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Karikatur: Mohammed mit Bomben-Turban

Fünf Monate nach Veröffentlichung von Karikaturen überschlagen sich die Ereignisse

03.02.06: Im September 2005 druckte die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ Mohammed-Karikaturen. Eine der Zeichnungen zeigte den Stifter des Islams mit einem wie eine Bombe geformten Turban. Zeitungen in Deutschland, Frankreich, Spanien, der Schweiz und Ungarn druckten die Karikaturen in dieser Woche nach und bestanden darauf, die Pressefreiheit sei wichtiger, als die Proteste und Boykotte, die die Zeichnungen ausgelöst hätten. Jetzt schlagen die Wogen hoch, obwohl sich das dänische Blatt mittlerweile dafür entschuldigt, Anstoß erregt zu haben. Gleichzeitig steht die Zeitung aber zu der Entscheidung, die Karikaturen abgedruckt zu haben.

Deutscher in Nablus wegen Mohammed-Karikaturen verschleppt

Radikale Palästinenser haben im Westjordanland nach einer Eskalation im Streit um die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen einen Deutschen verschleppt. Der Mann, der in der Stadt Nablus als Englischlehrer arbeitet, sei aber nach etwa einer Stunde wieder freigelassen worden, teilte die Polizei mit. Dies meldet jesus.de unter Berufung auf dpa.

Die militanten Al-Aksa-Brigaden erklärten, «unverantwortliche Elemente» steckten hinter der Tat. Militante Palästinenser hatten am Vormittag bereits die Vertretung der Europäischen Union in Gaza-Stadt vorübergehend besetzt.

Der deutsche Lehrer wurde nach Berichten von Augenzeugen aus dem Hotel Jasmin in Nablus entführt. Er arbeitet seit zwei Monaten bei dem Hilfsprojekt «Hope» mit, das Sprachkurse anbietet. Nach der Freilassung befand er sich unter der Obhut der palästinensischen Polizei. In dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen hatten militante Al-Aksa-Brigaden in Nablus seit dem Mittag gezielt nach Ausländern gesucht. Diplomaten aus Europa erklärten, die Entführung stehe im Zusammenhang mit dem Streit um die Karikaturen.

Bewaffnete Palästinenser in Gaza verlangten Schließung von EU-Vertretungen

Aus Protest gegen die Mohammed-Karikaturen hatten bewaffnete Palästinenser in Gaza die Schließung von EU-Vertretungen verlangt. Etwa 50 maskierte Männer seien am Donnerstag in den Vorgarten des EU-Büros in Gaza eingedrungen und hätten mehrere Schüsse abgefeuert, berichteten Augenzeugen. Das Büro war zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen.

Die Männer gehörten den Al-Aksa-Brigaden der bisher regierenden Fatah-Organisation und dem radikalen Islamischen Dschihad an. Sie markierten den Eingang des Büros mit blauer Farbe und schrieben, das Gebäude sei bis zu einer Entschuldigung geschlossen. Sie trugen Schnellfeuergewehre und Panzerfäuste. Nach Augenzeugenberichten beendeten sie am späten Vormittag ihre Protestaktion.

Deutsche Politiker und Journalistenverbände warnen vor Einschränkung der Pressefreiheit

Die Bundesregierung äußerte Verständnis dafür, dass sich Muslime verletzt fühlten, nicht aber dafür, dass Menschen mit Gewalt bedroht würden, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Es gebe auch keine Veranlassung für eine Entschuldigung der Bundesregierung, nur weil die Karikaturen auch von einigen deutschen Blättern nachgedruckt wurden.

Politiker und Journalistenverbände angesichts der militanten muslimischen Proteste vor einer Einschränkung der Medienfreiheit. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der Zeitung «Die Welt» (Freitag): «Wenn sich da der Staat einmischt, dann ist das der erste Schritt zur Einschränkung der Pressefreiheit.» Andererseits müsse die Presse «mit dem, was sie anstellt, selbst umgehen». Nach der «Welt» veröffentlichte in Deutschland auch die Wochenzeitung «Die Zeit» am Donnerstag eine der Karikaturen. Auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «tageszeitung» bekannten sich zu einem Abdruck.

Norwegen schloss aus Sorge vor gewalttätigen Aktionen seine Vertretung in den Palästinensergebieten vorläufig für den Publikumsverkehr. Frankreich warnte vor Reisen in die Palästinensergebiete.

Proteste auch in Pakistan

Zu Protesten mehrerer hundert muslimischer Demonstranten kam es auch in den pakistanischen Städten Multan und Lahore. In Multan steckten sie dänische und französische Flaggen in Brand. Weitere landesweite Proteste sind dort für Freitag geplant. Die islamische Bewegung in Israel rief für Samstag in Nazareth zu einer Demonstration auf. In Syrien protestierten 300 Menschen vor der dänischen Botschaft.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak erklärte, Pressefreiheit dürfe nicht als Entschuldigung für die Beleidigung der Religion dienen.

Türkischer Ministerpräsident Erdogan verurteilt die Karikaturen als Angriff auf ihre «geistig- moralischen Werte»

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Karikaturen als «Angriff auf unsere geistig- moralischen Werte». Die Pressefreiheit müsse Grenzen haben, sagte Erdogan im Gespräch mit dem französischen Außenminister Philippe Douste-Blazy in Ankara, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Schweden und Finnland kritisierten den dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen. Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja warf Rasmussen vor, dass er Ende letzten Jahres die Bitte von elf Botschaftern aus islamischen Ländern um ein Gespräch ausgeschlagen habe. «Zu diesem Zeitpunkt hätte man die Sache ernster nehmen müssen», meinte Tuomioja. Schwedens Ministerpräsident Göran Persson sagte: «Wenn ich in derselben Lage gewesen wäre wie Rasmussen, hätte ich die Sache nicht unterschätzt, sondern wäre diplomatisch in die Offensive gegangen.»

Moslems stürmen dänische Botschaft in Indonesien

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben militante Moslems das Haus gestürmt, in dem die dänische Botschaft untergebracht ist, um gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed in der dänischen Zeitung zu protestieren. Sie forderten die Aufgabe der diplomatischen Beziehungen zwischen Indonesien und Dänemark sowie die Ausweisung des dänischen Botschafters aus dem Land.

Die etwa 300 Moslems der extremen „Islamischen Verteidigungsfront“ (FPI) drangen nach Angaben eines Augenzeugen am Freitag, 03.02.2006, in die Lobby des Gebäudes ein, in dem die Botschaft untergebracht ist. Sie zerschlugen Lampen mit Bambusstöcken und warfen mit Stühlen um sich. Auf das Schild der dänischen Botschaft warfen sie faule Eier und Tomaten.

Dänischer Ministerpräsident reagiert nun doch auf Druck der islamische Länder

Ministerpräsident Rasmussen will am Freitag nun doch alle in Kopenhagen akkreditierten Botschafter über den Streit um die Karikaturen unterrichten. Neben der seit letzter Woche erfolgten Abberufung von Botschaftern aus Saudi-Arabien, Kuwait, Libyen und Syrien und den massiven Straßenprotesten ist Dänemark auch von einem umfassenden Käuferboykott in der arabischen Welt betroffen.

AREF, 03.02.2006

 

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