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KW 33 / 2016

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Zum Tod von DDR-Pfarrer Oskar Brüsewitz 

Die Staatssicherheit und der Protestant

Vor 40 Jahren: Aus Protest gegen DDR-Regime übergießt sich ein Pfarrer mit Benzin

Oskar Brüsewitz (*1929, +22.08.1976), Pfarrer in der DDR
Pfarrer Oskar Brüsewitz
* 30.05.1929 in Willkischken, Memelland,
† 22.08.1976 in Halle an der Saale

18.08.1976: Aus Protest gegen das DDR-Regime übergießt sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz (47) auf dem Marktplatz von Zeitz (Sachsen-Anhalt) mit Benzin. Obwohl es Passanten gelingt, die Flammen zu ersticken, stirbt der Pfarrer vier Tage später im Krankenhaus an seinen schweren Verbrennungen, ohne dass seine Ehefrau ihn besuchen durfte († 22.08.1976).

Mit seinem Suizid protestierte Oskar Brüsewitz auf Transparenten gegen Unterdrückung von Christen und gegen die indoktrinäre, atheistische Schulerziehung in der DDR.

Bereits 1956 beginnt die "Stasi" (MfS, Ministerium für Staatssicherheit), sich mit Schuhmacher Oskar Brüsewitz zu beschäftigen. Er hängt Bibelzitate in sein Ladenfenster, erzählt den Leuten von Jesus und wirft dem DDR-Regime Wahlmanipulation vor.

Trotzdem gelingt es Oskar Brüsewitz, Pfarrer zu werden. Er erhält eine seit langem verwaiste Pfarrstelle in Rippicha. Der Brüsewitzsche Missionseifer und seine einfallsreichen Gottesdienste führen bald zu einem lebhaften Gemeindeleben. Und Kollegen halten als "IM" die Stasi über den unbequemen Prediger auf dem Laufenden. Insbesondere bescheinigt man ihm eine besondere Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche.

Tief getroffen ist Oskar Brüsewitz, als sich die Kirchenführung in den 70er-Jahren unter dem Motto "Kirche im Sozialismus" mit dem SED-Regime arrangiert. Schließlich setzt das SED-Regime alles daran, den erfolgreichen, aber unbequemen Pfarrer zu demontieren (z.B. Ermittlungsverfahren wegen Staatsverleumdung und Hausfriedensbruch). Seine Tochter darf z.B. trotz Bestnoten nicht die Erweiterte Oberschule besuchen. Und so wagen es die meisten Bürger schließlich nicht mehr, seine Veranstaltungen zu besuchen und halten auch ihre Kinder zurück.

Aufsehen erregt Pfarrer Brüsewitz 1975 noch einmal mit einer Aktion gegen den SED-Spruch: "Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein". Ein Pferdefuhrwerk trägt den Spruch: "Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott."

* * *

Bis heute gehen die Meinungen über den kämpferischen Gottesmann auseinander. Viele sehen aber in seinem Leben und Sterben eine Initialzündung für die Oppositionsbewegungen in der DDR, die 13 Jahre später (09.11.1989) zur Öffnung der Grenzen führte.

Es braucht anscheinend immer Opfer, um die Welt zu verändern. Auch Jesus sprach davon:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein.
Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht
Johannes 12, 24

So hat auch der Tod Jesu seine Sache nicht beendet, sondern die Welt verändert. Und seine friedliche "Revolution" der Freiwilligen geht weiter.

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über DDR-Geschichte:
1976 : Überschallflugzeug Concorde nimmt Linienverkehr auf
1976 : Chemieunfall bei Seveso
1976 : Erste weiche Landung auf dem Planeten Mars
1976 : Pfarrer Oskar Brüsewitz nimmt sich das Leben
1976 : Tod von Mao Tse Tung
07.10.1949 : Gründung der DDR
17.06.1953 : Arbeiteraufstand in der DDR
13.08.1961 : Bau der Berliner Mauer
18.08.1976 : Pfarrer in der DDR übergießt sich mit Benzin
30.09.1989 : DDR-Flüchtlingsdrama in der Prager Botschaft
09.11.1989 : Öffnung der DDR-Grenzen
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2:25 s, mp3, 64 kbit/s, 1.147 KB

 

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