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Die Gideons
gesendet am 20.05.2007 von Dr. Hans Frisch
 

An 21. Juli kommt der siebente Band von Harry Potter, er kann schon vorbestellt werden. In den 10 Jahren seit dem ersten Band wurde schon ├╝ber 270 Millionen Mal Harry Potter verkauft, in 62 Sprachen. Ist so einen Bestseller zu toppen ?

GideonbibelnDoppelt sooft, ├╝ber 550 Millionen Mal wurde in den 10 Jahren von den Gideons das Neue Testament weitergegeben an Sch├╝ler, Studenten, Soldaten, Menschen im Gef├Ąngnis oder es wurde ausgelegt in Hotels, in Krankenh├Ąuser, in ├ärztewartezimmer, und das in 84 Sprachen in 181 L├Ąndern der Erde. Insgesamt wurde die Bibel in der Zeit mehrere Milliarden Mal verkauft - sie ist inzwischen in ├╝ber 2.000 Sprachen ├╝bersetzt.

Warum wir das heute erz├Ąhlen? Man k├Ânnte meinen, es h├Ąngt damit zusammen, dass heute der Sonntag nach Himmelfahrt ist, und Jesus bei dem Abschied den J├╝ngern den Missionsbefehl gab: Darum gehet hin und machet zu J├╝ngern alle V├Âlker

Es h├Ąngt schon mit der Himmelfahrt zusammen, denn von dem Tag bis zum folgenden Sonntag findet die Jahreskonferenz der deutschen Gideons statt, und von denen wollen  wir berichten.

Wer von den H├Ârern hat als Sch├╝ler ein kleines gr├╝nes Neues Testament bekommen, oder ist einem gr├Â├čeren dreisprachigen Neuen Testament in einem Hotelzimmer begegnet, oder hat ein Testament im Krankenhaus vorgefunden? Nach den Testamenten im Gef├Ąngnis will ich nicht  fragen, vielleicht kennt aber dieser oder jener es auch von dort. Ihr k├Ânnt euch im AREF-G├Ąstebuch (unter www.aref.de) oder per e-mail unter aref@hans-frisch.de melden.

In den Schulklassen erz├Ąhlen wir kurz, wer die Gideons sind, was sie tun und warum sie es tun - heute haben wir etwas mehr Zeit daf├╝r, ich glaube es k├Ânnte manchen interessieren.

Wer sind die Gideons?

Die Gideons sind M├Ąnner mit ihren Frauen aus verschiedenen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften und aus verschiedenen Berufen. Sie sind Mitglieder im Internationalen Gideonbund, der in 181 L├Ąndern der Erde ├╝ber 270 Tausend Mitglieder hat. In ├╝ber 100 Jahren seiner Geschichte hat dieser Bund  die verschiedenen Arbeitsgebiete bekommen, die schon zitiert wurden.

Als erstes, und klassisches, den Hoteldienst. In den meisten Hotels der Gideol├Ąnder liegen neue Testamente in den Zimmern. In Deutschland greifen t├Ąglich ├╝ber 100.000 Menschen zu diesem Buch, und mancher liest hier  zum ersten Mal wirklich aufmerksam im Wort Gottes.

So schreibt der Unternehmensberater Rentrop:
An den Ort kann ich mich noch gut erinnern: Es war in Baden-Baden, vor einigen Jahren. Dort war ich zu einer Fernseh-Talkshow eingeladen. Abends im Hotel ├Âffnete ich die Schublade des Nachttisches, sah die Bibel, die die Gideons dort ausgelegt hatten, und tat etwas, was ich lange, lange, seit  meiner Konfirmation nicht mehr getan hatte:

Ich nahm die Bibel in die Hand, bl├Ątterte, las, - las mich fest, und merkte: DA BIN JA ICH GEMEINT. Ich entdeckte, dass die Bibel mir eine Menge zu sagen hat. Und seitdem lese ich jeden Tag in der Bibel und frage mich: Was bedeutet das f├╝r mich? Wie kann ich das in meinem Leben anwenden? Was will mir Gott dadurch sagen, dass er mich gerade jetzt zu dieser Bibelstelle f├╝hrt?

Und mehrfach, wenn ich vor dem Einschlafen im Gebet mit Gott eine bestimmte Situation angesprochen habe, fand ich am n├Ąchsten Morgen eine Bibelstelle, die mir Zuversicht gab oder ganz neue Wege aufzeigte.

Er verschweigt, dass er gro├čz├╝gige Spenden gibt zur Beschaffung von Bibeln. 

Unser sch├Ânster Dienst ist aber der in den Schulen. Sch├╝lern ab der f├╝nften Klasse bieten wir kleine gr├╝ne Neue Testamente an, mit Psalmen und Spr├╝chen, in Taschenformat. Und fast alle nehmen es. Wir wissen nicht, wie viele es wirklich lesen, doch sicher mehr als zuhause die Familienbibel aufschlagen. Viele Briefe gibt es von Sch├╝lern, denen das Buch sehr wichtig geworden ist, f├╝r manchen wurde es zu einer Weichenstellung f├╝r das Leben.

Ich meine, auch f├╝r alle anderen ist es wichtig - wer nicht glaubt, sollte wenigstens wissen, was er nicht glaubt. Und niemandem sollte die Chance vorenthalten werden, das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus kennen zu lernen.

Musik

Also, zur Zeit findet die Jahreskonferenz der deutschen Gideons statt, eigentlich geht sie zu Ende, denn gerade jetzt endet in den Kirchen hier in Hagen und in der Umgebung der Gottesdienst - und in 62 Gemeinden haben heute Gideons von ihrem Bund und von der Arbeit des Bundes berichtet. (Ihr merkt,  wir hatten den Beitrag vorher aufgenommenen, denn auch ich bin gerade in einer Gemeinde.). Auch in sehr vielen Kirchen auf der ganzen Welt geschieht das heute. 

Nun muss ich doch eine Geschichte erz├Ąhlen.

Drei Handlungsreisende in Amerika wollten 1899 eine Vereinigung christlicher Handlungsreisender gr├╝nden. Sie hatten fast 100 Kollegen eingeladen, doch keiner kam. So fingen sie zu dritt an, und nannten sich „Gideons“ - der Gideon aus dem Alten Testament hatte mit 300 Mann einen gro├čen Sieg ├╝ber ein gewaltiges Heer errungen (Die Geschichte steht im Buch der Richter). Bald waren es viele Gideons in Amerika, und sie fassten den Plan, Bibeln in die Hotels zu bringen.

Als einer von ihnen durch seinen Pfarrer eingeladen wurde, auf einer Konferenz von Pfarrern und Predigern dies zu erz├Ąhlen, fanden die das so gut, dass die Konferenz beschloss: „Die Gideons sollen Bibeln in die Hotelzimmer bringen und die Gemeinden kommen f├╝r die Kosten auf.“ Seitdem sind die Opfer der Gemeinden (und unsere Opfer) die finanzielle Grundlage f├╝r unseren Dienst.

Knapp 750.000 neue Testamente wurden im vergangenen Jahr in Deutschland weitergegeben - die h├Ątten wir aus den Spenden leicht finanzieren k├Ânnen. Aber die russischen Gideons geben jeden Monat so viele weiter und die sind auf unserer Hilfe angewiesen.

In ├╝ber der H├Ąlfte der L├Ąnder liegt das Jahreseinkommen unter dem Sozialhilfeniveau f├╝r einen Monat bei uns, und in 37 L├Ąndern unter einem Euro pro Tag, doch gerade dort sind viele Jugendliche, die niemals Gottes Wort in die Hand bekommen w├╝rden, wenn die Gideons es ihnen nicht geben - und f├╝r sehr viele ist es das einzige Buch, da sie pers├Ânlich besitzen.

Entwicklungshilfe

Wer jetzt meint: „Die sollten doch lieber Brot geben oder Wirtschaftshilfe leisten“, der darf reichlich spenden f├╝r eines der vielen guten und wichtigen Hilfswerke, er darf noch mehr spenden als ich. Wer aber die Auswirkungen von Machtgier, Korruption, Verbrechen, Haltlosigkeit und Sucht in diesen L├Ąndern (nicht nur in den armen)  sieht, der wird verstehen, dass gl├Ąubige Christen ein Segen f├╝r ihre Umgebung und f├╝r ihr Land sein k├Ânnen.

Eine junge Frau erz├Ąhlte uns, wie sie durch Drogensucht und Beschaffungskriminalit├Ąt ins Gef├Ąngnis gekommen war. Als sie Reinigungsdienst hatte, fand sie im M├╝ll ein kleines gr├╝nes Buch, ein Neues Testament, das ein anderer Gefangener weggeworfen hatte. Sie nahm es mit.

"Anfechtung", "Angst", "Bitterkeit", "Einsamkeit", und manches anderes Thema f├╝r sich ganz pers├Ânlich fand sie auf den ersten Seiten mit Hinweisen auf die Textstellen dazu. Sie fing an zu lesen, betete zu Gott und sprach mit dem Gef├Ąngnisseelsorger. Bald fand sie zum Glauben an Jesus Christus als ihren Erl├Âser und nach der Entlassung Anschluss an eine Gemeinde. Sie arbeitete mit in der Drogenhilfe in Bayern und sp├Ąter unter Stra├čenkindern in Brasilien. 

Sehr viele Menschen haben durch die Begegnung mit Jesus Christus einen neuen Anfang, einen neuen Ma├čstab, eine neue Freiheit f├╝r ihr Leben bekommen. In den Evangelien ist diese Begegnung m├Âglich, ohne Evangelium kaum. Allen Ernstes bin ich der Meinung, die Hilfe f├╝r Menschen, dass sie Jesus Christus finden, oder, sich von ihm finden lassen, ist die beste Entwicklungshilfe. Allerdings hat die Heilsarmee Recht mit ihren Slogan: „Erst die Suppe, dann das Evangelium“. Suppe allein bringt es nicht.

Musik

550 Millionen Mal wurde Gottes Wort in den letzten 10 Jahren von Gideons weiter gegeben - doppelt so oft wie Harry Potter verkauft wurde.

Vor ├╝ber 20 Jahren habe ich einmal berechnet, beim Schuldienst, wie lang eine Reihe der bis dahin verteilten B├╝cher w├Ąre, wenn man sie aneinander stellt. Von Moskau (wo der Gideondienst damals noch nicht m├Âglich war) ├╝ber N├╝rnberg, nach Frankreich, durch Spanien bis Gibraltar und weiter bis in den Tropeng├╝rtel von Afrika - damals waren das insgesamt 450 Millionen. Jetzt w├╝rde die Reihe weitergehen ├╝ber S├╝dafrika, zum Kap der Guten Hoffnung, durch die Antarktis und weiter ├╝ber Feuerland ist nach Buenos Aires. Doch wir stellen die Testamente nicht in die Landschaft, wir geben sie Menschen in die Hand, oder legen sie hin, wo Menschen sie lesen k├Ânnen.

So lag auch in einem Hotelzimmer in Hannover ein solches blaues Buch. Ein Arzt aus Berlin kam in das Zimmer, er wollte dort seinem Leben ein Ende setzen. Die Frau war gestorben und er sah keinen Sinn mehr. Als er das Buch aufschlug und las, da sprach Gottes Wort zu ihm, er fand neue Zuversicht und Freude. Wieder in Berlin zur├╝ck rief er die Gideons an, ob er so ein Buch bekommen k├Ânne, mit dem sein Leben noch einmal neu begonnen hat. So haben wir es erfahren.

Ich kann mir vorstellen, dass mancher jetzt Schwierigkeiten hat: Wie soll ein Buch, in dem ich lese, mein Leben ver├Ąndern, ja, retten? Das kann kein Buch - nicht die Bibel, nicht der Koran, nicht das Kommunistische Manifest, so wenig wie Hitlers Mein Kampf oder die kleine rote Mao-Bibel in China es konnte. Doch durch ein Buch kann der Geist des Buches zu einem Menschen reden und ihn f├╝hren (oder verf├╝hren).

Millionen und Abermillionen Menschen haben erlebt, dass aus der Bibel ein heiliger Geist in ihr Leben, in ihr Herz und in ihr Denken sprach: „Du bist f├╝r Gott absolut wichtig.“ „Gott liebt dich, nicht weil Du so gut bist sondern damit du ihn, dich selbst und die Menschen um dich lieben kannst. Alles was du verdorben hast, an dir und an anderen, das will er dir abnehmen durch Vergebung - denn Jesus ist daf├╝r gestorben. So und ├Ąhnlich spricht dieser Heilige Geist, und wer sich auf ihn einl├Ąsst, den f├╝hrt er auf v├Âllig neuen Wegen.

Das klingt jetzt fromm und theoretisch, doch ein Martin Luther und ein Martin Luther King, ein Paul Gerhardt, der mitten in seinem schweren Leben w├Ąhrend des drei├čigj├Ąhrigen Krieges so frohe tr├Âstende Lieder dichtete, und viele, die es in Briefen und Gespr├Ąchen dem Gideon Bund bezeugten, sie, und Milliarden weiterer Menschen haben die Kraft dieses Geistes, die Wahrheit des Evangeliums von Jesus Christus erfahren.

Weil immer nur ein Einzelner den Schritt zu Jesus als seinen Erl├Âser gehen kann, deshalb ist das kein Massenereignis, wie es manche der gro├čen Verf├╝hrungen in der Geschichte waren. Aber sehr vielen, am liebsten jedem Menschen, sollte das Angebot gemacht werden.   

Deshalb bin ich froh, dass ich seit 30 Jahren die wunderbare M├Âglichkeit habe, in diesem Dienst mitzumachen.

Dr. Hans Frisch

Fotos von www.gideons.de

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Wer war Gideon?