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gesendet am 8. Februar 2026 von Uwe Schütz |
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Der Mann, der warten konnte
In Jerusalem lebte vor 2.000 Jahren ein Mann namens Simeon. Voller Sehnsucht wartete er - wie von den jüdischen Propheten vorhergesagt - auf den Retter Israels, den Messias. Immer wieder erzählte Simeon den Leuten, Gott habe ihm gesagt, er werde nicht sterben, bevor er den Messias mit eigenen Augen gesehen hat. Mit dem Warten ist er alt geworden. Für die meisten Leute um ihn herum ist die Hoffnung auf den Messias auf das Niveau einer Legende gesunken. Wenn Simeon enthusiastisch von seiner Hoffnung spricht, wird er nur mitleidig oder spöttisch belächelt. Seine Hoffnung ist für die anderen schwer zu ertragen und hat ihn einsam gemacht. Eines Tages geht der alte Simeon von Gottes Geist geführt, wie Lukas es beschreibt, in den jüdischen Tempel. Ein Ehepaar mit einem Baby auf den Arm kommt herein, weil das jüdische Reinigungsritual es 40 Tage nach der Entbindung so will. Mit leuchtenden Augen geht Simeon auf das Ehepaar zu. Ohne ein Wort streckt er seine Arme aus. Ohne zu überlegen legt die junge Mutter ihr Kind in seine alten Arme. Er umfasst es und hält es, als tröge er den kostbarsten Schatz der Welt. Er trägt den kostbarsten Schatz der Welt! Mit stammelnden Worten bekennt Simeon: Herr, nun kann ich in Frieden sterben, denn du hast dein Versprechen eingelöst. Mit meinen eigenen Augen habe ich deinen Heiland gesehen. Und die ganze Welt wird es erfahren. (Lukas 2,29-32) Das junge Paar, es sind Maria und Josef, wundert sich über seine Worte. Und Simeon segnet sie und spricht zu der Mutter: Dein Kind, Maria, ist von Gott dazu bestimmt, viele in Israel zu Fall zu bringen und viele aufzurichten. Es wird ein Zeichen Gottes sein, viele werden sich gegen ihn auflehnen. Dich aber wird der Kummer um dein Kind wie ein scharfes Schwert durchbohren. (Lukas 2,3335) Was für Sätze - und wie haben
sie sich erfüllt und wie erfüllen sie sich für seine Leute
bis heute. |
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Ein Extrem-Bergsteiger findet zu GottSteve Kröger ist ein gefragter Redner und coacht Führungskräfte großer Firmen in Fragen von Motivation und Führung. In seiner Freizeit versucht er zwischen 2007 und 2014, auf jedem Kontinent den höchsten Gipfel zu besteigen. 250.000 Euro hat er bereits dafür ausgegeben. Immer öfter fragt er sich, wie es weiter gehen soll, wenn er sein Ziel erreicht hat. Bei der Besteigung des Mount Everest im Himalaya, dem höchsten Berg der Erde (8.848 m), sagt ihm eine innere Stimme: Es ist zu gefährlich, und er bricht die Besteigung ab. Zwei Tage später kommen dort 16 Bergsteiger in einer Lawine ums Leben. Und in Alaska wird ihm kurz vor dem Gipfel klar Ich will nicht mehr und er kehrt um. Äußerlich ist Steve Kröger auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Karriere, doch innerlich fühlt er sich erschöpft und leer. Obwohl er aus der Kirche ausgetreten ist, geht er zu Hause in seinem Büro in Hamburg auf die Knie und betet: Lieber Gott, wenn du eine Idee für mein Leben hast, dann bin ich jetzt bereit, sie zu hören! Noch am selben Tag gibt er sein Leben im Gebet in Gottes Hand. Seitdem fühlt er sich gehalten, geliebt und geführt. Das Gipfelstürmen habe ihn nicht näher zu Gott gebracht, sagt er und erkennt, dass er innehalten und auf Gott hören soll. Ihm wird bewusst, dass die Seilschaft mit anderen Bergsteigern ihn vor Abstürzen bewahrte und dass er so eine Seilschaft auch für ein Leben mit Gott braucht. Deshalb schließt er sich einer christlichen Gemeinde an. So wie er früher sein Taschenmesser dabei hatte, hat er heute eine kleine Bibel dabei. In seine Vorträge baut er einen Abschnitt ein, in dem er sagt, dass das Prinzip höher, schneller, weiter nicht trägt, sondern dass es einen Halt braucht so wie er ihn gefunden hat. |
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Gender-gerechte Sprache - Sprachverwirrung in DeutschlandDeutsch gehört zu den Sprachen, die Substantiven ein grammatisches Geschlecht zuweisen, erklärt uns Wikipedia. Wir sagen: der Boden, die Tür und das Fenster. Bei Personenbezeichnungen, für die es eine männliche und weibliche Form gibt, z. B. Lehrer und Lehrerin, wird die grammatisch feminine Form ausschließlich für Frauen verwendet, während die maskuline Form sowohl für männliche Personen als auch allgemeine Form für alle Lehrer verwendet wird. So werden aus 99 Lehrerinnen plus einem Lehrer 100 Lehrer. Diese Sprachgewohnheit empfinden einige als diskriminierend: Frauen würden so sprachlich unsichtbar bleiben, sie seien nur mitgemeint. Außerdem würden man sich mit dem sogenannten generischen Maskulinum männliche Bilder vorstellen.
Um dieses sprachliche Ungleichgewicht zu beseitigen, entstanden Doppelpunkt, Binnen-I, Unterstrich und Genderstern. Obwohl der Rat für deutsche Rechtschreibung es ablehnte, erlaubten nach dem Deutschlandfunk auch andere öffentlich-rechtliche Sender ihren Mitarbeitern entgegen aller grammatikalischen Regeln diese gendergerechte Sprache zu verwenden. Im März 2021 wies auch der Autobauer Audi seine Mitarbeiter an, in der internen und externen Kommunikation gendergerechte Sprache und das sogenannte Gender-Gap zu verwenden. Es sei eine Frage des Respekts und Ausdruck einer Haltung gegen Diskriminierung und für Vielfalt. So wurden die Audi-Mitarbeiter zu Audianer_innen. Als die ARD für ihr Mittagsmagazin jemanden aus ihren Reihen suchte, der gegen die gendergerechte Sprache Stellung bezieht, hatte sie Mühe, jemanden zu finden. So schrieb die BR-Volontärin Julia Ruhs ihren ersten Kommentar: Gendern sei vor allem ein Ding der akademischen Blase, schrieb sie. Das gut gemeinte Sternchen, das es eigentlich ja allen recht machen wolle, spalte nicht nur die Wörter, sondern auch unsere Gesellschaft. Natürlich war ihr bewusst, dass das Thema polarisiert, aber die Vehemenz des Ganzen unterschätzte sie deutlich: Ihre Meinung sei rechtsradikal, rückständig, reaktionär und eines Öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht würdig. Der frühere ZDF-Journalist Peter Hahne antwortete auf die Frage, warum er so vehement gegen die Gendersprache wettere: Er möchte, dass Sprache sprechbar bleibt. Mit Sternchen, Pünktchen und Unterstrichen gehe das nicht. Sprache müsse einfach sein und für jeden erlernbar - auch für Ausländer. Sein Taxifahrer aus Syrien werde durch die Gendersprache nur verwirrt. Petra Gerster von ZDF heute meinte 2021, das Publikum gewöhne sich ans Gendern. Ihre Nachfolgerin Jana Pareigis sagte über die Gender-Sprache: Das ist inklusiv, es schließt niemanden aus. Ich empfinde diese Sprechpause als beklemmend und ich beschloss, im ZDF keine Nachrichten mehr anzuschauen und ganz zur Tagesschau zu wechseln. Eine Möglichkeit, um eine Geschlechterzuweisung ganz zu vermeiden, sind substantivierte Verben wie Mitarbeitende. Für den Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg ist diese Lösung nicht nur inakzeptabel, sondern auch falsch: Wenn wir das Partizip verwenden, drücken wir damit aus, dass die betreffende Person gerade dabei ist, etwas zu tun. Mitarbeitende oder LKW-Fahrende seien aber nicht permanent dabei, mitzuarbeiten oder LKW zu fahren. Auch vor dem Duden machte die gendergerechte Sprache nicht halt: Wer zum Friseur geht, der sucht laut Online-Duden ausschließlich eine männliche Person auf, sich die Haare schneiden zu lassen. Die zunehmende Präsenz der Gendersprache in den Medien hat deren Akzeptanz aber nicht gesteigert. Die Firma Audi ruderte 2024 zurück und verwendet kein Gender-Gap mehr. Die Rechtschreibreform 1996 hat gezeigt, wie sensibel der Mensch auf Änderungen reagiert. Erst zehn Jahre später galten nach langem Kampf in allen deutschen Schulen wieder einheitliche Regeln. Mit der Forderung, unsere Sprache gerechter zu machen, spaltet man das Land nun erneut. Sprache ist fließend. Aber beim Gendern handelt es sich nicht um einen natürlichen Sprachwandel, sondern um eine politische Agenda, die durchgesetzt werden soll", las ich 2021 in einem Gastkommentar der Neuen Zürcher Zeitung. Bis heute fehlt dafür auch eine echte demokratische Legitimation. Die Mehrheit der Deutschen lehnt sie ab. Der Kabarettist Dieter Nuhr formulierte es so: Ich bin absolut für Minderheitenrechte, aber die Mehrheit ist auch noch da.
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Diesen
Radiobeitrag |
Was eint Christen?Gemeinde Jesu war schon von Anfang an ein Sammelbecken von höchst unterschiedlichen Leuten. Herkunft, Bildung, politische Überzeugungen, Alter, Familienstand, Milieu waren und sind auch unter den Christen sehr unterschiedlich. Hinzu kommt: Die Bibel kann in vielen Fragen unterschiedlich ausgelegt werden. Deshalb wird es unter Christen immer auch theologische Meinungsverschiedenheiten geben. Wie soll da Einheit gelingen? Der Biologe, Hobby-Theologe und Autor Markus Till hat vier Prinzipien entwickelt, mit denen Einheit in Vielfalt gelingen könne. (1.) Er schreibt, Einheit gelinge nicht durch menschliche Diplomatie oder durch die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Einheit finde Gemeinde oder Kirche nur in Jesus Christus und zitiert Paulus, der die Gemeinde Jesu in seinem Brief an die junge Gemeinde in Ephesus als Leib Jesu beschreibt: Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Von ihm aus wird der ganze Leib zusammengefügt und zusammengehalten. (Epheser 4,15-16) (2.) Die verbindendende Mitte des Christentums sei nicht eine Lehre, sondern eine Person: Jesus Christus. Die Verbindung mit ihm forme unseren Charakter. Die Liebe und Annahme, die wir bei ihm erfahren, kann uns helfen, auch einander zu lieben und anzunehmen. Die Erfahrung, dass Jesus unsere Schuld vergibt, kann uns helfen, auch einander zu vergeben. Wer seine Identität und seinen Wert in Christus gefunden habe, müsse in einer Gemeinschaft nicht mehr um Aufmerksamkeit, Macht und Einfluss kämpfen, um sich wertvoll zu fühlen. So könne uns die gelebte Liebe zu Christus helfen, gemeinschaftsfähig zu werden und uns in aller Unterschiedlichkeit anzunehmen, so wie Christus uns angenommen hat (Rö.15,7). (3.) Zu der Frage, wer Jesus Christus ist, was er getan und gelehrt hat und warum er am Kreuz gestorben ist, haben Christen eine gemeinsame Informationsquelle: die Bibel. Es sei völlig normal, so Markus Till, dass Christen die Bibel unterschiedlich auslegen. Diese Auslegungsunterschiede bleiben bei den wesentlichen Themen aber überschaubar, solange Christen ein gemeinsames Verständnis vom Wesen und Charakter der Bibel haben. Für Jesusnachfolger habe die Bibel höchste Autorität. (4.) Differenzen in theologischen Randfragen können Christen können sehr viel leichter aushalten, wenn sie sich einander bei den zentralen Inhalten des Glaubens vertrauen können. Markus Till erinnert daran, dass Christen in der gesamten Kirchengeschichte sehr viel Energie investiert haben, um auf Basis der biblischen Schriften gemeinsame Glaubensbekenntnisse zu formulieren. Sie können uns helfen, Unterschiede in theologischen Randfragen leichter auszuhalten. Er verweist auf das über 1.700 Jahre alte Nicäno-Konstantinopolitanum. Es ist das letzte Glaubensbekenntnis, auf das sich alle christlichen Kirchen verständigt hatten, bevor es zur Spaltung zwischen West- und Ostkirche kam. Es ist sowohl im Gotteslob, katholischen Gebet- und Gesangbuch, als auch im Evangelischen Gesangbuch enthalten. Von diesem alten Glaubensbekenntnis profitiere die Kirche bis heute. |
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Autor:
Uwe Schütz |
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