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Pro-Israel-Lobby

Forscher: US-Nahostpolitik vertritt nicht in erster Linie US-Interessen

17.03.: Die Nahost-Politik der USA wird nicht im Interesse nationaler Interessen geführt, sondern ist zu vorderst motiviert durch eine pro-israelische Lobby. Dies behaupten zwei amerikanische Wissenschaftler in einer Studie, die sie am Donnerstag veröffentlichten.

"Keiner Lobby gelingt es, die US-Außenpolitik so von dem abzulenken, was die nationalen amerikanischen Interessen normalerweise nahe legen würden. Gleichzeitig vermittelt sie den Amerikanern, dass die Interessen der USA und der Israelis identisch sind", schreiben die Autoren der Studie. Es sind John J. Mearsheimer, Politikwissenschaftler von der Universität von Chicago, und Stephen M. Walt von der John F. Kennedy-Schule an der Harvard-Universität.

"Seit dem (Jom Kippur-)Krieg im Jahr 1973 ließ Washington Israel Unterstützung zukommen, die sonst keinem anderen Staat zuteil wurde", schreiben Mearsheimer und Walt. Amerika bedachte Israel demnach mit finanzieller und militärischer Hilfe von insgesamt über 140 Milliarden Dollar. Jedes Jahr erhalte Israel rund drei Milliarden Dollar aus den USA.

Bei 32 Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen Israel legten die USA ihr Veto ein

Zudem hätten die USA seit 1982 gegen 32 Resolutionen des UN-Sicherheitsrates Vetos eingelegt, die kritisch gegenüber Israel waren. Vor allem nach den Anschlägen des 11. September werde Israel als wichtiger Partner im Kampf gegen den Terror gesehen. "Denn Israels Feinde sind Amerikas Feinde", laute die Devise der US-Regierung.

Die Erklärung dafür sehen die Autoren in der "Israel-Lobby". Die Professoren sagen zudem, dass Israel-Freunde auch maßgeblich den Irak-Krieg propagiert hätten. Sie listen Mitarbeiter der Regierung von Präsident George W. Bush auf, die den Irak-Krieg unterstützten, und die gleichzeitig einer "Israel-Lobby" angehörten, wie etwa Paul Wolfowitz, Doug Feith und David Wurmser.

Nicht alle us-amerikanischen Juden gehören zur "Israel-Lobby"

Doch gehörten keinesfalls alle us-amerikanischen Juden zu dieser "Israel-Lobby", betonen Mearsheimer und Walt. Bei einer Umfrage von 2004 sagten 36 Prozent der amerikanischen Juden, dass sie sich zu Israel "nicht besonders" oder "überhaupt nicht" emotional hingezogen fühlten.

Zur Lobby gehörten auch evangelikale Christen wie Gary Bauer, Jerry Falwell, Ralph Reed, Pat Robertson, Dick Armey und Tom DeLay. Aber auch Nicht-Juden unter den Konservativen wie der neue US-Botschafter vor den Vereinten Nationen, John Bolton, der ehemalige Redakteur des "Wall Street Journal", Robert Bartley, sowie die ehemalige UN-Botschafterin Jeane Kirkpatrick, spielten dabei eine Rolle.

Die Autoren setzen sich ausdrücklich von Verschwörungstheorien ab wie etwa den Thesen der antisemitischen Schrift "Die Protokolle der Weisen von Zion". "Die 'Israel-Lobby' macht im Grunde nichts anderes als jede andere Lobby auch, etwa die Lobby der Bauern, der Stahl-Arbeiter oder der ethnischen Gruppen", so die Wissenschaftler, "sie tun es nur sehr viel besser." Dabei kämen die außenpolitischen Interessen Amerikas zu kurz, kritisieren sie.

Den vollständigen Artikel von Mearsheimer und Walt gibt es unter http://www.lrb.co.uk/v28/n06/mear01_.html

Quelle: Israelnetz.com-Newsletter vom 17.03.2006

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