden am 18.04.2007 in den Räumen des christlichen „Zirve“-Verlages von jungen Türken gefoltert und umgebracht. Foto: opendoors

19.04.2007: Bei einem Überfall auf einen kleinen christlichen Verlag (Zirve) in der türkischen Stadt Malatya ist am gestrigen Mittwoch, 18.04.2007, sind drei Menschen, darunter ein Deutscher, getötet worden. Die Angreifer hätten ihre Opfer an Händen und Füßen gefesselt und ihnen die Kehlen durchgeschnitten.

In dem Haus seien drei Leichen gefunden worden. Eine vierte Person sei, der laut Medienberichten entweder aus dem Fenster gesprungen oder gestoßen worden und liege schwer verletzt im Krankenhaus. Nach Angaben des Fernsehsenders CNN Türk nahm die Polizei sechs Tatverdächtige fest. Der Sender zeigte Bilder vom Abtransport der Opfer aus dem Verlagsgebäude, in dem Bibeln und andere christliche Literatur hergestellt werden.

Die Festgenommenen haben Medienberichten zufolge die Taten gestanden. Demnach gaben die 19 und 20 Jahre alten Männer islamistisch-nationalistische Motive an. Sie hätten für „Vaterland und Glauben“ gehandelt. „Wir haben dies nicht für uns, sondern für unseren Glauben getan“, zitierte die Zeitung „Hürriyet“ am heutigen Donnerstag einen der mutmaßlichen Mörder. „Den Feinden des Glaubens möge dies eine Lehre sein."

Der türkische Ministerpräsident Recep Tyyip Erdogan bezeichnete die Morde als „Akt der Grausamkeit“.

Christliche Missionswerke sind auch der türkischen Regierung ein Dorn im Auge

Die Regierung und andere offizielle Vertreter des überwiegend muslimischen Landes haben wiederholt die Tätigkeit christlicher Missionswerke kritisiert. Die Europäische Union, deren Mitglied die Türkei werden will, hat dagegen mehr Freiheiten für die christliche Minderheit angemahnt. Einige türkische Nationalisten sehen in christlichen Missionaren Feinde des Landes, die deren politische und religiöse Institutionen untergraben, heißt es in einem Bericht im focus.de-Newsletter.

CDU fragt: Tut die türkische Regierung genug zum Schutz von Minderheiten ?

Zu dem Anschlag auf das christliche Verlagshaus in der Türkei erklärt der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Ronald Pofalla:

Nach den heutigen Morden muss sich die türkische Regierung fragen lassen, ob sie genug zum Schutz religiöser Minderheiten tut. Dem Vorfall in Malatya gingen explizite Drohungen voraus.

Religionsfreiheit ist eine der grundlegenden Menschenrechte. Sie sollte eine Selbstverständlichkeit sein für jeden demokratischen Staat. Der türkische Staat ist noch weit entfernt von der Religionsfreiheit, die Europa kennzeichnet. Es ist Aufgabe der türkischen Regierung, diese Religionsfreiheit zu garantieren.

Der ermordete armenisch-türkische Publizist stammte ebenfalls aus Malatya

Der ebenfalls aus Malatya stammende armenisch-türkische Publizist Hrant Dink war Anfang des Jahres von einem jungen Ultranationalisten ermordet worden. Danach hatte der Staat zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Schriftsteller und Journalisten getroffen. Im vergangenen Jahre war Pater Andrea Santoro von einem 16-jährigen Türken beim Gebet in der Kirche hinterrücks erschossen worden. In Samsun, ebenfalls am Schwarzen Meer, war wenige Monate später ein französischer Priester durch Messerstiche schwer verletzt worden.

Open Doors über die Türkei

Im Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert die Türkei auf Platz 35 und die Glaubensfreiheit hat sich im Jahr 2006 für Christen verschlechtet (im Vorjahr Platz 36). Open Doors meldet in ihrem Jahresbericht über die Türkei::

Verglichen mit dem Vorjahr scheint die religiöse Toleranz gegenüber Nichtmuslimen in der Türkei abgenommen zu haben. Ein römisch-katholischer Priester wurde im Februar nach der Sonntagsmesse erschossen, andere Geistliche wurden bedroht und angegriffen. Open Doors erfuhr von vier gewalttätigen Angriffen auf katholische Geistliche und von zwei Übergriffen auf türkische Leiter protestantischer Gemeinden. Im Oktober 2006 wurden zwei türkische Konvertiten wegen „Beleidigung des Türkentums, Schüren von Hass gegen den Islam und die heimliche Zusammenstellung von Daten über Privatbürger für einen örtlichen Bibelfernkurs" angeklagt. Auf eine protestantische Kirche in der Odemis (ca. 100 km östlich von Izmir) wurde im November 2006 ein Brandanschlag verübt. Zuvor war die Gemeinde wiederholt von Unbekannten belästigt worden.

Im Dezember 2006 blockierte der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer einen wichtigen Teil einer Gesetzesreform, durch die die religiösen Freiheiten in der Türkei ausgeweitet werden sollten. In seiner Schlussfassung hätte das Gesetz den Stiftungen religiöser Minderheiten erlaubt, die Rückgabe wertvoller Immobilien zu fordern, die im Laufe der vergangenen 32 Jahre vom türkischen Staat beschlagnahmt wurden.

Außerdem kam es nach der Veröffentlichung der sogenannten Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung zu religiösen Spannungen.

Autor: Uwe Schütz, 19.04.2007

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