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Zwischen Ostern und Himmelfahrt
gesendet am 21. Mai 2000 von Dr. Hans Frisch
 

Es gibt Festzeiten im Kirchenjahr, die sind eindeutig. So ist die Adventszeit eine Vorbereitung auf Weihnachten und die Passionszeit eine Einstimmung auf Karfreitag. Eigenartig diffus sind die 40 Tage zwischen Ostern und Himmelfahrt.

In den Evangelien, da wird von einigen Ereignissen berichtet - die meisten kurz nach Ostern. Von Frauen wird erzählt:

Maria Magdalena, die andere Maria und eine Johanna werden namentlich genannt - die gehen zum Grab, das war leer, der Stein war weggerollt, ein Engel war da, der Auferstandene Jesus begegnet ihnen, sie erschrecken.

Von den Frauen erfuhren die Jünger die Auferstehung, sie glaubten es nicht, hielten es für Geschwätz. Petrus und Johannes laufen zu dem Höhlengrab, finden es leer und die Leinentücher, in die der tote Jesus gewickelt war, zusammengelegt drinnen.

Dann wird erzählt, wie Jesus zweien von ihnen auf dem Weg nach Emmaus begegnet, auch wie er plötzlich mitten unter den versammelten Jüngern erscheint, obwohl die Tür verschlossen ist. Sie erschrecken und halten ihn für einen Geist. Er zeigt ihnen seine Wunden, läßt sich anfassen. Dann öffnet er ihnen das Verständnis der Schriften (von Mose bis zu den Propheten) die alle auf ihn hinweisen, er bläst sie an mit dem Heiligen Geist (im Hebräischen und im griechischen sind Atem und Geist das gleiche Wort), gibt ihnen Vollmacht, Sünden zu vergeben und erteilt den Missionsbefehl.

Der ungläubige Thomas bekommt noch eine Extra-Lektion.

Weil das Leben aber weitergehen muß, sind Petrus und sechs weitere Jünger schließlich wieder in Galiläa beim Fischen auf dem See Genezareth. Da ist Jesus am Ufer, schickt sie zu einem wunderbaren Fischzug zurück auf den See, hat schon Feuer gemacht und einige Fische gebraten, als sie wieder ans Land kommen.

Jesus nimmt Petrus, der ihn dreimal verleugnet hatte, beiseite. Er fragt Petrus dreimal nach seiner Liebe zu ihm und gibt ihm dreimal den Auftrag: Weide meine Schafe.

Eigenartig ist nicht nur das plötzliche Auftauchen und Verschwinden des Auferstandenen, auch durch verschlossene Türen, eigenartig ist auch, daß die Jünger den nicht gleich erkennen, mit dem sie drei Jahre zusammengelebt haben.

Noch ganz zuletzt, als sie vor Jesus niederfallen auf dem Berg in Galiläa - da schreibt Matthäus: Einige aber zweifelten.

Eine eigenartige Zeit ist das zwischen Ostern und Himmelfahrt und eine eigenartige Gestalt ist der Auferstandene Jesus.

(Musik)

"Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen 40 Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes." - So faßt die Apostelgeschichte die Zeit zwischen Ostern und Himmelfahrt zusammen. Paulus nennt später im Brief an die Korinther fünf Erscheinungen des Auferstandenen, die ihm mitgeteilt wurden und als 6. sein eigenes Erlebnis auf dem Weg nach Damaskus.

Wenn ich versuche, das alles zusammenzubringen, dann kommt mir ein Bild:

Ein Samenkorn in der Erde - es nimmt Wasser auf, beginnt zu quellen, und dann schiebt sich ein Keim vor - noch ohne Gestalt, aber der ganze gewaltige Baum ist schon drinnen enthalten. Es ist der spannendste und aufregendste Moment im Leben des Baumes - alles andere folgt den Gesetzen, die hier schon aufbrechen und ins Licht streben. Wir wissen heute um den genetischen Code - um das Gesetzbuch, nach dem alles Leben sich richtet.

"Jesus öffnete ihnen das Verständnis der Schriften" - der geistig-historische genetische Code für das, was jetzt beginnt, der liegt in diesen Schriften - von der Schöpfung bis Abraham, von Abraham bis David und von da über die Propheten bis zu Jesus. Die Bibliothek der Gen-Informationen einer Samenzelle ist viel umfangreicher als das Alte Testament - aber in die geistige Erbinformation, die hier zum Wachstum der Kirche wird, da sind die Millionen und Abermillionen Gebete und Loblieder, die Gespräche und Diskussionen, die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen - besonders der jüdischen Menschen - eingegangen.

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, dann bleibt es für sich allein. Wenn es aber stirbt, dann bringt es viel Frucht." So hatte Jesus das vorher gedeutet, was jetzt geschieht. Wäre nach der Kreuzigung nichts geschehen, was die Jünger trotz Angst und Zweifel überzeugte, dann wäre das Leben Jesu nicht einmal eine schriftlich erhaltene Legende.

In diesen 40 Tagen, da wurde aus der enttäuschten Hoffnung auf einen jüdischen Messias die lebendige Wirklichkeit des Christus für alle Menschen. Petrus spricht das aus in der ersten christlichen Predigt zu Pfingsten: "So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum HERRN und CHRISTUS gemacht hat." Das ist der Durchbruch des Keimlings ans Licht - und 3000 Menschen haben das damals begriffen und angenommen. Scheint dir das übertrieben?

Bei deinem nächsten Spaziergang im Park, da achte einmal auf den Rand an den Asphaltwegen: Da kannst du sehen, wie ein Grashalm die Asphaltdecke anhebt und durchbricht zum Licht - was für eine Kraft! So eine Kraft ist der Geist Gottes, den Jesus seinen Jüngern "zubläst" und der Pfingsten mit Feuer und Brausen das ganze Haus erfüllte und die Jünger in Bewegung setzte, und der immer wieder Menschen begeistert und in Bewegung setzt durch zwei Jahrtausende. Bei dem Grashalm ist die Kraft leicht zu erklären: wenn eine Zelle aus der Umgebung Wasser aufnimmt, dann entsteht ein geringer Druck in ihrem Inneren, der osmotische Druck. Bei vielen Millionen Zellen summieren sich diese geringen Drücke zu einer enormen Kraft. Wenn bei einem Baum der osmotische Druck in den Blättern abfällt - durch Wassermangel oder Stoffwechselschädigung - dann werden die Blätter welk, sterben ab und wenn sich nichts ändert kann der ganze Baum sterben.

Wenn in den Mitgliedern der Kirchen die Begeisterung erlischt, dann ist das ganz ähnlich. Es bleibt spannend, auch nach 2.000 Jahren Kirchengeschichte und Kirchenwachstum.

Dr. Hans Frisch

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