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Darky Green
Interview mit Buchautor
Adrian Plass
gesendet am 03.12.2006 von Heiko Müller
 

1.

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"Darky Green" ist eine Gangstergeschichte, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Warum hast du das Buch geschrieben?

Ja, ich frage mich langsam selbst, was mich getrieben hat, dieses Buch zu schreiben. Es verursacht so viele Probleme oder Diskussionen, weil sehr viel Gewalt drin ist und eine harte Sprache. Ich habe es geschrieben, weil ich Gewalt hasse. Ich wollte sehen, was passiert, wenn Leute, die an den Frieden glauben, mit extremer Gewalt konfrontiert werden. Und ich dachte, die Gewalt muss sehr lebhaft und anschaulich sein, damit es ein echtes Buch wird.

Die meisten christlichen Bücher befassen sich mit gar nichts, ehrlich, außer damit, wie man hässliche Dinge vermeidet. Und obwohl ich nichts von grundloser Gewalt und Fluchen halte, glaube ich, dass das Buch in diesem Fall ohne dem gar nicht auskommen würde..
Mag sein, dass ich übertrieben habe und zu viel drin ist. Weiß ich nicht, das müssen die Leser entscheiden.
Aber Christen kaufen alle genauso Thriller auf Flughäfen und Bahnhöfen und lesen sie. Sie wollen nur ihre christlichen Bücher sauber haben. Sie mögen es, sich in der christlichen Welt zu verstecken. Aber das geht nicht, wir sollten uns nicht verstecken. Ich würde sagen, wir müssen gerade heutzutage ehrlich und mutig der Gewalt ins Auge sehen - und dem, was sie mit uns anstellt. Weil wir uns genauso, fühlen, sobald wir etwas wirklich Schreckliches passieren sehen. Und damit müssen wir uns befassen. All die Fragen: Hat Jesus wirklich die Welt überwunden, und was bedeutet das konkret für mich, ist wirklich ein Gedicht, auf geheimnisvolle Weise. Kraftvoller als eine Faust.
Gewinnen Liebe und Einfühlsamkeit und Sanftmut am Ende gegen Achtlosigkeit und Grausamkeit und Dunkelheit. Deshalb habe ich's geschrieben.

2.

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Die Sprache des Buches ist hart, aber das macht es auch authentisch. Wie bekommt man die drauf?

Nun, ich habe mein ganzes Arbeitsleben lang mit Pflegekindern gearbeitet, bevor ich Schriftsteller wurde. Gestern Abend traf ich jemanden, der mit verhaltens-gestörten Kindern arbeitet. Für den war das ganz normal. Es kommt darauf an, wo du aufgewachsen bist, und was du gemacht hast. Bei meiner Arbeit konnte man jeden Tag Leute schreckliche Sachen sagen hören. Und ich habe sie doch auch gesagt. Ich hoffe, jetzt tue ich das nicht mehr so oft, aber ich hab's auch gemacht. Solche Eindrücke umgeben uns permanent, da muss man nicht lange nach suchen.
Den meisten Menschen, auch den Christen, ist bewusst, dass diese Dinge in ihnen sind. Ich glaube nicht, dass man wer weiß was machen muss, sie aufzudecken.

Hast du keine Angst, dass dich die Konservativen für die Sprache und Gewalt im Buch steinigen werden?

Das ist mir vollkommen egal. Das Einzige, was mir Sorge macht, ist, dass manche Leute dadurch verletzt sein könnten. Die dummen Leute, die es kritisieren, weil ein Fluch darin vorkommt, sind mir egal. Aber mir liegen die Leute am Herzen, die meine Bücher gelesen haben und sie tröstend und warm und nett und lustig und alles gefunden haben, und jetzt vielleicht dieses Buch lesen und denken, der hat sich total verändert, ist eine ganz andere Person geworden. Aber das bin ich nicht. Ich meine, ich bin immer noch ein friedliebender Nachfolger von Jesus. Und dieses Buch ist ein Stück weg von dem, was ich normalerweise mache. Also ich hoffe, dass niemand daran zweifelt, dass ich noch der Alte bin.

3.

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Für wen ist das Buch geschrieben?

Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, der deutsche Herausgeber hat gehofft, die Leser sind kirchenferne Leute. Aber für gewöhnlich ist der Schritt von der christlichen in die säkulare Welt ganz arg schwierig. Ein Teil der christlichen Welt hat auch immer ein Problem damit. Ist doch wirklich schade, dass es in Deutschland nicht einfach nur als Buch Erfolg hat. Denn wenn das passiert wäre, wären andere Bücher von mir wohl auch in die säkulare Welt gefolgt. Kann sein, dass wir irgendwie alle Schuld an dieser Fehlentscheidung sind. Das Buch ist sicher nicht für bestimmte Menschen gedacht. Es ist einfach ein Buch, das ich schreiben wollte.

In der Widmung hast du geschrieben, dass das zentrale Prinzip des Buches am besten dein Freund "J" versteht. Kannst du uns das erklären?

Das werde ich sicher nicht tun. Nein, das Einzige, was ich verraten werde, ist, dass man das gleiche zentrale Prinzip in Charles Dickens "Flucht aus Paris" [Orig. "A Tale of Two Cities"] lesen kann. Wer das wirklich aus Interesse durchlesen will, wird es dann verstehen.

Aber das "J" steht für Jesus?

Ja, "J" steht für Jesus, aber es war nicht die Absicht, das besonders hervorzuheben. Es ist ihm bloß gewidmet, weil er der Grund ist, dass der Frieden gewinnen wird. Ich weiß nicht, ob in dieser Welt, aber letztendlich wird er gewinnen. Also, ja, er ist es.

4.

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Wen charakterisiert Darky eigentlich - sind das alle Heimkinder, die zwangsläufig so werden?

Ich habe mit vielen Kindern gearbeitet, die einen sehr schlechten Start ins Leben hatten. Sehr, sehr schwierig. Keine Liebe, keine Fürsorge, keine Aufmerksamkeit. Das Problem dabei ist ja: wenn du nicht geliebt wirst und sich niemand um dich kümmert, bist du auch nicht attraktiv. Es macht dich ziemlich abstoßend. Du kannst ja nicht mehr Liebe abgeben, als du empfangen hast. Und jemand wie Darky Green würde normalerweise aufwachsen und eine unbedeutende, leicht seltsame Person werden, der den Leuten auf die Nerven geht, gerade noch erträglich. Weil Darky Green aber viel Geld erbt, kann er plötzlich Macht ausüben, die er vorher nie gehabt hat. Und weil er keine Übung mit der Macht hat, missbraucht er sie fürchterlich. Im Buch legt er sogar seinen Kopf auf das Geld wie auf ein Kissen. Also wenn die Dinge schief laufen, kann man einfach sagen: ich habe viel, viel, viel Geld, interessiert mich alles nicht. Aber in ihm drin schlummert - so kommt's ja am Ende des Buches heraus, hoffe ich, ein zugängliches, verletzliches Kind, das für Liebe empfänglich ist.

Das Ende der Geschichte ist überraschend turbulent und lässt viele Fragen offen.

Die Ereignisse am Ende sind absolut entscheidend für die Aussage des Buches, weil das, was da in dem kleinen Raum der Wohnung am Ende passiert, ist die Antwort auf die Frage: Kann die Liebe siegen. Es geht einfach nicht ohne. Und ich werde nicht sagen, was es ist. Das Ende halt. Aber es ist wesentlich für die Geschichte.

5.

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Wie feiert Familie Plass eigentlich Advent und Weihnachten? Gibt es einen Adventskalender?

Advent bei Plass

Oh ja, wir hatten immer Adventskalender, weil die Kinder, als sie klein waren, sich immer gefreut haben, die Türchen aufzumachen und die Schokolade darin zu bekommen. Und an Weihnachten hatten wir einen riesengroßen Adventskalender aus Stoff, den wir an der Wand aufgehängt haben. Und jeden Tag waren in den Taschen kleine Geschenke für die Leute. Ja, meine Frau ist sehr weihnachtlich. Sie liebt das alles, das Schmücken und die Geschenke und die Strümpfe am Weihnachtsmorgen und das. Wir haben ein sehr weihnachtliches Weihnachten.

Heiko Müller, AREF, 28.11.2006

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