zur AREF-Startseite
Das Kalenderblatt

Eine Kalenderwoche zurück

KW 36 / 2026

Eine Kalenderwoche weiter

 

„Kriegstüchtig“ werden?

Vor 90 Jahren: Hitler überreicht Göring zum Vierjahresplan eine Denkschrift

Reichskanzler Adolf Hitler auf der Terrasse seines Landsitzes Berghof auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden mit Hermann Göring
Reichskanzler Adolf Hitler auf der Terrasse seines Landsitzes Berghof auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden mit Hermann Göring. (Aufnahmedatum unbekannt)
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2004-1202-502 / CC-BY-SA 3.0
"Reichsgesetzblatt - Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes. Vom 18.10.1936." Darin heißt es: "Die Durchführung des Vierjahresplanes übertrage ich dem Ministerpräsidenten Generaloberst Görung."
"Reichsgesetzblatt - Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes. Vom 18.10.1936." Darin heißt es: "Die Durchführung des Vierjahresplanes übertrage ich dem Ministerpräsidenten Generaloberst Göring."

02.09.1936: Auf dem Obersalzberg überreicht Adolf Hitler seinem Reichsminister Hermann Göring zum Vierjahresplan eine Denkschrift. Darin behauptet Hitler im 1. Teil, dass die Sowjetunion Deutschland angreifen werde. Deshalb müsse die deutsche Armee in vier Jahren einsatzfähig sein. Im 2. Teil schreibt er, Deutschland sei übervölkert und brauche neuen „Lebensraum im Osten“. Im 3. Teil befiehlt Hitler den maximal möglichen Ausbau der Produktion und die Beseitigung der Importabhängigkeit von kriegswichtigen Rohstoffen. Die Denkschrift schließt mit dem Satz: „Die deutsche Wirtschaft muss in 4 Jahren kriegsfähig sein.“

Zwei Tage später trägt Göring Auszüge daraus auf einer Kabinettssitzung vor und betont zu Beginn, die Denkschrift gehe „von dem Grundgedanken aus, dass die Auseinandersetzung mit Russland unvermeidbar“ sei.

* * *

Diese Denkschrift von Adolf Hitler gilt in der historischen Forschung als ein Schlüsseldokument für seine Kriegspläne und war nach dem 2. Weltkrieg ein Beweisstück im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. In fast 70 Jahren Bundeswehr hieß der Auftrag immer, „verteidigungsfähig“ zu sein.

Als die Bundeswehr sich 1999 an der Bombardierung Jugoslawiens beteiligte, hieß es noch von Bundeskanzler Gerhard Schröder: „Wir führen keinen Krieg“. Als Bundespräsident Horst Köhler 2010 auf dem Rückflug aus Afghanistan vor Journalisten von „Krieg“ sprach, war man empört und warf ihm vor, er stünde nicht auf dem Boden des Grundgesetzes, und er musste seinen Platz räumen. Aber seit 2023 spricht unser „Bundesministerium der Verteidigung“ öffentlich davon, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden.

Da drängt sich angesichts der deutschen Geschichte bei vielen die Frage auf: Warum spricht unser Verteidigungsministerium seit 2023 nicht mehr von „Verteidigungsfähigkeit“, sondern verwendet Begrifflichkeiten, die Deutschland drei Jahre nach der Äußerung in den 2. Weltkrieg führten?

Um seine Bevölkerung von Krieg zu überzeugen, braucht es immer Lügen - und die beginnen schon mit dem Weglassen wichtiger, aber meist unangenehmer Fakten. Wer Frieden und Gerechtigkeit sucht, muss sich um die ganze Wahrheit bemühen.

Autor: Uwe Schütz
Sprecher: Heiko Müller

Das Kalenderblatt am jeweiligen Kalendertag über Twitter Der Kalenderblatt-Autor auf Twitter (heute "X"), Telegram und über WhatsApp-Kanal

mehr bei uns, was damals sonst noch geschah:

1933 : Hitler wird zum Reichskanzler ernannt
1933 : In Berlin brennt das Reichstagsgebäude
1933 : „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“
1933 : Bücherverbrennung durch Studenten
1934 : Protest gegen national-sozialistische Einheitskirche
1936 : "Moderne Zeiten" startet in den Kinos
1937 : Zeppelin-Katastrophe in New York
1937 : Einweihung der Golden Gate Bridge
1938 : Nazis verkünden das Reichsschulpflichtgesetz

Die Radioversion anhören
Die Radioversion anhören
2:21 s, mp3, 64 kbit/s, 1.123 KB