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Abweisung widerspricht Auftrag und Selbstverständnis

Kardinal Meisner ist beschämt über die Abweisung einer Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln

Joachim Kardinal Meisner, Erzbistum Köln hat zum Vorfall in katholischen Krankenhäusern Stellung genommen
Joachim Kardinal Meisner ist seit 1989 Erzbischof von Köln.
geb. 1933 in Breslau. Seit 1975 war er Weihbischof in Erfurt.1983 erhob ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.
Foto: Robert Boecker bei bilder.erzbistum-koeln.de für nichtkommerzielle Nutzung freigegeben

23.01.2013: Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, hat sich über die Zurückweisung eines möglichen Vergewaltigungsopfers durch zwei katholische Kliniken in Köln geäußert: "Was im Dezember des vergangenen Jahres einer jungen Frau in zwei katholischen Krankenhäusern widerfuhr, hätte nie geschehen dürfen: Sie suchte Hilfe in großer Not und fand keine Aufnahme. Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis", so Joachim Kardinal Meisner auf der Startseite des Erzbistum Köln (www.erzbistum-koeln.de).

Vergewaltigung sei ein schlimmes Verbrechen, nach dem "jede notwendige medizinische, seelsorgliche und menschliche Hilfe" geleistet werden müsse, erklärte der Kölner Erzbischof. "Ausgenommen sind nach unserem Selbstverständnis allerdings alle Maßnahmen, welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten." Der Lebensschutz sei "eine unüberschreitbare Grenze und jedem menschlichen Eingriff entzogen". Wer ihn relativiere, der relativiere die Menschenwürde insgesamt.

Meisner betonte, es gebe "keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder gar abzuweisen". Deshalb müsse "jetzt genau erforscht werden, was dazu führte, diese Frau nicht aufzunehmen".

Im Dezember hatte eine offenbar mit K.O.-Tropfen betäubte Frau Hilfe gesucht

Eine offenbar mit K.O.-Tropfen betäubte Frau im Dezember 2012 war nach Darstellung der behandelnden Notärztin in Köln von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden. Es sollte festgesetllt werden, ob die Frau vergewaltigt worden war. Die Ärztinnen sollen empfohlen haben, andere Häuser anzufragen. Schließlich dürfte sie selbst die "Pille danach" nicht verschreiben.

Der Fall stieß auch im evangelischen Lager auf Unverständnis

Der Fall stößt auch unter evangelischen Medizinern auf Kritik: "Ich habe für die Vorgänge keinerlei Verständnis", sagte der Chefarzt der Gynäkologie in der diakonischen Henriettenstiftung in Hannover, Wulf Siggelkow, in einer Sendung des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen für Radio ffn. "Es ist für mich vollkommen unerklärbar, wie zwei katholische Häuser sich versteigen können, eine solche Patientin abzuweisen, obwohl sie ja letztlich nur in der Beratungspflicht wären, dieses Opfer moralisch und menschlich aufzufangen." Er könne sich den Kölner Fall nur mit einem Missverständnis erklären.

Heute Thema im NRW-Landtag

Am heutigen Mittwoch befasst sich der Düsseldorfer Landtag mit den Vorgängen. Die Piratenfraktion fordert in einem Eilantrag, dass "religiöse Glaubenssätze eine Behandlung in Krankenhäusern nicht mehr verhindern". Mit Steuergeldern geförderte Kliniken dürften Patienten in keinem Fall medizinische Versorgung oder psychologische Unterstützung verwehren.

Bericht von SPIEGEL-Online wirft viele neue Fragen auf und macht Platz für Spekulationen

Wie SPIEGEL-Online unter dem Titel "Radikal-katholische Klinikkontrolle" heute berichtet, haben Lebensschützer Ende Oktober 2011 katholische Kliniken in Köln mit verdeckten Aktionen getestet, ob die Ärzte einer vermeintlichen Patientin die "Pille danach" verschreiben oder ihr zumindest zu einem Rezept verhelfen. Die Ergebnisse landete bei der Erzdiozöse Köln. Am 7. November 2012 habe der Träger der Klinken eine neue Richtlinie herausgegeben. Keinen Monat später geschah das, was nun bundesweit für Empörung sorgt: Und nun spekuliert SPIEGEL-Online, ob der Kliniktest der "radikal-katholischen Lebensschützer" Einfluss auf das Verhalten der Ärztinnen im Dezember 2012 hatte und fragt, wie die Kirche "mit Erzkonservativen und deren fragwürdigen Methoden" umgeht?

Warum genießt der Fall so große Aufmerksamkeit in den "Leit"- Medien?

Die besseren Fragen wären vielleicht: Warum hat der Fall, in dem es nicht um Erste Hilfe ging, so große Aufmerksamkeit in unserem Leitmedien? Warum hat die Frau für eine Untersuchung, die jeder Facharzt durchführen kann, überhaupt Klinken mit katholischem Träger aufgesucht? Wem nützen diese Presseberichte? War die Frau mit den vermeintlichen K.O-Tropfen am Ende eine Journalistin? Es wäre nicht das erste Mal: Die "Studentin", die sich vor einem Jahr in einem Linienbus von Aschdod nach Jerusalem utraorthodoxe Juden provozierte und damit weltweit Schlagzeilen machte, war eine Journalistin.

Die Wirkung der "Pille danach" ist nach wie vor umstritten

Die Wirkung der "Pille danach" ist nach wie vor umstritten. Pro familia betont, die "'Pille danach' ist keine Abtreibungspille" und spricht von "Nachverhütung". Bei bestehenden Schwangerschaften wirke sie nicht. Wenn die Eizelle schon befruchtet sei und die Einnistung in die Gebärmutter begonnen habe, sei die Hormonpille unwirksam.

Der genaue Wirkungsmechanismus der Wirkstoffe ist nicht vollständig geklärt. Als Hauptwirkung der "Pille danach" wird in der medizinischen Fachliteratur die Verhinderung des Eisprungs (Ovulation) angegeben, also die ovulationshemmende Wirkung. Sollte sich die Wirkung darauf beschränken, könnte sie keine Schwangerschaft verhindern, wenn der Geschlechtsverkehr unmittelbar nach dem Eisprung erfolgt oder wenn die Pille danach erst nach dem Eisprung eingenommen wird. Als Nebenwirkungen der "Pille danach" sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Unterbauchschmerzen und Zwischenblutungen. (wikipedia.de)

Die "Pille danch" ist in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Europas rezeptpflichtig. Pro familia hat im Mai 2012 die Kampagne "Pannenhilfe nach 6" gestartet. Ihr Ziel: "Pille danach muss rezeptfrei sein!"

Seit dem 14. Januar 2013 bietet die Online-Arztpraxis "DrEd" für die „Pille danach“ eine Sprechstunde an. Sie ermöglicht Frauen das Ausfüllen eines ärztlichen Anamnesebogens. "Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, stellen die DrEd-Ärzte ein Rezept für die „Pille danach“ aus. Das Rezept wird an eine deutsche Versandapotheke gesendet, die der Frau das Medikament am folgenden Vormittag bis zwölf Uhr liefert", heißt es in der Presseinformation "„Pille danach” ohne Stress per Express" von DrEd.. "Falls der ungeschützte Geschlechtsverkehr in das Zeitfenster Freitag 18 Uhr bis Samstag 18 Uhr fällt, wenden Sie sich bitte an Ihren örtlichen hausärztlichen Notdienst oder Klinikum", heißt es bei DrEd.com. Betreiber der Website ist eine Firma Health Bridge Limited in London.

Das Erzbistum Köln hält für seine "Schäfchen" am Verbot der "Pille danach" fest

Das Erzbistum Köln schärfte katholischen Krankenhäusern einem Bericht zufolge bereits vor einem Jahr das strikte Verbot der "Pille danach" ein. Es gehe um eine "Null-Toleranz-Grenze" für Schwangerschaftsabbrüche und "damit verbundene Tötungsdelikte", heißt es in einem Brief der Diözesanarbeitsgemeinschaft der katholischen Kliniken, aus dem der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstagsausgabe) zitiert. Alle Mitarbeiter müssten sich "so gemäß der Lehre der Kirche verhalten, dass das Zeugnis der Kirche für den Schutz des ungeborenen Lebens immer deutlich wird".

Quelle: jesus.de-Newsletter vom 22.01.2013, SPIEGEL ONLINE, wikipedia.de, DrED-Presseinformation vom 14.01.2013

Autor dieser Webseite: Uwe Schütz

 

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