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AREF-Medien-News


«Erwachsen auf Probe» weiter in der Kritik

IKEA storniert Werbung in RTL-Reihe

16.06.09: Mehrere Markenartikler, darunter die Möbelhauskette IKEA, haben ihre Werbespots im Umfeld der umstrittenen RTL-Reihe «Erwachsen auf Probe» zurückgezogen. Es handele sich um «eine Handvoll» von Unternehmen, sagte eine Sprecherin des RTL-Werbezeitenvermarkters IP Deutschland dem epd am Dienstag in Köln. Das Möbelhaus IKEA bestätigte auf Anfrage in Hofheim, dass es seine Werbung nicht mehr im Umfeld von «Erwachsen auf Probe» sehen wolle und sich von diesem Fernsehformat distanziere.

In der seit 3. Juni laufenden siebenteiligen Fernsehreihe sind Teenager bei dem Versuch zu sehen, sich in die Elternrolle hineinzufinden. Bei die Dreharbeiten waren Babys eingesetzt worden, die deren leibliche Eltern zur Verfügung gestellt hatten. Dies war vielfach kritisiert worden. Politiker hatten gefordert, die Sendung zu verbieten oder darauf zu verzichten.

Bürgerinitiative spricht von Kindesmissbrauch und -misshandlung

Die Bürgerinitiative Verantwortung für die Familie e.V. mit Sitz in Uelzen spricht von Kindesmissbrauch und -misshandlung und hat zu Strafanzeigen aufgefordert. Außerdem rief sie dazu auf, werbungtreibende Unternehmen in E-Mails an ihre Verantwortung zu erinnern und zum Werbeverzicht aufzufordern.

Die IP-Sprecherin betonte allerdings, dass es sich nicht um die Stornierung ganzer Werbepakete handele. Vielmehr hätten die betreffenden Unternehmen, deren Namen sie nicht nennen wollte, darum gebeten, dass ihre Spots an anderen Stellen im RTL-Programm ausgestrahlt werden. Dem Sender entstehe insofern kein Verlust.

IKEA nahm zunächst an, dass die Sendereihe pädagogisch vertretbar sei

IKEA erklärte, das Unternehmen habe zunächst angenommen, dass die Sendereihe pädagogisch vertretbar sei. Nach Sendestart habe sich dann aber deren «kritisches Potenzial» gezeigt. Das Möbelhaus stieß sich außerdem an einem in einer Folge enthaltenen sogenannten Product-Placement, das IKEA nicht initiiert habe. Da der Zuschauer in einer Folge ein junges Paar bei dem Versuch, einen IKEA-Stuhl aufzubauen, habe sehen können, sei der Eindruck einer «ungewollten Nähe» von IKEA zu diesem «zwar äußerst erfolgreichen, aber auch sehr kritischen Format» entstanden.

Das Möbelhaus könne dies zwar nicht verhindern, da die Marke IKEA «ein Teil der deutschen Lebenswelt» sei, doch habe sich das Management «mit sofortiger Wirkung» entschieden, keine Werbespots mehr in diesem Umfeld senden zu lassen. Die IP-Sprecherin betonte, es habe sich nicht um ein Product-Placement gehandelt. Diese Werbeform sei erstens nicht zulässig, zweitens gebe es niemanden, der dafür bezahlt habe.
Quelle: jesus.de-blick.punkt-Newsletter vom 16.06.09 / epd