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Bistum Limburg im Fokus

gesendet am 20. Oktober 2013 von Dr. Hans Frisch
Limburger Dom 

Eigentlich war vor einer Woche das Thema für die Sendung heute klar – die Buchmesse. Da hätte der Beitrag von 2009 fast unverändert gepasst. Doch am Montag bot die FAZ einen Köder auf der Titelseite: Fette Kirche oben rechts - ein kurzer Artikel zu den mehr als 30 Millionen Euro für das bischöfliche Haus in Limburg - darunter der Leitartikel: „Kommunen in der Klemme“. Der Artikel startet mit 37 Millionen Euro für ein Freizeitbad in Fellbach, einer Kleinstadt bei Stuttgart. Die Kosten von Limburg könnten auch noch die 37 Millionen von Fellbach erreichen. Da habe ich angebissen - und nun zappele ich an der Leine.

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst steht wegen hohe Baukosten für die bischofliche Residenz in der Kritik
Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst steht wegen hohe Baukosten für die bischofliche Residenz in der Kritik
Foto: Bistum Limburg

Was kann ein baptistischer Laie sagen über einen katholischen Bischof – was ein unpolitischer Mensch zur Lokalpolitik einer Stadt? Sicher wird das neue Freizeitbad mit einer Loopingrutsche, die tapfere Badegäste mit Raketenstart ins Becken katapultiert, vielen Menschen Freude bereiten – und wohl die Stadt attraktiver für Zuzügler machen.

Der neue Bischofspalast bereitet der katholischen Kirche viel Ärger und hat schon jetzt viele Menschen zum Auszug aus dieser Kirche bewegt. Relativ wenige werden die Meldung aus Fellbach zur Kenntnis nehmen – kaum einer wird das Dilemma von Limburg nicht wahrnehmen.

Der Leitartikel zeigt allerdings eine Situation in vielen, ja in den meisten deutschen Kommunen, die völlig anders aussieht als in Fellbach. In einer Versammlung deutscher Oberbürgermeister dürfte der Kollege aus Fellbach es schwer haben, mit seinem Luxusprojekt anzugeben.

Wie der Bischof von Limburg in Rom seinen Prachtbau dem Papst vorstellen will, der im Gästehaus des Vatikans wohnt und mit allen andern in der Mensa isst, das kann ich mir nicht vorstellen (heute am Dienstag – zum Zeitpunkt der Sendung muss er es wohl hinter sich haben).

So dumm, wie er jetzt erscheint, kann er nicht wirklich sein - sonst hätte er das Amt ja nicht bekommen. Wie kann so einer in so eine Situation geraten?

Der Dom in Limburg Foto: Bistum Limburg
Der Dom in Limburg Foto: Bistum Limburg

Lasst mich raten: das Projekt Neubau hat er mit seinem Amt übernommen - Neubau einer Bischofsresidenz neben dem altehrwürdigen Dom auf dem Berg - das kann nicht irgendein Bau werden. Zwischen drei bestehende Bauten (mit Denkmalschutz) eins davon ein alter Adelssitz, eins das große Dommuseum - da waren die Dimensionen vorgegeben. Ein Bau sollte es werden, für die folgenden Bischöfe - da war für ein Jahrhundert zu planen.

An so einer Aufgabe kann jemand sich schon berauschen - und wie im Rausch scheint er zum ersten Entwurf immer mehr Ideen zu bekommen. Bald dürfte die Explosion der Kosten sichtbar geworden sein - doch wie zurück? Ein großer Anfang verlangt eine große Vollendung – und mancher der Beteiligten dürfte still gehalten haben, vielleicht weil er dabei verdiente - ähnlich wie bei manchem Projekt, dessen Kosten aus dem Ruder gelaufen sind.

Vielleicht hat die Vorstellung: „Ich tue es für die Zukunft des Bistums“ die Angst vor der Offenbarung etwas betäubt; vielleicht auch die Hoffnung, dass die Qualität des fertigen Baues die Kritiker etwas besänftigt.
Dass mit einem neuen Papst ein völlig neuer Maßstab im Vatikan einzieht - das macht die Situation noch viel schlimmer. So könnte ich mich etwas in seine Lage hinein denken - in seiner Haut möchte ich um keinen Preis stecken.

Musik

Portal des Limburger Doms Foto: Bistum Limburg

Was kann ein baptistischer Laie sagen zu einem katholischen Bischof? Er kann versuchen, sich in die Situation dieser Person hinein zu denken. - Doch diese Person konnte nur kraft ihres Amtes und des offensichtlich großen Kirchenvermögens einen so grandiosen Fehler machen.
Unsere Baptistengemeinde hat sich ein Gemeindezentrum erbaut – es hat nicht den zehnten Teil der Limburger Summe gekostet. Woche für Woche, Monat für Monat wird das Baudarlehen durch Kollekten und Gemeindebeiträge abbezahlt - neben allen anderen Kosten. Außer einem Pastor verdient keiner etwas durch den Dienst in und an der Gemeinde.

In Limburg sollen die Kosten ein Drittel des Bistumsvermögens betragen. Da fragt sich ein baptistischer Laie: woher kommt so ein Vermögen in einer Kirche? (Und es ist nur ein winziger Bruchteil ihres Gesamtvermögens).

Das Fundament, auf dem das Vermögenswachstum sich aufbaut, dürften die frühen Stiftungen gewesen sein - Stiftungen für das Seelenheil im Jenseits. Zum Beispiel hat das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde so das Bistum Bamberg ausgeweitet bis nach Fürth. (Limburg ist kleiner und wesentlich jünger - doch gehören immerhin zum bischöflichen Weingut die besten Lagen bei Rüdesheim).

Sorge um das Seelenheil - eigentlich Angst vor der Hölle - war der eigentliche Grund für solche Stiftungen - und hier sehe ich das tiefste Fundament, auf dem die kirchliche Macht steht.
Durch die Erbsünde sind alle Menschen vom Himmel ausgeschlossen - die Taufe nimmt diese Bürde weg. Doch weil der Mensch immer wieder Sünde auf sich lädt, braucht er immer wieder die Vergebung - und die hatte die Kirche sich angeeignet als Monopol in den Sakramenten. Nur wer nach der Beichte vom Priester die Absolution erhält darf an der Eucharistie teilnehmen und bekommt durch Brot und Wein Anteil an dem Heilsgeschehen von Golgatha. Selbst Kaiser mussten vor diesem Machtmonopol auf die Knie gehen.
Absoluter Herrscher über die Gnade ist der Papst - er delegiert seine Macht über Bischöfe und Priester bis in die Gemeinden.

Doch dann traten Gemeinschaften auf, die sich auf die freie, geschenkte Gnade verließen - ohne sakramentale Vermittlung, und ihre Kinder nicht taufen ließen - im Vertrauen, dass die sich selbst für den Glauben an Jesus Christus und für die Glaubenstaufe entscheiden.
Das war für beide Kirchen bedrohlich. „Wiedertäufer“, „Anabaptisten“ nannten sie diese (denn die ersten waren ja alle als Kind getauft) – und sie verfolgten sie mit Feuer und Schwert.

Eine dieser Gemeinschaften hat den Namen „“Baptisten“ behalten - doch gibt es viele von dieser Art - allgemein „Freikirchen“ oder „freie Gemeinden“ genannt, weil sie frei von Verbindungen zur politischen Macht sind und ihre Mitglieder aus freier Entscheidung dazugehören.

Durch die Reformation ist die Macht der katholischen Kirche etwas relativiert - und sie beruht kaum noch auf Angstmachen.
Die frühere Feindschaft der Großkirchen zu den Täufergemeinden ist Geschichte, es besteht ein freundschaftliches und mancher Orts ein brüderliches Nebeneinander und Miteinander.
Uns allen geht es um unsere Beziehung zu Jesus Christus, woraus auch Beziehung untereinander entsteht und zu Menschen, die wir zum Glauben an Ihn einladen wollen.

Musik

Wahrscheinlich würden manche Geschwister unserer Gemeinde bei so viel Beziehung zur katholischen Kirche widersprechen – aber die sind jetzt im Gottesdienst und hören nicht zu - im Internet lesen sie kaum meine Beiträge.

Vielleicht gehören für manche Katholischen die Baptisten zu den Sekten, die es leider immer noch gibt.
Noch viel mehr Menschen wissen aber kaum etwas über die Freikirchen und nur wenig von den Großkirchen. „Christentum“ ist für viele verbunden mit den Fehlern und der Schuld der Kirche - womit die katholische gemeint ist.
Für die ist Limburg Wasser auf ihre Mühlen. Genau wissen sie: „So dürfen Christen nicht sein!“
Eine Armbanduhr für 30.000 € - das geht, wenn jemand sich's leisten kann – aber eine Badewanne (oder eine Badeeinrichtung) für 15.000 € beim Bischof – „Nein!“

Ich halte beides für sündhaft. Das heißt nicht, weil ich mir keins von beiden leisten kann, wäre ich sündlos.

Bei Jesus Christus geht es nicht darum, dass ich Gutes tue und das Böse meide – dieses Gebot gilt für jeden Menschen. – Er ist gekommen, um „Sünder selig zu machen“. Zum Beispiel Menschen, die von ihrem Ehrgeiz zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg getrieben wurden, frei zu machen für ein einfaches Leben, (auch wenn er Bischof ist), oder solchen, die in Schuld verstrickt sind einen Neuanfang zu schenken durch Vergebung.
„Hinter Gittern bin ich frei geworden“ schreibt ein Gefangener Verbrecher, der durch eine Bibel zum Glauben gekommen ist.
Wer das nicht versteht, dem wünsche ich eine Begegnung mit einem solchen Menschen.

Nun gehörst Du nicht zu den Einen und nicht zu den Andern - du bist normales Mittelmaß, wie ich. Doch nicht für Gott - ihm bist du wichtiger als du dir selbst bist oder deinen Freunden.

Lies die Geschichten von Jesus und stell dir vor: dieser Mann bietet dir seine Freundschaft an, und er geht dafür in den Tod.

Das ist die Botschaft, die allen Kirchen anvertraut ist, mit oder ohne Sakramente, und die allen Menschen gilt.

Was sich an deinem Leben verändert durch diese Freundschaft - du wirst es erleben!
Dem Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst wünsche ich, dass er aus dem Dilemma, aus der Verschuldung und aus der Enge herausgeführt wird durch die Botschaft, die er von Amts wegen verkündigt. Möge ihm der Papst Franziskus dazu helfen.

Dr. Hans Frisch

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