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KW 41 / 2020

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Endlich nach Hause

Vor 65 Jahren: Die letzten Heimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft

Ankunft von 600 Männern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft im hessischen Grenzort Herleshausen
Ankunft von 600 Männern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft im hessischen Grenzort Herleshausen. Der Transport erfolgte mit Güterwagons der DDR-Reichsbahn unter strenger Geheimhaltung. Screenshot von ARD-Doku "Friedland – Als die Väter heimkamen" / AREF
Samstag, 06.05.1950: „Wo sind die anderen 1,5 Millionen“, fragen die Nürnberger Nachrichten in ihrer Wochenendausgabe. „Unfassbare Moskauer Bekanntgabe: 'Alle deutschen Kriegsgefangenen sind heimgeführt'.“ Screenshot von ARD-Doku "Friedland – Als die Väter heimkamen" / AREF
Suchanzeigen im Durchgangslager Friedland, Landkreis Göttingen
Suchanzeigen im Durchgangslager Friedland, Landkreis Göttingen
Screenshot von ARD-Doku "Friedland – Als die Väter heimkamen" / AREF

07.10.1955: Ein Güterzug mit 600 Männern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft erreicht nach sechs Tagen den hessischen Grenzort Herleshausen. Die Glocken läuten, und die Bevölkerung läuft zum Bahnhof, um die Heimkehrer zu begrüßen. Mit Omnibussen werden sie in das niedersächsische Durchgangslager Friedland gebracht. Tausende sind gekommen und suchen den Mann, den Sohn, den Vater. Im Januar 1956 erreichen die letzten Transporte das Durchgangslager Friedland.

* * *

Fast 3 Mio. deutsche Soldaten und Zivilisten gerieten im 2. Weltkrieg in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Obwohl die Siegermächte im April 1947 beschlossen hatten, alle deutschen Kriegsgefangenen bis Ende 1948 zu entlassen, saßen 1955 noch 10.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht in sowjetischen Arbeitslagern ein. Stalin hatte die Vereinbarung der Alliierten durch willkürliche Kriegsverbrecherurteile unterlaufen. Nach dem Tod Stalins hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer im September 1955 bei seinem Staatsbesuch in Moskau ihre Freilassung ausgehandelt.

Nach jahrzehntelangen Bemühungen öffnete Moskau seine Geheimarchive: In diesem Buch stehen die ersten 40.000 Namen von in russichen Straflagern Verschollenen - mit Sterbedatum und Lagernennung. „Ich hab dich so gesucht - Der Krieg und seine verlorenen Kinder“
Nach jahrzehntelangen Bemühungen öffnete Moskau seine Geheimarchive: In diesem Buch stehen die ersten 40.000 Namen von in russichen Straflagern Verschollenen - mit Sterbedatum und Lagernennung. „Ich hab dich so gesucht - Der Krieg und seine verlorenen Kinder“, Pattloch-Verlag
Foto: Uwe Schütz, AREF

In der Bundesrepublik nannte man sie Spätheimkehrer. Aber die Heimat, in die sie über 10 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs zurückkamen, war nicht mehr die gleiche. Fast alles hatte sich verändert. Nicht jeder fand zurück in die Normalität eines Arbeits- und Familienlebens. Manche Frauen hatten die Hoffnung auf Rückkehr aufgegeben, und ein anderer Mann hatte ihren Platz eingenommen. Und viele Frauen warteten vergeblich, denn über 600.000 Männer überlebten die sowjetischen Arbeitslager nicht.

Obwohl also in Friedland nicht nur Freudentränen flossen, endete jede offizielle Begrüßung mit dem Choral „Nun danket alle Gott“. Und das sang man mit begründeter Hoffnung, denn Gott wird, so das letzte Buch der Bibel, am Ende dieser Welt alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage und keine Schmerzen.
Offenbarung 22, 4 nach Hoffnung für alle, Brunnen-Verlag

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über Nachkriegszeit in Deutschland:  
1954 : Deutschland zum 1. Mal Fußballweltmeister
1954 : Gründung des Kernforschungszentrums CERN
1955 : Geburt von Apple-Gründer Steve Jobs
1955 : Tod von Albert Einstein
1955 : "Schmuggler Gottes" reist nach Polen
1955 : Rückkehr der letzten 10.000 Kriegsgefangenen
1955 : Beginn des Busstreiks in Montgomery
1956 : Beginn der Bundeswehr

1945 : Der Untergang von Nazi-Deutschland
1945 : Siegermächte teilen Deutschland unter sich auf
1946 : Kardinal legitimiert Diebstahl an den Besatzern
1949 : Der Neuanfang
1. Bundeskanzler : Konrad Adenauer
1955 : Heimkehr der letzten 10.000 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft
1956 : Beginn der Bundeswehr
1962 : Rundfunkansprache von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard

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