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KW 16 / 2019

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„You’ll never walk alone“?

Vor 30 Jahren: Hillsborough - Größte Tragödie in der Geschichte des Fußballs

15.04.1989: Das Hillsborough-Stadion nach Abbruch des Spiels Nottingham Forest - FC Liverpool.
15.04.1989: Das Hillsborough-Stadion nach Abbruch des FA-Cup-Halbfinal-Spiels Nottingham Forest - FC Liverpool. Die Ordnungskräfte ließen viel zu viele Fans in den Liverpooler Block. Die Nachrückenden drückten die vorne stehenden zu Tode und die Polizisten versagten völlig, ihnen zu helfen. Nur ein Krankenwagen (links neben dem Tor) schaffte es ins Stadion. Das jüngste Opfer ist der 10-jährige Jon-Paul Gilhooley, ein gleichaltriger Cousin von Steven Gerrard, dem späteren langjährigen Kapitän des FC Liverpool. Foto: Screenshot des ARD-Wochenspiegels am 16.04.1989 / AREF

15.04.1989: In Sheffield findet das Halbfinalspiel um den FA Cup zwischen Nottingham Forest und dem FC Liverpool statt. Obwohl immer noch Zuschauer ins Hillsborough-Stadion strömen, wird das Fußballspiel pünktlich um 15 Uhr angepfiffen. Als in der 5. Spielminute der FC Liverpool die Latte des gegnerischen Tores trifft, stürzen im völlig überfüllten Block 4 Zuschauer von der Stehtribüne - doch das Spiel geht weiter.

Durch immer noch nachrückende Zuschauer, werden Tausende von hinten an die Eisengitter gedrückt. Einige versuchen, sich über die Spitzen der Eisengitter ins Stadioninnere zu retten. Erst als Minuten später ein Polizist auf das Spielfeld rennt, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und schickt die Spieler in die Kabinen. Erst jetzt öffnet die Polizei die Fluchttore, um die Zuschauer zu befreien, doch nur ein Rettungswagen schafft es ins Stadion. Am Ende sind 96 Menschen tot und 766 verletzt.

* * *

The Sun: The TruthDie Ursache der Tragödie war lange umstritten - für die englische Boulevardzeitung „The Sun“ war sie schnell gefunden: Unter dem Titel „The Truth“, die Wahrheit, schrieb sie, Liverpool-Fans hätten Rettungsversuche der Polizei behindert, Opfer beraubt und auf Polizisten uriniert (links im Bild). Eine 1991 abgeschlossene Untersuchung kam zu dem Schluss, dass alle durch Unfall gestorben wären.

23 Jahre kämpften die Angehörigen der Opfer darum, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Erst 2012 kam eine unabhängige Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass der Tod der Fans kein Unfall war, sondern dass insbesondere die Polizei erhebliche Schuld trifft. „Diesen Familien ist doppeltes Unrecht widerfahren“, räumte Premierminister David Cameron daraufhin ein und entschuldigte sich im Namen der britischen Regierung.

Besonders beeindruckt mich, wie die Bevölkerung in Liverpool offenbar über Vereinsgrenzen hinaus in der Situation über so viele Jahre zusammen gehalten hat, z.B. indem sie die Sun, die einflussreichste englische Boulevardzeitung, nicht mehr kauften (Die Auflage ging in Liverpool von 400.000 auf 12.000 zurück).

Angehörige der Opfer vom 15.04.1989 im Hillsborough-Stadion in Sheffield mit Spruchband "We never walk alone"
Angehörige der Opfer vom 15.04.1989 im Hillsborough-Stadion in Sheffield mit Spruchband "We never walk alone" Foto: Screenshot vom ZDF-Auslandsjournal vom 19.09.2012 / AREF

Für die Angehörigen der 96 toten FC-Liverpool-Fans bekam die Vereinshymne „You’ll never walk alone“ eine besondere Bedeutung und die ist nah beim Ursprung des Liedes: In dem Musical, aus dem das Lied stammt, kommt es zweimal vor: Das erste Mal wird eine schwangere Frau ermutigt, über den Tod ihres Mannes hinwegzukommen. Das zweite Mal werden die Schüler der Abschlussklasse und im Besonderen die nunmehr 15-jährige Tochter mit dem Lied bestärkt.

Wunderbar, wenn so ein Lied, das ja ein Versprechen ist, auch im richtigen Leben Hände und Füße bekommt.

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über Tragödien:  
1988 : Terroranschlag auf US-Jumbo über Lockerbie
1989 : Die Rote Armee verlässt Afghanistan
1989 : Start von ISDN in Deutschland
1989 :
Hillsborough-Katastrophe, größte Tragödie der Fußballgeschichte
1989 : Das Aus für WAA in Wackersdorf
1989 : Studentenproteste in China
1989 : DDR-Flüchtlinge in der Prager Botschaft
1989 : Reisefreiheit für DDR-Bürger - Fall der Berliner Mauer
1989 : Sturz des rumänischen Diktators Ceausescu
1990 : Deutsche Wiedervereinigung

1962 : Sturmflut an der deutschen Nordseeküste
1963 : Grubenunglück bei Legende
1976 : Chemie-Katastrophe bei Seveso
1986 : Letzter Start der US-Raumfähre Challenger
1986 : Reaktorkatastrophe Tschernobyl
1989 :
Hillsborough-Katastrophe, größte Tragödie der Fußballgeschichte
1998 : ICE-Katastrophe bei Eschede
1999 : Amoklauf an der Columbine High School in Littleton / Colorado
2002 : Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt
2003 : US-Raumfähre Columbia verglüht bei der Rückkehr zur Erde

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