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Im Bibelflash:

„Jemanden in die Wüste schicken“

gesendet am 1. September 2019 von Jens R. Göbel
 

 

Wenn wir jemanden mit Nachdruck wegschicken, vielleicht unehrenhaft entlassen, dann „schicken wir jemanden in die Wüste“. Seinen Ursprung hat diese Redewendung in der Bibel, im Alten Testament. Wobei gleich zwei Passagen in Frage kommen.

Zum einen wurde im antiken Israel einmal pro Jahr ein Sündenbock in die Wüste geschickt (3. Mose 16,21). Auf Gottes Geheiß wurden so die Vergehen aus der Gemeinschaft hinfort getragen. Wir Christen sehen das als Zeichen auf Jesus Christus, der alle Schuld von uns Menschen auf sich nahm und von der Gemeinschaft der Gläubigen hinfort trug.

Wahrscheinlicher als Ursprung für „jemanden in die Wüste schicken“ ist aber der Zwist zwischen zwei Frauen mit äußerst berühmten Söhnen. Hier passt die Bedeutung dieser Redewendung buchstäblich. Es geht um Abrahams Frau Sara mit ihrem Sohn Isaak und ihre Magd Hagar mit deren Sohn Ismael.

Nachdem Sara nicht mehr an eine eigene Schwangerschaft glaubte, ließ sie ihren Mann mit ihrer Magd ein Kind zeugen. Ismael wurde geboren. Nach 14 Jahren bekam Sara dann doch auch einen Sohn. Isaak, den Vater von Jakob, auch Israel genannt. Aber das Verhältnis war angespannt. Ismael fühlte sich Isaak sehr überlegen (1. Mose 21,9). Sara war es schließlich zu viel. Sie wollte Hagar und Ismael loswerden. Abraham wollte zunächst nicht, bekam aber Gottes Bestätigung. Beide Stämme sollen sich getrennt entwickeln. So schickte er Hagar mit Ismael in die Wüste:

Und Abraham machte sich früh am Morgen auf,
und er nahm Brot und einen Schlauch Wasser und gab es der Hagar, legte es auf ihre Schulter
und [gab ihr] das Kind und schickte sie fort.
Da ging sie hin und irrte in der Wüste von Beerscheba umher.

1. Mose 21,14

Schließlich findet sie aber ihren Weg und Ismael wird zu einem großen Volk, wie Gott es versprochen hat. Er wird zum Stammvater der Araber (1. Mose 17,19-20). So sind Juden und Araber eigentlich Brüdervölker. Eigentlich wäre Frieden unter diesen naheliegend. Wunderbar, wo immer der schon gelingt!

Wieweit wir Christen uns in Abraham und Sara wiederfinden, erklärt Paulus, wenn er vom Bund der Gnade, von Rechtfertigung aus Glauben und religiöser Freiheit spricht (Römer 4,1-25; Galater 3,1-14; 4,22-31). Wer das glaubt wird nicht in die Wüste geschickt.

Jens R. Göbel, 31.08.2019

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