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Lage der Christen in Syrien

Im Gegensatz zur Berichterstattung in unseren Medien stehen die Christen in Syrien auf der Seite des Präsidenten Assad

18.08.2011: "Wir haben keine Angst vor dem Islam. Wir fürchten ein Chaos wie im Irak." Der Wortführer der syrischen Christen, der melkitische, mit Rom unierte, Erzbischof Gregorius III. (früher als Lutfi Laham Erzbischof von Jerusalem) hat offene Briefe an Regierungen in Europa und den USA geschickt mit der Bitte, sich in Syrien nicht einzumischen.

Die rund zwei Millionen Christen in Syrien halten sich bedeckt und unterstützen uneingeschränkt das Regime von Präsident Baschar Assad. Gleichzeitig bekunden westliche Politiker ihre Abscheu über Massaker in Syrien mit immer schärferen Worten, die Türkei droht offen mit Krieg, hat Assad ein Ultimatum gestellt und beruft Reservisten ein für den Fall, dass die Flüchtlingsströme überhand nehmen - erste arabische Länder ziehen sogar ihre Botschafter ab.

Erzbischof Gregorius III. hat vom Libanon aus gegenüber dem deutschen Programm von "Radio Vatikan" sein "Beileid für die Toten beider Seiten" ausgesprochen. Das war ein gewagter Schritt, den er sich gegenüber den syrischen Staatsmedien nicht getraut hätte. Denn das offizielle Syrien sieht in den toten Zivilisten "Terroristen", denen kein Beileid gebührt, da sie Angehörige von Armee und Polizei ermorden. Gemäß den dürftigen und unzuverlässigen Informationen aus dem abgeschotteten Staat scheinen sich Christen nicht an den Demonstrationen zu beteiligen. Ob Christen zu den Opfern gehören, ist unbekannt, zumal ihre Zentren in Aleppo, Latakia, Hama und anderen Städten liegen, aus denen ein Beschuss der Marine, vorrückende Panzer und Tote gemeldet werden.

"Ökumenisches Gebet": Solidarität mit Assad

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Zakka I. hat sich offen zum Befürworter Assads erklärt. Der ebenfalls in Damaskus residierende Erzbischof von Antiochien schweigt geflissentlich, hat aber seinen Bischöfen die Freiheit gelassen, selbst zu entscheiden, auf welche Seite sie sich stellen. Ein "ökumenisches Gebet" für Frieden in Syrien in der belagerten Stadt Hama endete allerdings als Solidaritätsveranstaltung mit Präsident Assad. Nach Angaben des Erzbischofs Ignatius IV. sei der amerikanische Botschafter Robert Ford aus der patriarchalischen Kathedrale vertrieben worden, weil er Solidarität mit den Menschen im belagerten Hama bezeugt hätte. Gegen den Willen der Regierung war Ford nach Hama gefahren, wo die Regierungstruppen besonders brutal gegen Aufständische vorgehen und wo Baschar Assads Vater Hafes el-Assad 1982 über 20.000 Moslembrüder abschlachten ließ.

Ähnlich wie im Irak unter Saddam Hussein genießen Christen verhältnismäßig viele Freiheiten

Die Treue zu Assad hat für die christliche Minderheit einen guten Grund. Ähnlich wie im Irak unter Saddam Hussein definiert sich Syrien unter dem Regime der Ba´ath-Partei als "weltlich". Den religiösen Minderheiten, allen voran den Christen, wird Religionsfreiheit gewährt. Die Gläubigen genießen eine weitgehende Gleichberechtigung und Autonomie. Zwar muss in Syrien laut Verfassung der Präsident ein Moslem sein, aber Christen dienen als Offiziere in der syrischen Armee neben Drusen und Kurden. So genießen die Christen deutlich mehr Freiheiten als in den meisten anderen arabischen Staaten.

Gregorius III. erwähnte in Interviews die Angst der Christen vor "Chaos". Irak dient ihm als abschreckendes Beispiel. Unter dem Schreckensregime Saddam Husseins konnten die Christen weitgehend "in Frieden" überleben. Seit dessen Sturz haben muslimische Gruppen durch Selbstmordattentate bei Kirchen und Christenverfolgungen für eine Massenflucht aus dem Zweistromland gesorgt. Hunderttausende flohen in die Türkei und nach Syrien.

Einige syrische Bischöfe beginnen angeblich, hinter vorgehaltener Hand in Privatgesprächen das Blutvergießen in Frage zu stellen, seitdem Katar und Saudi-Arabien ihre Botschafter abgezogen haben, die Wirtschaft zugrunde geht und damit das Elend der Bevölkerung zunimmt. Auch der Vatikan hält sich bedeckt und schließt sich nicht dem Chor der westlichen und arabischen Politiker an, die mit "Erschütterung" und "Abscheu" die Massaker in Syrien verurteilen. Beim Angelus-Gebet im Juli äußerte Papst Benedikt XVI. "tiefe Besorgnis" und meinte neutral, dass "Waffen nirgendwo Probleme gelöst" hätten. Ohne Gaddafi oder Assad namentlich zu nennen, rief der Papst zum "Dialog" zwischen der Bevölkerung und den Behörden in Libyen und Syrien "für eine friedliche Koexistenz" auf. Er redete nicht von Sanktionen, sondern nur von einer "angemessenen Antwort auf die legitimen Bestrebungen der Bürger".

Keine genauen Informationen

Genauere Informationen, auch zum Schicksal der Christen in Syrien, gibt es nicht. Die Patriarchen und Bischöfe befolgen klare politische Ziele und unterwerfen sich dem Regime. Ihren Äußerungen ist deshalb nur eine bedingte Glaubwürdigkeit beizumessen. In den offiziellen Medien Syriens finden weder Aufstände noch Massaker statt. Die aktive Opposition befolgt eigene politische Ziele und erweist sich mit ihren Angaben als äußerst unzuverlässig.

Seit etwa zwei Monaten wird die Zahl der Toten in Syrien mit 1.700 angegeben, obgleich fast täglich zwischen 20 und über 100 Tote aus Daraa, Latakia, Hama und Städten nahe den Grenzen zur Türkei und Irak hinzukommen. Besonders peinlich war die Behauptung der Opposition, dass Verteidigungsminister Ali Habib Mahmud einen Tag nach seiner Absetzung in seiner Wohnung ermordet worden sei. Keine 24 Stunden später trat der vermeintlich tote Mahmud vor die Kameras des Staatsfernsehens und begrüßte das Vorgehen des Präsidenten.

Evangelischer Pfarrer der Auslandsgemeinde in Beirut äußert sich ähnlich

Ähnlich äußert sich auch Jonas Weiß-Lange, evangelischer Pfarrer in der Auslandsgemeinde in Beirut. Auf die Frage, wo sich angesichts der Oppositionsbewegung in Syrien denn die Christen positionieren, sagt er:

Also das, was ich weiß von leitenden Geistlichen, also der Kirchen im Land, ist, dass sie einfach deutlich machen, dass sie dankbar sind für den Schutz, den sie haben, und der ist durch das Regime. Das wird unterschiedlich formuliert, aber das ist die Position. Offiziell ist es ein säkulares Land, aber von der Geschichte her, die orientalische Christen in muslimischen Ländern haben, muss es immer jemand sein, der sie beschützt in diesem Land: Das Staatsoberhaupt, und das ist in dem Sinne in Syrien heute der Präsident. Und deshalb ist natürlich bei aller Kritik, die es auch gibt und die durchaus auch geäußert wird, schon der Wunsch da, dass sich da möglichst nicht so viel dran ändern möge.

Quellen: israelnetz-Newsletter vom 16. August 2011 und d-radio.de vom 18.08.2011

Autor dieser Webseite: Uwe Schütz

 

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