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Glaubensbekenntnis
Teil 7

gesendet am 24.11.2002
von Heiko Müller
 

Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
Und das ewige Leben


Heiko Müller im Gespräch mit Pastor Ulrich Ziegler,
Paulusgemeinde, Gugelstraße 143, Nürnberg

HM: Im Glaubensbekenntnis steht hinten eine Formulierung, mit der vielleicht nicht mehr alle Menschen etwas anfangen können: ich glaube an die "Vergebung der Sünden". Ulrich Ziegler, was haben wir den falsch gemacht?

UZ: Na, alles oder nichts. Also es geht bei den Sünden nicht um irgendwas Moralisches. Nicht jedenfalls zu allererst um die Frage, was haben wir falsch gemacht. Sondern es geht um eine grundsätzliche Lebensausrichtung oder eine grundsätzliche Verfehlung des Lebens.

HM: Was bedeutet denn diese Sünde oder diese Fehlausrichtung des Lebens für mein Verhältnis zu Gott?

UZ: Es bedeutet, ich verwechsle Gott mit mir selber. Ich setze einen falschen Grund oder eine falsche Mitte, einen falschen Bezugspunkt in mein Leben:
mich selber - oder irgendwas, jedenfalls nicht Gott. Das meint im Grund die Sünde. Ich verfehle das Ziel meines Lebens, ich verfehle Gott und setze was anderes an seine Stelle.

HM: Aus dem Moralischen her gab es oft den Ansatz, dass man denkt, man könnte eine ganze Menge tun, um seine Schuld vor Gott wieder gut zu machen. Kann ich da was tun, muss ich besonders fromm sein, ganz viel beten, oft in die Kirche gehen?

UZ: Also es gibt natürlich ein besseres oder schlechteres Verhalten. Die Moral ist nicht unerheblich - also ich spreche jetzt nicht für die Unmoral. Aber im Verhältnis zu Gott geht es nicht um die Moral, jedenfalls nicht zu allererst. Im Verhältnis zu Gott ist Gott es, der alles für uns getan hat. Er ist der, der das Verhältnis zu uns zurechtgebracht hat. Das ist eigentlich die Grundaussagung bei der Vergebung der Sünden. Da geht es ja nicht darum, dass ich mir meine Sünden vergebe oder mir Vergebung verdiene, sondern dass ich höre und für mich gelten lasse: mir ist vergeben. Gott hat schon alles getan. Ich brauche da nur ja dazu zu sagen und das anzunehmen und dankbar daraus zu leben.


HM: Heute ist der Toten- oder Ewigkeitssonntag und dazu passt der vorletzte Begriff des apostolischen Glaubensbekenntnis: "die Auferstehung der Toten". Es ist ja ein willkommenes Thema für viele Buch- und Filmautoren. So mystisch, metaphysisch, ja und oft auch beängstigend. Worum geht es denn den Christen eigentlich bei der Auferstehung der Toten?

UZ: Na, der Begriff mag wirklich seine Schwierigkeiten haben, und man mag zuerst daran denken, dass sich irgendeine Grabplatte hebt und jemand wieder hervorkommt. Es geht darum, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und nicht die letzte und endgültige Aussage über das Leben der Menschen trifft, sondern dass Gott eben das letzte Wort hat und dass Auferstehung meint, da handelt Gott an Menschen. So, wie er an Jesus Christus gehandelt hat, und er lebt, so handelt er an allen.

HM: Gibt es denn dafür einen Zeitpunkt für diese Auferstehung - oder geht das automatisch mit meinem Ableben in einen fließenden Übergang, jeder hat quasi so seinen eigenen Zeitpunkt. Oder, die andere Vorstellung, dieser Jüngste Tag, wir
warten alle und werden alle wieder auferweckt?

UZ: Also klar lässt sich erkennen im Neuen Testament, da waren die Christen davon überzeugt, die Auferstehung die passiert am Jüngsten Tag. Und der Jüngste Tag, der steht unmittelbar vor der Tür. Das dauert nicht mehr lange, wir werden das vielleicht noch selber erleben und dann werden wir den Herrn sehen oder wieder auferstehen. - Das hat auf sich warten lassen. Inzwischen sind die Jahre in die Lande gegangen. Ich bin selber davon überzeugt, dass Auferstehung eine Aussage ist, die für mich selber gilt und die mit meinem Tod verbunden ist. Dass da also nicht ein Schlummer im Grab oder eine Wartezeit oder eine Läuterungszeit im Fegefeuer oder irgendsonst was dazwischen liegt, sondern, dass, wenn ich sterbe, dass ich bei Gott sein werde.


HM: Einige sagen, dass mit dem Tod alles aus ist. Und die Christen sagen: nein, das ist noch nicht alles und schreiben das auch als letzten Punkt in das Glaubensbekenntnis: wir glauben an "das ewige Leben". Ulrich Ziegler, wie soll denn ewiges Leben aussehen?

UZ: Auch beim ewigen Leben kann man eigentlich nur so annäherungsweise, so in Bildern davon reden. Ein für mich sehr aussagekräftiges und schönes Bild findet sich ziemlich am Ende der Offenbarung. Da wird das Leben in der Gemeinschaft mit Gott beschrieben. Eine Gemeinschaft, in der dann Tränen abgewischt sind und Leid an ihr Ende kommt und ein Leben, bei dem zu merken ist, dass es keine Trennung zwischen Gott und Menschen mehr gibt. Wo es so schön heißt: Gott wird bei den Menschen wohnen. Da gibt es dann keine Unterschiede mehr. Diese enge Gemeinschaft mit Gott, das ist für mich das ewige Leben.

HM: Diese Hoffnung der Christen auf das ewige Leben, worauf gründet die sich eigentlich?

UZ: Die gründet sich auf das, was in Jesus geschehen ist. Oder was wir in Jesus bekennen und glauben, dass nämlich Gott ihn schon auferweckt hat. Das ist der Anfang des ewigen Lebens. Wer darauf traut und daran glaubt, wer das erfahren hat, dass Gott eine lebendige Wirklichkeit ist, für den ist der Zielpunkt dann das ewige Leben.

mehr bei uns :
Teil 1
Das Glaubensbekenntnis im Wortlaut

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