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Pfingsten - Geburtstag der Kirche
gesendet am 19. Mai 2024 von Uwe Schütz
 

 

 

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Wo steht Kirche heute?

Laut der ersten Kirchen-Mitgliedschaftsuntersuchung (KMU) gehörten 1972 noch 90% der deutschen Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an. Ende 2022 waren es einschließlich der Freikirchler nur noch 48%. Auch wenn dabei die deutsche Wiedervereinigung zu berücksichtigen ist, ist dies in 50 Jahren eine Abnahme um fast die Hälfte. 43% der Deutschen sind inzwischen konfessionslos.

Weltweit betrachtet ist jeder dritte Erdenbürger Christ und in allen Erdteilen steigt die Zahl der Christen, nur in Europa und Nordamerika nicht. (Quelle: Theologisches Gordon-Conwell-Seminar in South Hamilton bei Boston)

Der promovierte ev. Theologe Holger Heydorn hat die KMU-Studie bezüglich des Glaubensverlusts in Deutschland analysiert und verglich seine Ergebnisse mit einem Fußballverein: Zwei Drittel der Mitglieder habe vom Regelwerk überhaupt keine Ahnung und wisse überhaupt nicht, worum es im Fußball überhaupt geht. Nur ein Drittel stimme der zentralsten Aussage zu, dass es darum geht, den Fußball in das Tor der gegnerischen Mannschaft zu schießen. Knapp ein Fünftel leugneten sogar die Existenz des Fußballs. Für 90% der Fußballanhänger habe der eigene Verein und die Sportart keine besondere Bedeutung - es könne auch Handball oder Volleyball sein. Nur 5% bekennen sich uneingeschränkt zum eigenen Verein. Ein solcher Fußballverein, so Heydorn, würde sich bei der nächsten Möglichkeit zu Recht auflösen. Das Schlimmste sei aber, dass die Kirche sich nicht gesund schrumpfe und ein „harter Kern“ übrig bliebe, sondern dass auch viele überzeugte Christen die Kirche verlassen.

Heydorn empfiehlt: Anstatt sich, um noch wahrgenommen zu werden, im Sinne des Zeitgeistes zu äußern, sollten die Kirchen wieder mehr das verkünden, was in der Bibel stehe. Die Menschen erwarteten in den Gottesdiensten etwas anderes als das, was sie von den politischen Parteien jeden Tag in den Medien hören. Sie erwarten, dass Kirche ihnen das mitteilt, was sie zu bieten hat: Eine Beziehung zu dem lebendigen Gott durch Jesus Christus. Dieses Angebot könne dann jeder fürs sich annehmen oder ablehnen.

Und der Theologe mutmaßt: Wenn die etablierte Kirche nicht zur Bibel und damit zu Gott zurückkehre, werde sie eines Tages verschwunden sein. Gott werde sich dann neue Kirchen bauen.

 

 

 

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Wie alles begann

Die Straßen in Jerusalem sind überfüllt. 50 Tage nach dem Passahfest und der Auferstehung des Jesus aus Nazareth feiert Jerusalem das Erntedankfest. Wegen der ausländischen Besucher herrscht ein großes Sprachengewirr.

Vor einem Haus sind besonders viele Leute versammelt: Etwa ein Dutzend Männer stehen verteilt in der Menge und sprechen laut in einer ihnen fremden Sprache. Das Merkwürdigste ist: Diese Männer sprechen zu den ausländischen Besuchern in deren Muttersprache. Die jüdische Bevölkerung ist fassungslos und fragt: „Wie ist das möglich?“ (Apg. 2,7)

Wie ist das nach der babylonischen Sprachverwirrung möglich, dass sich Menschen über Sprachgrenzen hinweg plötzlich wieder verstehen? Simon Petrus, einer der ersten Juden, die Jesus aus Nazareth in seine Nachfolge berief, hält nach seinem Untertauchen seine erste öffentliche Ansprache.

Er erklärt ihnen, dass Gott wie in den alten Schriften des jüdischen Propheten Joel angekündigt nun seinen Geist geschickt habe, durch den viele Zeichen und Wunder geschehen würden. Mit dem Erscheinen von Jesus aus Nazareth habe sich die Vorhersage erfüllt: „Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. (Apg.2,36)

Aber Gott habe diesen Jesus von den Toten auferweckt und sich 10 Tage zuvor von ihnen wieder in den Himmel verabschiedet. Die Worte gehen vielen Juden - wie es im biblischen Bericht heißt – „durchs Herz“ und sie fragen Petrus: „Was sollen wir tun?“

Petrus antwortet: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“(Apg.2,38) 3.000 Menschen folgen an diesem Tag dem Aufruf, lassen sich taufen und schließen sich ihnen an.

 

 

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Warum sieht man heute davon so wenig?

Der US-amerikanische Autor Philip Yancey beschreibt in seinem Buch „Der unbekannte Jesus", wie Gemeinde Jesu begann und analysiert, warum man heute davon so wenig sieht.

Die frühe Kirche habe einen guten Anfang gemacht. Wer sich taufen lassen wollte, musste sich zunächst lange unterweisen lassen. Verfolgung durch römische Kaiser habe geholfen, die Kirche von „lauwarmen“ Christen zu befreien. Selbst heidnische Beobachter seien davon angezogen worden, wie die Christen sich liebevoll um Unterdrückte, Arme und Kranke kümmerten.

Im 4. Jahrhundert habe mit Kaiser Konstantin ein gewaltiger Wandel eingesetzt: Anstatt Christen zu verfolgen, legalisierte er nicht nur das Christentum, sondern machte es zur staatlich geförderten Religion. Er ließ mit staatlichen Geldern Kirchen bauen und unterstützte theologische Konferenzen.

Was wie der größte Triumph des Christentums aussah, hatte seinen Preis: Die Königreiche, das weltliche und das göttliche, waren kaum noch auseinander zu halten: Der Staat ernannte nun Bischöfe und andere Kirchenbedienstete, und bald war die Hierarchie innerhalb der Kirche ein genaues Abbild der staatlichen Rangordnung. Und die christlichen Bischöfe begannen ihrerseits nicht nur der Kirche, sondern der ganzen Gesellschaft ihre Moralvorstellungen aufzuerlegen.

Seit Kaiser Konstantin sei die Kirche immer wieder in Versuchung gewesen, die Moralpolizei der Gesellschaft zu werden und hätte sich schwer getan, Gnade zu vermitteln. (S.281)
Mit dem Anschauen des Lebens von Jesus aus Nazareth wurde dem Autoren Philip Yancey bewusst, wie weit sich die Christenheit von dem göttlichen Gleichgewicht, das er uns vorgelebt hat, entfernt habe.

Das Alte Testament beschreibt die riesige Kluft zwischen Gott und Menschen und Gott ist der Allmächtige. (S. 287) Jesus aber zeige uns in erste Linie einen liebenden Gott. Ohne ihn kämen wir nicht darauf, dass Gott uns liebt und sich danach sehnt, von uns geliebt zu werden. Aber Jesus sei heute das bestgehütete Geheimnis der Christenheit, schreibt Yancey.

Der Jesus, der auf Ikonen, bleiverglasten Fenstern und von unseren Kanzeln dargestellt würde, sei ein „gezähmter“ Jesus. Der Jesus in den Evangelien der Bibel aber sei alles andere als zahm. Diejenigen, die sich in seiner Umgebung wohlfühlten, gehörten zu den Leuten, mit denen andere es nicht gern zu tun hatten. „Er war notorisch unberechenbar“, man konnte ihn nicht auf etwas festnageln.“ (S.278)

Wörtlich schreibt Yancey: „Die christliche Kirche hat immer Mittel und Wege gefunden, die drastischen Worte Jesu über moralisches Verhalten abzuschwächen.“… „Der Mann von Nazareth war ein sündenfreier Freund der Sünder, ein Vorbild, das uns in beiden Punkten beschämen sollte.“

Jesus habe auch nie Kompromisse gemacht, wenn es um seine Identität ging: „Er war entweder der Sohn Gottes, der gekommen war, um die Welt zu retten oder aber ein Hochstapler, der die Kreuzigung verdient hatte.“ S.285)
Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war dieser Mensch ein Narr oder war er Gottes Sohn.

Quelle: "Der unbekannte Jesus" von Philip Yancey, S. 281, R. Brockhaus-Verlag, Wuppertal

Autor: Uwe Schütz
Sprecher: Heiko Müller

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