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KW 12 / 2018

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Je später der Abend ...

Vor 45 Jahren: 1. Talkshow im deutschen Fernsehen

Talkshow Je später der Abend 1974 mit Dietmar Schönherr als Moderator (Mitte) und seinen Gästen Schauspielerin Romy Schneider und der ehemalige Boxer Gustav "Bubi" Scholz Quelle: Youtube (Screenshot)

18.03.1973, 20.45 Uhr: Unter dem Titel „Je später der Abend“ strahlt der WDR als erster deutscher TV-Sender eine „Talkshow“ aus. Vor Publikum im Studio interviewt Dietmar Schönherr zum ersten Mal drei prominente Gäste. Nach vier Testsendungen läuft sie ab Ende des Jahres (31.12.1973) bundesweit in der ARD.

Mit dem Aufkommen der Privatsender in den 1980er-Jahren steigt die Zahl der Talkshows, und sie erobern nach US-amerikanischem Vorbild auch bald die deutschen Nachmittagsprogramme.

* * *

Gesprächsendungen gab es im deutschen Fernsehen von Anfang an, doch „Je später der Abend“ war die erste Sendung, die Gespräch nicht als Bildung und Information verstand, sondern als Unterhaltung.

Gerne erfahre ich in Talksendungen ein bisschen mehr über Personen des öffentlichen Lebens. Am besten gefallen mir Talksendungen, wo der Moderator nicht nur seine Fragekärtchen abarbeitet, sondern wo die Gäste auch miteinander ins Gespräch kommen dürfen.

Talk in der ARD am 11.02.2014: Menschen bei Maischberger, der Lieblingstalk unseres Kalenderblatt-Autoren. Thema: Homosexualität auf dem Lehrplan".
Talk in der ARD am 11.02.2014: "Menschen bei Maischberger", dem Lieblingstalk unseres Kalenderblatt-Autoren. Thema: Homosexualität auf dem Lehrplan". Seit 2016 heißt die Sendung kurz "Maischberger" und wird mittwochs ab 22.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt - Je später der Abend ... mehr über die Sendung Foto: Screenshot ARD / AREF

Auf keinen Fall sollte die Talkshow „zu einem Reklameforum der Unterhaltungsindustrie“ werden, so WDR-Redakteur Wolfgang Korruhn beim Start der ersten Talkshow. Aber genau das passiert heute im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Mit Ausnahme der Politiker haben fast alle Gäste „zufällig“ ein neues Buch oder einen neuen Film am Start.

So mancher Politiker kritisierte, dass Debatten nicht mehr im Deutschen Bundestag abgehalten werden, sondern in Talkshows. Doch nach so manchem „Tabubruch“ oder „Aufreger“ gehen Sender kaum noch ein Risiko ein. So kritisierte DIE WELT im Jahr 2005: „Die Talks von Beckmann und Kerner wirken kalkuliert wie eine Weltraummission“. Und so sinken die Zuschauerzahlen von Talkshows heute wohl nicht wegen irgendwelcher Pannen, sondern wegen politisch konditioniertem Verhalten. Besonders peinlich wirkt es auf mich, wenn eine Talkshow in erkennbar erzieherischer Absicht veranstaltet wird.

Talkshows leben von unterschiedlichen Meinungen. Und wie sollen die Akteure miteinander umgehen? Am besten wie im richtigen Leben: Einer achte den anderen höher als sich selbst! (Philipper 2, 3b)

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns zum Thema Fernsehen:  
1972 : Blutsonntag in Nordirland
1972 : Watergate-Skandal
1972 : Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft
1973 : Start der Sesamstraße
1973 : 1. Talkshow im westdeutschen Fernsehen
1973 : Reform des Sexualsstrafrechts
1973 : Einheitliche Notrufnummern 110 und 112
1973 : Jom-Kippur, der Krieg ohne Sieger und mit Ölboykott
1973 : Erstes Sonntagsfahrverbot

1950 : ARD-TV-Start
1954 : 1. Wort zum Sonntag
1961 : Gründung des ZDF
1962 : 1. Pumuckl-Sendung
1967 : Start des Farbfernsehens
1970 : ARD zeigt die TV-Satire "Das Millionenspiel"
1973 : Start der Sesamstraße
1973 : 1. Talkshow im westdeutschen Fernsehen
1982 : Erste Verträge für private Fernsehprogramme
1988 : Geiselgangster als Medienstarts
2007 : Eklat bei Johannes-B-Kerner

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