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Darwinismus und Kreaktionismus

gesendet am 01.01.2009 von Dr. Hans Frisch
 

Was haben Kapitalismus und Sozialismus gemeinsam, oder Materialismus und Idealismus?

Den -ismus. Man könnte sagen: ein Ismus gibt die Möglichkeit, in der unendlichen Vielfalt möglicher Erkenntnisse und Entscheidungen eine Insel zu bilden - im Dschungel eine Lichtung, auf der man siedeln kann, bauen und ordnen kann, sich behaupten und sich wehren kann, auch gegen Nachbarsiedlungen. Weil aber alle im gleichen Fluss fischen, von den gleichen Bäumen ernten, im gleichen Wald ihr Bauholz holen, deshalb kommt es zum Kampf. So könnte man sich ein Bild der Ismen machen und von ihrem Kampf um Anhänger und gegeneinander.

Was haben Kreationismus und Darwinismus gemeinsam?

Auch sie haben ihre Anhänger, ihre Abgrenzungen, ihre Konkurrenz, ihren Kampf. Vor drei Tagen war der 200. Geburtstag von Charles Darwin, und vor 150 Jahren wurde sein wesentliches Buch veröffentlicht - deshalb gibt es kaum eine Zeitung und kaum einen Sender ohne Informationen zu Darwin.

Was hat Darwin auf seiner Forschungsreise entdeckt?

Um im Bild zu bleiben: Darwin ist bei seiner Forschungsreise in Dschungelgebiete geraten, buchstäblich im Urwald von Brasilien - und hat dort Entdeckungen gemacht, die nicht in das bis dahin allgemein gültige Ordnungssystem passten. Zum Beispiel fand er das versteinerte Skelett von einem Riesenfaultier, das es nicht mehr gibt. Also, merkte er, es hat Arten gegeben, die sind ausgestorben. Sie wurden abgelöst von anderen, neuen Arten. Das passte nicht zu der Ansicht, dass Gott alle Lebewesen, ein jedes nach seiner Art, am Anfang geschaffen hat - wie es im Schöpfungsbericht der Bibel steht (die er als studierter Theologe gut kannte). Auf den Galapagosinseln fand er Finkenarten vor, die sich von Insel zu Insel unterschieden - die einen hatten einen festen, groben Schnabel, andere zum Beispiel einen dünnen, spitzen. Sollte Gott für jede Insel eine eigene Art geschaffen haben?

Es war offensichtlich: da, wo es trocken war und die Vögel sich von Samen der Kräuter und Gräser ernährten, da hatten sich immer die mit dem gröberen Schnabel besser behauptet und stärker vermehrt - wo Insekten im Gebüsch oder im Sumpf zu fangen waren, da sind die mit dem spitzen Schnabel schließlich übriggeblieben.
Dieses Prinzip fand er dann in vielen, praktisch in allen Lebensbereichen vor.

Darwin hielt seine Erkenntnis und Vorstellungen lange geheim

"Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein". So nannte er das Buch, in dem er seine Erkenntnisse und Vorstellungen über die Entwicklung der Lebewesen - über die Evolution - veröffentlichte. Doch zwischen der Entdeckung und dem Buch liegen 20 Jahre. Erst als er erfuhr, dass ein anderer Biologe die gleichen Vorstellungen entwickelt hatte, gab er das Buch heraus. Die erste Auflage war am ersten Tag verkauft. Und gleich begann der Kampf.

"Darwinisten" und "Kreationisten"

Der Zufall sollte Schöpfer der verschiedenen Arten sein - das konnten Menschen, die glaubten: "Gott hat die Tiere geschaffen, ein jedes nach seiner Art", nicht akzeptieren. Und für Menschen, die das nicht glaubten, war das ein Beweis für ihre Gottesleugnung. Zunächst brauchten die Gläubigen keine eigene Bezeichnung, sie waren ja die Allgemeinheit. Die Anhänger der Evolutionstheorie wurden "Darwinisten" genannt, und sie rückten natürlich zusammen.

Üble Karikaturen der Gegner tauchten auf - auf beiden Seiten. Besonders der Gedanke: "der Mensch stammt vom Affen ab", belebte die Diskussion und den Streit.
Inzwischen sind die Belege und die Erkenntnisse zur Evolution so überwältigend, dass die "Evolutionsgegner" weit in der Minderzahl sind. Sie nennen sich nach der Schöpfung, der "Kreation", die "Kreationisten". Unverändert halten sie an dem Schöpfungsbericht in der Bibel fest - wörtlich - und versuchen, ein Weltbild damit zu begründen.

Wir sind schon einige Male auf das Thema gekommen, zum zweihundertsten Geburtstag Darwins im 150. Jahr der Buchveröffentlichung wollen wir noch einmal hinschauen.

* * * Musik * * *

Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel

"In sechs Tagen wurde die Welt erschaffen, zunächst die Erde im leeren Kosmos. Dann das Licht - noch ohne Sonne. Nach Trennung von Meer und Kontinenten am vierten Tag die Pflanzen, jede nach ihrer Art, und erst am vierten Tag Sonne Mond und Sterne, auf einen Schlag! Danach die Tiere, jedes nach seiner Art - und zuletzt der Mensch, der nach dem Bild Gottes. " so lesen wir es in der Bibel - "und so ist es gewesen", sagen die Kreationisten. "Sechs Tage, und das vor 6.000 Jahren", denn die kann man aus den Geschlechtsregistern im ersten Buch Mose errechnen.

Vor 5.000 Jahren fing es noch mal fast von vorn an, denn die Sintflut hatte nur eine Familie und von jeder Tierart ein Paar überlebt in der Arche.
Diese Flut erklärt auch die Bildung der geologischen Schichten, der Kohlenlager (aus angeschwemmten Bäumen), die Fossilien (aus ertrunkenen Lebewesen) und noch manches andere. Das ist sehr kurz zusammengefasst, was in schier unendlich vielen schöpfungswissenschaftlichen Schriften erklärt wird.

Die Autoren treten auf mit dem Anspruch auf den rechten Glauben an Gottes Wort - heute noch, wie schon zu Darwins Zeit. Man bekommt den Eindruck, dass sie ihre Wissenschaftlichkeit vorwiegend aus den nachgewiesenen oder angenommenen Lücken und Fehlern der Evolutionstheorie begründen.

Nun ist ja die Behauptung, alle die wunderbaren und wundersamen Lebensformen sind einfach so durch "blinden Zufall" entstanden, unglaublich. Wie soll ein funktionierendes Auge zufällig entstehen. Wenn man mit der minimalen Wahrscheinlichkeit (oder der extremen Unwahrscheinlichkeit) eines solchen Zufalls rechnet, dann ergeben sich Wartezeiten, die fast unendlich länger sind, als das Alter des Universums (nicht der 6000 kreationistischen sondern der 13 Milliarden wissenschaftlichen Jahre).

Ungefähr so: Wenn ich alle Teile einer Uhr in ein Gefäß tue, wie lange muss ich schütteln, bis zufällig eine funktionierende Uhr daraus wird? Richtig, ohne einen intelligenten Uhrmacher, ewig!

Die Idee vom "Intelligent Design"

Und da setzt eine Richtung an, welche die Fakten, die ein großes Alter der Welt anzeigen, akzeptieren, aber auf dem Eingreifen eines intelligenten Designers bestehen. Intelligent Design, kurz ID. Entwicklung Ja, aber gesteuert von Gott, dem Designer. Nun ist das ja kaum zu widerlegen, genauso wenig wie das Fehlen eines Designers zu beweisen ist, denn wir finden die Welt so vor, wie sie geworden ist, und wir können keine zweite Welt im Labor erzeugen.

Damit ist die Partie eigentlich Patt. Gegen ID mit dem Glauben an Gott kann eigentlich nur das Glaubensbekenntnis: "Es ist kein Gott" stehen. Doch die Kreationisten melden sich immer wieder deutlich. In den USA haben sie in einigen Bundesstaaten die Aufnahme des Schöpfungsberichtes in den naturwissenschaftlichen Unterricht wieder durchgedrückt; Ende der 1980er Jahre hatte der Oberste Gerichtshof es verboten. Auch in Europa gibt es ähnliche Bestrebungen. Verständlich, dass Naturwissenschaftler eine Lehre strikt ablehnen, die weitestgehend gesicherte Erkenntnisse über Geologie, Paläontologie, Physik, Kosmologie, Biologie und Genetik als falsch bezeichnet.. Im Europaparlament wurde ein Antrag, kreationistische Propaganda zu verbieten, mit einer nur knappen Mehrheit abgelehnt.

Es sind schon absurde Konsequenzen, die sich aus den "schöpfungswissenschaftlichen" Ansätzen ergeben (zum Beispiel: dass erst durch den Sündenfall von Adam und Eva der Tod in die Welt gekommen ist. Vorher waren alle Tiere, auch Löwe und Haifisch, Vegetarier). Doch ehe wir darüber lachen, wollen wir nach der Musik versuchen, ernsthaft nach dem Sinn und den Ursachen solcher Argumente zu fragen.

* * * Musik * * *

Was kann einen intelligenten, vernünftigen, akademisch gebildeten Menschen - sogar einen Hochschullehrer - dazu bringen, den Kreationismus zu vertreten.
Natürlich können wir da nur Vermutungen anstellen, gestützt durch diverse Gespräche. Versuchen wir es. Zu Darwins Zeit war die Richtigkeit des Schöpfungsberichtes von den meisten kaum angezweifelt - zumindest die Tatsache einer Schöpfung durch Gott - denn eine andere Erklärung für die Vielfalt des Lebens, ja für die Entstehung des Lebens, war kaum denkbar. Das Fach Biologie gehörte ins Theologiestudium, dort ist Darwin der Biologie begegnet. Sie wurde sein Lieblingsfach.

Erklärungsversuche, wie wisscnschaftliche Erkenntnisse und Schöpfungsgeschichte zusammen passen, stehen hoch im Kurs

Eine Erklärung für die Bildung von Arten brachte nun die Evolutionstheorie. Sie eröffnete ungeheurere Forschungs-und Erkenntnismöglichkeiten - außerhalb der Theologie; und sie verlangte nicht einen Gott als Schöpfer (obwohl die Entstehung des Lebens ungeklärt blieb). Nicht nur die Theologen sondern auch einfache gläubige Menschen protestierten, fühlten sie doch ihren Glauben an einen Schöpfergott zumindest hinterfragt, wenn nicht negiert. Als Reaktion wurden aus Darwinanhängern "Darwinisten" und aus ihren Gegnern "Kreationisten", auch wenn der Name erst später aufkam.

Ein junger Mensch, der gläubig aufwuchs, ordnete sich selbstverständlich zunächst ein auf Seiten der Schöpfungsgläubigen und brauchte Argumente, um den Argumenten der Ungläubigen standzuhalten. Die lieferte ihm der Kreationismus. So verfestigten sich die Fronten. Weil der Unglaube in der Regel kaum Begründungen nötig hat, und jetzt noch dazu wissenschaftliche Argumente zum Angriff benutzte, war ein Festhalten am Glauben trotz der wissenschaftlichen Argumente nötig. In den Gruppen der Gläubigen bestärkte man sich darin, und war dankbar für wissenschaftlich formulierte Gegenargumente, meist als Hinweis auf Lücken und Fehler der Evolutionslehre. Die Vermutung ist nahe liegend, dass sich in diesem Bereich Spezialisten herausbildeten, die dann Anerkennung und Erfolg hatten. Mit der Anerkennung wuchs auch ihre Autorität, und mit zunehmender Anhängerschaft auch ihre Macht - bis zum Einfluss auf die Politik, was die Gruppenbildung (und die Gruppendynamik) weiter verstärkt.

Ich hoffe, einige sind nervös geworden bei dem Reden vom "Schöpfungsglauben". Ist es nicht eigenartig, dass in den Medien (und in Gesprächen) in der Regel vom "christlichen Schöpfungsbericht" geredet wird und dass der Eindruck entsteht, dieser wäre das Fundament und der Inhalt des christlichen Glaubens. Auch die Äußerungen aus kreationistischen Kreisen erwecken oft diesen Eindruck.

Doch der christliche Glaube hat als Ursprung und Inhalt Jesus Christus, den gekreuzigten, auferstanden und erhöhten Herrn. Sicher, Jesus war Jude und bestätigte die Wahrheit des Alten Testaments, also auch des Schöpfungsberichtes, so wie seine Jünger, auch seine Gegner, auch der Pharisäer Paulus. Sie alle bekannten das Alte Testament als Gottes Wort.

Unser Heil liegt nicht im Alten Testament

Doch das Heil, zumindest unser Heil, die wir nicht zum Volk des alten Bundes gehören, liegt nicht im Alten Testament sondern im Evangelium, der frohen Botschaft von Jesus Christus und unserer Erlösung durch sein Opfer. Daran werden wir in der Passionszeit wieder besonders erinnert.

"Das Wort wurde Fleisch" so sagt es der Evangelist Johannes in seinem gewaltigen Prolog. Wenn Jesus das fleischgewordene Wort Gottes ist, dann sind alle Worte zuvor "Vorworte", die auf ihn hinweisen, die ihn ankündigen, die ihn ermöglichten - doch das endgültige Wort Gottes ist dann ER.

Die Frage des Glaubens lautet dann: IST er Gottes Wort an mich und für mich?" Wenn er es nicht war und nicht ist, was habe ich dann mit einem Schöpfergott zu tun? Ja, wenn Jesus sich geirrt hätte mit seinem Glauben an den Gott seines Volkes, wenn sein Opfertod am Kreuz nicht Gottes Wille war, was habe ich dann mit Gott zu tun und was bedeutet für mich? Ob die Welt geschaffen wurde oder sich von selbst entwickelt hat - sie ist wie sie ist.

Doch wenn Jesus sich nicht geirrt hat, dann ist er, dann ist sein Opfer das wichtigste Angebot, das Gott mir macht, unabhängig vom Alter der Welt oder der Entstehung der Arten. Und dann steht es mir frei, auch über das Wunder der Evolution zu staunen. Und der Schöpfungsbericht, diese uralte Geschichte von der Entstehung der Welt, des Lebens und der Arten, von der Herkunft des Menschen - ist der überholt durch die Entdeckung der Evolution?

Es ist unglaublich, aber mit diesem Bericht, aus einer Zeit, in der Naturwissenschaft in unserem Sinne noch nicht existierte, wurde ein Protokoll des Anfangs geschrieben, das Wort für Wort mit unseren Vorstellungen übereinstimmt - ich habe das in einem AREF-Beitrag über die Schöpfungsgeschichte einmal dargestellt.

mehr bei uns:
Sendebeitrag über den Schulstreit über Evolution, Schöpfungslehre und intelligentes Design
Alle Beiträge und Nachrichten zum Streit über Evolutionstheorie und Schöpfung

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