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Wird das 8-jährige Gymnasium wieder gekippt?

Volksbegehren in Bayern - Eintragungsfrist vom 14. – 27. Juni

Logo der "Initiative Volksbegehren G9"22.06.2005: Die "Initiative Volksbegehren G 9" will erreichen, dass die mit diesem Schuljahr an bayerischen Gymnasien überhastet um ein Jahr verkürzte Schulausbildung (8 Jahre statt bisher 9 Jahre bis zum Abitur) wieder abgeschafft wird. Bis Montag, 27. Juni 2005, können sich alle Wahlberechtigen in Bayern in die in den Rathäusern ausliegenden Listen eintragen. Wenn sich 10% der Wahlberechtigten in der Zeit zwischen 14. und 27. Juni eintragen, findet über die Änderung des Bayerischen Schulgesetzes ein Volksentscheid statt.

Die Initiative will die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern zum Schuljahr 2005/2006 erreichen. Darüberhinaus wollen sie eine breite Diskussion über das Gymnasium der Zukunft anstossen.

"Wir wollen nicht zurück ins 19./20. Jahrhundert - auch wir wollen Reform, nicht aber Reformchaos auf Kosten der Kinder, Eltern und Lehrer! Nach 200 Jahren Halbtagsschule kann ein so bedeutender Umbau des Schulsystems nicht in einem Jahr erfolgen! Nehmen wir uns die Zeit dazu! Eine Denkpause, ein Moratorium muss erzwungen werden!", so die Initiatoren. Mit seiner Unterschrift könne man seine Unzufriedenheit mit dem Schulsystem dokumentieren.

Warum wurde G8 überhastet eingeführt ?

G8-Logo des des Bayerischen Staatsministeriuims für Unterricht und KultusMit dem Schuljahr 2004/2005 startete in Bayern das achtjährige Gymnasium (=G8). Die Zustände bei der G8-Einführung waren an den bayerischen Gymnasien chaotisch: Ein dicht gedrängter Stundenplan, viel Nachmittagsunterricht, keine geregelte Mittagsbetreuung, ein schlecht funktionierendes Schulbussystem, kaum Zeit für soziale, sportliche, musische und kirchliche Freizeitgestaltung, überforderte Lehrer (zu wenig Lehrer), Eltern und Schüler.

Wieso kam G8 so überhastet ?

Es war der 6. November 2003 als der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber in seiner Regierungserklärung sagte:

"Unsere Jugendlichen sollen die bestmögliche Ausgangsposition für ihren Start in das Leben haben. Sie sollen hervorragend ausgebildet werden. Aber sie sollen auch mit Jugendlichen aus anderen Ländern mithalten können, die früher in das Berufsleben einsteigen und damit in unserer globalen Welt bessere Chancen haben." Quelle: www.g8-in-bayern.de (Informationen des Bayerischen Staatsministeriuims für Unterricht und Kultus zu G8)

Hort sich vielleicht toll an, aber damit war entschieden: Bayern startet das achtjährige Gymnasium - und zwar sofort im nächsten Schuljahr und gleich für die 5. und die 6. Klassen. Stoiber wollte wohl damit alle anderen überholen, die auch an einer verkürzten Gymnasialzeit in Deutschland bastelten. Seine G8-Schüler sollen die ersten sein, die in die Hörsälen der Unis einrücken.

Mit dieser Regierungserklärung stellte der Ministerpräsident wohl alle vor vollendete Tatsachen und überrumpelte damit nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer, sondern wohl auch seine (damalige) Kultusministerin Monika Hohlmeier. Im Landtags-Wahlkampf hatte der bayerische Ministerpräsident noch mit dem neunjährigen Gymnasium in Bayern geworben.

Die Proteste waren heftig, aber nicht heftig genug. SPD und Grüne betrachten das G8-Modell wohl als Möglichkeit, die von ihnen favorisierte Ganztagsschule durch die Hintertür verpflichtend einzuführen.

Änderung des Artikels 9 BayEUG

Das Volksbegehren (VB) formuliert einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes (BayEUG). Danach soll Artikel 9 BayEUG wie folgt neu gefasst werden:

„Das Gymnasium umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 13.“

Der aktuell gültige Text lautet: „Das Gymnasium umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 12“.

Es wird weder von der Opposition im Landtag unterstützt (SPD und Grüne betrachten das G8 als Möglichkeit, die von ihnen favorisierte Ganztagsschule verpflichtend einzuführen) noch von den Lehrer- und Elternverbänden (Philologenverband und Landeselternvereinigung wollen durch eine Ablehnung des G8 ihre bislang guten Kontakte zum Kultusministerium nicht gefährden).
Trotz der fehlenden offiziellen Unterstützung konnten die für ein VB notwendigen 25.000 Unterschriften in wenigen Wochen gesammelt werden. Viele Betroffene sind also schon von der Fehlkonstruktion des G8 so überzeugt, dass sie sich von partei- und verbandstaktischen Überlegungen nicht mehr beeinflussen lassen.

Wer sind die Initiatoren ?

Die "Initiative Volksbegehren G 9" ist eine Gruppe von Eltern aus dem Landkreis Kitzingen, deren Kinder die Grundschule bzw. das Gymnasium besuchen. Das Volkbegehren werde ausschließlich von einer privaten Initiative aus Eltern, Lehrern und Schülern getragen und finanziert und ist weder Parteien noch Verbänden verpflichtet. Es gehe einzig um das Wohl der Kinder und Familien, so die Initiatoren.

Das Kultusministerium plant Änderungen

Nach dem Start des Volksbegehrens hat der neue Kultusminister Siegfried Schneider Nachbesserungen angekündigt. Der vollgestopfte Stundenplan mit teilweise bis zu 36 Unterrichtsstunden pro Woche soll entschlackt werden. Die 5. Klassen sollen ohne Nachmittagsunterricht auskommen und in der Mittelstufe soll eine Wochenstunde wegfallen. "Wir kommen damit den Wünschen vieler Eltern entgegen", erklärte Schneider. Das Kultusministerium will das 8-jährige Gymnasium also beibehalten.

Die Initiatoren des Volksbegehrens sprechen von einem "konzeptlosen Herumdoktern an den Stundentafeln" und beharren auf der Rückkehr zum 9-jährigen Gymnasium. - am besten schon im kommenden Schuljahr.

Bis zum Erfolg ist es aber noch ein weiter Weg. Nur wenn sich 10% der Wähler bis zum 27. Juni in die Listen eintragen, kommt es zum Volksentscheid. Nur wenn sich die Mehrheit der Wähler dafür entscheidet, könnte das achtjährige Gymnasium tatsächlich gekippt werden. Bisher scheitern alle Volksbegehren in Bayern schon an der ersten Hürde.

Webtipps zu G8 / G9

Informationen der Initiative Volksbegehren G9: www.volksbegehrenbayerng9.de
Informationen des Kultusministeriums zum G8: www.g8-in-bayern.de

Uwe Schütz, 22.06.2005

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