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"Gotteswahn"
gesendet am 7. Oktober 2007 von Dr. Hans Frisch
 

Der Biologieprofessor Richard Dawkins will die Menschheit vom "Gotteswahn" heilen

Bestseller "Der Gotteswahn" des britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins
Bestseller "Der Gotteswahn" des britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins

Man kann nur hoffen, dass die Moslems es nicht merken! Da hat ein Engländer eine abscheuliche Gestalt skizziert:

"Der Gott des Alten Testaments ist die unangenehmste Gestalt der gesamten Dichtung: eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontroll-Freak; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinds- und völkermörderischer, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann."

- also der Gott Abrahams, der Gott Ismaels, Isaaks und Jakobs, der Gott der Juden und der Gott der Moslems.

Ohne Religion keine Terroranschläge?

Das wäre keine Beleidigung des Propheten wie bei den dänischen Karikaturen - das wäre übelste Gotteslästerung. Doch Professor Dawkins meint, er ist es der Welt schuldig, damit sie endlich vom Gotteswahn geheilt wird. Denn ohne Religion gäbe es keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/ Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung von Juden als "Christus-mörder", keine "Ehrenmorde", keine pomadigen Fernseh-Evangelisten im Glitzeranzug, die leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen.

Stellen wir uns vor: keine Zerstörung antiker Statuen durch die Taliban, keine öffentlichen Enthauptungen von Ketzern, keine Prügel für das Verbrechen, zwei Zentimeter nackte Haut zu zeigen..." Ich habe das Buch nicht gelesen, es ist jetzt auch in Deutsch zu haben - fast 600 Seiten für fast 23 €. Die beiden Auslandschefs des Stern haben mit dem "Wissenschaftler und Bestsellerautor" gesprochen - ein Bild von Gottvater (a la Rembrandt) ziert das Titelblatt der Ausgabe von voriger Woche, darunter groß: Warum es keinen Gott gibt.

Versucht Dawkins, einen großen Irrtum aufzudecken oder will er nur provozieren?

Im Gespräch meint der Biologe, dass er mit den einleitenden Worten vorwiegend provozieren will, d. h. "das Eis brechen" bei Vorträgen, und dass es ihm im Grunde um "die Wahrheit" geht. "Ich will wissen, ob es Gott gibt oder nicht." Weil er aber weiß, dass ein Beweis von Gottes Existenz genauso wenig möglich ist, wie der Beweis vom Gegenteil, fällt er ein Urteil über die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz "und die liegt unter 50 Prozent, ich glaube sogar, sie ist äußerst gering". Er versucht dann diesen Glauben zu begründen. Zunächst meint er, dass wir "das göttliche Monster des Alten Testaments und seine Werte" nicht benötigen, um unsere Moralvorstellungen zu entwickeln. Allerdings sagt der Evolutionsforscher nicht, wie sich Moral in der Menschheitsgeschichte entwickelt hat und ob sie ohne Religion sich hätte entwickeln können. Aus Ansätzen von "altruistischem Verhalten, also, rücksichtsvoll gegenüber den andern zu sein" im Tierreich, habe sich, genetisch bedingt, "so etwas wie eine Lust, gut zu sein entwickelt, einer sexuellen Lust durchaus ähnlich".

Also, wenn die moralische Entwicklung nicht durch diesen scheußlichen Gott gestört würde, dann gäbe es keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung und so weiter. So könnte man Dawkins mit etwas bösem Willen verstehen. Ernst nehmen kann ich ihn beim besten Willen nicht. Wer so ignorant vom Gott des Alten Testaments redet, der hat entweder keine Ahnung, oder er sucht den Gag, mit dem er Ignoranten imponieren will (und zum Kauf seines Buches animieren).

Glaubensfreiheit auch für Darwinisten

Natürlich gilt Religionsfreiheit auch für Darwinisten, die ihren Glauben an die äußerst geringe Wahrscheinlichkeit einer Existenz Gottes bekennen - doch ist die Achtung des Andersgläubigen Teil dieser Freiheit. Wer diese Achtung missachtet, der wechselt ins Lager der Fundamentalisten - und da findet er allemal Anhänger. Wenn es bei Dawkins nicht so viele wären (wie der Verkaufserfolg des Buches vermuten lässt) dann könnten wir hier eigentlich abbrechen, aber so wollen wir nach der Musik doch genauer hinschauen.

Musik

Ignoranz habe ich dem Autor des Buches vorgeworfen; wie sollte ich es sonst bezeichnen, wenn jemand den Gott, dessen Gesetz in einem Satz zusammengefasst lautet: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" - oder besser übersetzt: "Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du" - wenn er diesen Gott als "abscheuliches Monster" darstellt.

Bibelkenntnis vieler Erwachsener überschreitet kaum das Kindergartenniveau

Das ist, wie wenn die Kindergartentante das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf erzählt - und selbst an den bösen Wolf glaubt. In puncto Bibelkenntnis, Wissen um Religionsgeschichte und Kirchengeschichte überschreiten sehr viele Erwachsene nicht wesentlich das Kindergartenniveau (die Zuhörer ausgenommen, sonst hätten sie ja längst abgeschaltet).

Lasst uns also ernsthaft hinschauen auf das Thema Religion und Gottesglaube - nur nicht durch die Brille eines gläubigen Darwinisten, sondern geleitet von einem Religionsforscher. Mircea Eliade hat ein dreibändiges Werk geschrieben über die "Geschichte der religiösen Ideen" - jeder Band fast so umfangreich wie "Der Gotteswahn". Gewissenhaft und überzeugend hat er die Evolution des Religiösen in der Menschheitsgeschichte untersucht und dargestellt - seine daraus entstandene Schau ist zusammengefasst in einem Taschenbuch: "Das Heilige und das Profane".

Als Ursprungsereignis der Entstehung von Menschheit sieht er die Stiftung einer Mitte - ein heiliger Stamm, ein Stein, ein Altar - von hier aus und zu ihm hin ordnete sich das umgebende Chaos der Natur zu einem gedeuteten menschlichen Kosmos. Geschehen konnte (und kann) das aber nur, wenn die Mitte heilig ist, von allen anerkannt und von einer Tabugrenze geschützt.

Im Laufe der Entwicklung wurde aus dem Altar ein Tempel und aus dem Tempel wurden Kirchen und Kathedralen (im christlichen Abendland.) Es ist schwer bis unmöglich, sich die Entwicklung menschlicher Gemeinschaften ohne das verbindende Heilige zu denken - das müsste eigentlich ein Evolutionsforscher erkennen (oder anerkennen). Ob dahinter oder in diesem Prozess die wirkliche Offenbarung Gottes geschieht, ist dabei ohne Bedeutung. Doch Dawkins steigt ein mit dem "Gott des Alten Testaments", und da wird die Geschichte für uns, die im christlichen Abendland leben, bedeutsam (nicht nur für gläubige Juden und Christen).

Annahme: "Gott existiert wirklich"

Bei Abraham beginnt die Geschichte einer persönlichen Beziehung zwischen dem sich offenbarenden Gott und dem Menschen, dem einzelnen Menschen. Betrachten wir die Entwicklung, die daraus entsteht, unter der Annahme: "Gott existiert wirklich" (denn unter dieser Annahme ist sie drei Jahrtausende verlaufen). Aus einer Biografie wurde eine Familiengeschichte - daraus die Geschichte von 12 Sippen, die zu 12 Stämmen heranwuchsen - in Ägypten, wo sie als Fremdlinge Frohnarbeit leisten mussten. Der Gott Abrahams Isaaks und Jakobs rief Mose als Führer, der die Kinder Israel in die Freiheit führen soll, und er hilft nach mit zunehmendem Druck durch eskalierende Katastrophen (u. a. Mücken-, Fliegen- und Froschplagen), dass sie schließlich ziehen dürfen. In der Euphorie der Befreiung schließen die 12 Stämme am Berg Sinai einen Bund mit diesem Gott - das Gesetz ist die Bundesurkunde und der Artikel 1 lautet: "Denn ich bin heilig und ihr sollt heilig sein".

Die Ausführungsbestimmungen entsprechen weitgehend den damals allgemein anerkannten Gesetzen in allen Völkern: Kein Mord, kein Diebstahl, kein Ehebruch, kein Meineid - doch die Begründung ist neu: "weil ihr heilig seid" - also sind solche Taten Verletzungen des heiligen Tabus, und damit verbunden ist zumindest die Ausscheidung aus dem heiligen Volk.

Ein furchtbarer Gott, wie Dawkins ihn zeichnet, der hätte bald kein Volk mehr gehabt, doch der Gott Israels verkündet deutlich und immer wieder: "Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehre und lebe". Deshalb bietet er an: wer seine Schuld erkennt und bekennt, der darf umkehren. Als heilige Handlung stiftete er das "Schuldopfer" - ein Lamm, geschlachtet an der Grenze des Heiligtums. (Für ein Hirtenvolk kein Preis, allenfalls ein Zeichen).
Wenn der Priester etwas von dem Blut an die Hörner des Altars streicht, dann gilt Gottes Zuspruch: "Dir ist vergeben". "Der tut das bestimmt nie wieder!" war die spontane Äußerung unserer elfjährigen Enkelin, als ich das einmal erklärte. Wenn sie doch recht hätte!

Musik

Wenn man dem Gott des Alten Testaments ein Laster hat, dann ist es Geduld

Wenn man dem Gott des Alten Testaments ein Laster vorwerfen will, dann ist es nur seine Geduld. Damals, als das Volk ums goldene Kalb tanzte, während Mose auf dem Berg ist und das Gesetz empfängt, da war sie eigentlich zu Ende - "Lass mich, dass ich sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen", sagt Gott zu Mose - doch der überredete ihn zur Geduld - und dabei ist Gott geblieben. Abfall, Götzendienst, Unzucht und manches mehr leistete sich das Volk, Gott ließ sie in Katastrophen geraten, doch er ließ sie nicht los. Wieder und wieder akzeptierte er die Umkehr und schenkte einen Neuanfang.

Es muss etwas Besonderes passieren, damit der Mensch sich ändert

Und immer deutlicher und stärker wurde die Hoffnung und die Sehnsucht nach einem Ende dieses Spiels, nach einem neuen Bund, der primär auf der Vergebung, auf der verändernden Gnade gegründet ist - und Propheten versprachen diesen Bund. Je bedrückender die äußern Verhältnisse wurden - erst die griechische Besetzung, dann die römische - umso brennender wurde die Erwartung. Als Johannes der Täufer unten am Jordan verkündete: "Jetzt ist es bald so weit!" - da liefen Scharen zu ihm hin, um durch die Taufe Vergebung zu erlangen, damit sie Anteil bekommen an dem anbrechenden Gottesreich.

Auch Jesus ist dabei - nicht zur Buße, sondern zur Bestätigung seiner Sendung, die er kannte (oder sollten wir sagen: die er glaubte?) Er war gewiss (oder: er glaubte fest), dass mit seinem Opfertod als Lamm Gottes jedem, der es für sich annimmt, der Zuspruch Gottes gilt: "Dir ist vergeben". In dieser Gewissheit, in diesem Glauben stirbt er am Kreuz, dem furchtbarsten Hinrichtungsinstrument, das Menschen erfunden haben.

Wir hatten unsere Überlegungen mit der Annahme begonnen und durchgeführt: Gott existiert wirklich. Jetzt musste es sich zeigen, ob ja oder nein. Wenn Jesus sich getäuscht hätte in seinem Glauben, dann wäre sein Tod das tragische Ende eines unglaublich guten, tapferen, ehrlichen Menschen vor 2.000 Jahren - die Frage nach Gott hätte sich erledigt.

Hätte er sich nicht geirrt, dann wäre sein Tod die absolute und endgültige Offenbarung Gottes als der Gnädige und Liebende - ja, als "die Liebe". Dazu musste etwas geschehen, was die Menschen, besonders die Jünger, damals überzeugte - und das ist geschehen, in den 40 Tagen zwischen Ostern und Himmelfahrt. Und danach musste es immer wieder geschehen, dass Menschen diesem Gott, dieser Liebe begegnen, so dass ihr Leben und sie selbst sich verändern - und es ist immer wieder geschehen und geschieht immer wieder.

Die Frage "Gibt es Gott?" ist deshalb genauso wie: "Gibt es Liebe?" Kein Wissenschaftler kann die Existenz der Liebe beweisen - doch keine Liebenden werden an ihrer Wirklichkeit zweifeln. So sind wir von der heiligen Mitte am Beginn der Menschheit in die heilige Mitte unseres Lebens geraten - Gott sei Dank.

Was dieser Gott im Kosmos, in der Evolution des Lebens und der Kultur, angesichts des schrecklichen Missbrauchs der menschlichen Freiheit und der Schändung des Heiligen bedeutet, das werden wir nicht erkennen - so wenig wir schwarze Materie und dunkle Energie im Kosmos und Quantenphänome auf Erden wirklich verstehen können - doch alles, was wir von ihm wissen sollten, das begegnet uns in Jesus Christus.

Dr. Hans Frisch

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