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Paul Gerhardt, der Liederdichter gesendet am 10.06.2007 von Elsbeth Rosen
 

Paul Gerhardt, der Liederdichter, Teil 1

Paul Gerhardt lebte in einer Zeit, in der das Schreiben von Liedern und Gedichten zu den verschiedensten Gelegenheiten weit verbreitet war. Dichten war "in" und es gab viele Dichtervereine und sog. Dichterorden, in denen das Dichten gepflegt wurde.

Paul Gerhardt gehörte keinem dieser Vereine an. Er hat sich selbst nie als Dichter verstanden. Er wollte weder bewundert noch gefeiert werden, und wenn nicht andere seine Lieder gesammelt hätten, wären die meisten wohl in Vergessenheit geraten. Er wollte nichts anderes sein als Prediger und Seelsorger an den Menschen, besonders an den Leidenden, dem "hochbetrübten Heer", wie er es in dem Adventslied "Wie soll ich dich empfangen" ausdrückt.

Zu diesem Heer der Leidenden gehörte auch Paul Gerhardt selbst. In seinen Liedern spiegelt sich sein eigenes Erleben wider, das Leid an den Gräbern seiner Kinder ebenso wie die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Es gibt eine Reihe von Liedern, in denen er den Jammer der Kriegsnot schildert, z. B.:

"Ihr vormals schönen Felder mit frischer Saat bestreut,
jetzt aber lauter Wälder und dürre, wüste Heid,
ihr Gräber voller Leichen und blut'gem Heldenschweiß…"

und die Sehnsucht der geplagten Menschen nach Frieden:

"Ach dass uns doch Gott sagte zu, des Krieges Schluss,
der Waffen Ruh und alles Unglücks Ende!"

Doch trotz aller Schicksalsschläge, die ihn getroffen haben, sind Paul Gerhardts Lieder nicht geprägt von Hoffnungslosigkeit und Resignation, sondern von einem starken Gottvertrauen und von der Gewissheit, dass die Menschen sich auf die Güte Gottes verlassen können. Dass er sich dieses Vertrauen immer wieder neu erkämpfen musste, spürt man in vielen seiner Lieder, in denen er sich selbst und andere dazu aufruft, trotz aller Sorgen und Nöte auf Gottes Hilfe zu vertrauen, so etwa in dem bekannten Lied "Befiehl du deine Wege", das er nach einem Psalmvers gedichtet hat:

"Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt,
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht!
Lass fahren, was dein Herze betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl."

Bei keinem von Paul Gerhardts Liedern kann man mit Sicherheit sagen, in welcher konkreten Not, aus welchem konkreten Anlass es geschrieben worden ist, aber für viele sind diese Texte gerade in schwersten Zeiten zur Hilfe und zum Trost geworden. So hat Dietrich Bonhoeffer in der Haft vor seiner Hinrichtung immer wieder Lieder von Paul Gerhardt gelesen und sie auswendig gelernt. Der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft "Offensive Junge Christen", Horst Klaus Hoffmann, fand durch die Beschäftigung mit Paul Gerhardts Liedern aus einer tiefen Schwermut heraus. Er schreibt: "Seine Lieder haben mich aus einem erstickenden Dunstkreis von Einsamkeit, Trauer und Tod in den hellen Freiraum von Lebendigkeit, Gottvertrauen und Freude zurückgelockt."

Die Sängerin Sarah Kaiser fühlt so eine Art Seelenverwandtschaft mit dem Dichter. Sie hat eine CD aufgenommen mit verjazzten Paul Gerhardt-Texten. "Seine Worte", so sagt sie, "begleiten mich seit 2001 intensiv, mal tröstend, mal herausfordernd, mal ermutigend, mal erinnernd. Aus seinen Liedtexten sprechen mich, je nachdem, was mich persönlich gerade beschäftigt, unterschiedliche Textzeilen an. So momentan z. B. aus "Zieh ein zu deinen Toren": "Willst nicht, dass uns betrübe, Zorn, Zank, Hass, Neid und Streit…. Willst, dass durch Liebesflammen sich wieder tun zusammen, die voller Zwietracht sein". Das fordert mich heraus zu vergeben, dem Neid keinen Raum zu geben. Wirklich Jesus ähnlich zu leben und nicht nur davon zu singen oder darüber zu schreiben."

Elsbeth Rosen

mehr bei uns:
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Paul-Gerhard-Biographie
Paul Gerhardt, der Theologe

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