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Der 1.984. Sonntag nach Ostern

gesendet am 25. März 2016 von Dr. Hans Frisch
 

Heute ist der erste Sonntag nach Ostern - doch eigentlich der neunzehnhundertvierundachtzigste, denn so viele Ostersonntage sind seit damals gewesen - wenn die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu im Jahr 32 unserer Zeitrechnung geschehen ist (2016 weniger 32 ist 1984).

Es lohnt sich schon, einmal genauer da hinzuschauen, wo neben dem heiligen Sabbat - dem Samstag als letzten Tag der Woche, der Sonntag als erster Tag der Woche zum geheiligten Tag wurde. Im Russischen wird dieser Schritt jede Woche in Erinnerung gerufen: „Woskressenje" – „Auferstehung" heißt da der Sonntag. Das konnten auch die Sowjets nicht ändern.

Jesus starb damals am Rüsttag zu Passah, und das war ein Freitag, weil in diesem Jahr das Passahfest auf einen Sabbat fiel. Der Festtermin ist der „14. Tag des Monats Nissan" - und der beginnt mit dem ersten Neumond nach dem Frühlingsanfang, dem Tag der Tag- und Nachtgleiche. Weil der jüdische Monat mit dem Neumond beginnt, ist am 14. Tag immer Vollmond.

Am Freitag starb Jesus - dann am Sabbat, dem Samstag lag er im der Grabeshöhle - eine absolute Sabbatruhe. Am Sonntag begegnete er zuerst den Frauen, danach den Jüngern - über 40 Tage immer wieder, auch nach jedem Sabbat. Damit wurden die Ereignisse von Freitag, Samstag und Sonntag in die Erinnerung eingegraben - und blieben es auch im nächsten Jahr und in den weiteren Jahren. Wenn das jüdische Passah gefeiert wurde an wechselnden Wochentagen, gedachten die Jünger und die späteren Christen am Freitag danach der Kreuzigung und am Sonntag der Auferstehung.

Es gab dabei immer wieder Differenzen und Streit zwischen verschiedenen Gruppen, doch 300 Jahre später legte der Papst Gregor fest: Ostern ist der Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling, und damit nach dem Passah der Juden. So beträgt die Differenz zwischen Passah und Ostern nie mehr als sieben Tage, und in manchen Jahren werden beide Feste am gleichen Tag gefeiert, wenn Passah wieder auf einen Sabbat fällt.

So kommt es, dass die Osterbotschaft mit dem Fest der Befreiung Israels verbunden bleibt - das Abendmahl gefeiert wird wie ein Sedermahl, dass der Opfertod Jesu erinnert an die geopferten Lämmer die zur gleichen Zeit im Tempel starben und sein rettendes Blut am Kreuz erinnert an das Blut der Lämmer dort in Ägypten, das an die Türpfosten gestrichen wurde als Schutz vor dem Würgeengel.

Wirklich begriffen haben es die Jünger erst in den 40 Tagen nach Ostern, in denen Jesus ihnen begegnete und ihnen die Augen und das Herz öffnete für das, was geschehen war. Damals, als Israel aus Ägypten geflohen war, da zogen sie 50 Tage durch die Wüste - bis zum Berg Sinai. Dort schloss Gott seinen Bund mit den Nachkommen Abrahams, sie wurden sein Volk.

50 Tage nach Ostern wird dieses Ereignis von damals gefeiert mit dem Fest der Gesetzgebung, dem Schawuot. Auch die Jünger waren damals zum Schawuot dort im Tempel - da geschah etwas Eigenartiges. Die Jünger gerieten in eine Begeisterung, fast einen Begeisterungssturm - und Petrus verkündete die Botschaft von Jesus, dem Messias. Als Jude redete er zu Juden - und 3.000 sagten Ja zu der Botschaft. Das wäre ein Thema für eine Sendung zu Pfingsten. Es ist die Geburtsstunde der Gemeinde Christi, der Kirche Jesu. Es ist ein neuer Bund, der den alten Bund nicht auflöst, aber erfüllt. Das sollten wir nach der Musik betrachten.

Musik

Der Bund am Sinai war geschlossen mit den Nachkommen Abrahams - zwölf Sippen, die zu einer Volksmenge herangewachsen waren während der Jahrhunderte in Ägypten und nun durch die gemeinsame Flucht und die wunderbare Rettung verbunden waren - bereit für einen Bund mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der sie bewahrt und geleitet hatte.

Die Ereignisse waren so überwältigend, dass eine Abstimmung nicht notwendig war - alle sagten: „Ja wir wollen!“ Es war wie das Eheversprechen bei einer Liebesheirat nach gemeinsam überstanden Abenteuern und Gefahren. Es wurde eine schwierige Ehe!

Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass Gott, der Allwissende, sich auf einen Bund mit diesem Volk einlässt. - Schon in der Zeit, die Mose auf dem Berg verbringt im Gespräch mit Gott, machen sie sich ein goldenes Kalb und tanzen anbetend darum. Und so geht es weiter, durch Jahrhunderte.

Doch, der Bund gilt nicht nur Israel, es ist ein Bund mit den Menschen - und vielleicht hat Gott gedacht: „Wenn ich es mit diesem Volk schaffe, dann ist es geeignet für alle!" Damit er nicht bald ohne Volk dasteht, weil alle das Bundesgesetz brechen werden - und damit ausscheiden, deshalb hat er für jeden den Weg der Rückkehr, der Umkehr gestiftet. "Wer inne wird", dass er draußen ist, und doch den heiligen Bund als heilig anerkennt - der darf, der soll umkehren. Als Zeichen seiner Umkehr soll er ein Opfertier schlachten beim Heiligtum. Der Priester streicht etwas von dem Opferblut an die Hörner des Altars, an die hornartigen Vorsprünge an den Ecken des Opferaltars, dann spricht er ihm zu: "Dir ist vergeben" - du gehörst wieder zum heiligen Volk.

Das klingt billig, doch wer einmal Vergebung einer wirklichen Schuld erfahren hat, der denkt da anders!
So hätte es weitergehen können mit dem Volk der Juden bis ans Ende der Zeiten - aber wenn sie das gewünscht hätten, dann hätten sie sich selbst nicht mehr ernst genommen. Sie erwarteten, dass diese Geschichte ans Ziel kommt, in einem bleibenden, gültigen Bund, auch von Ihrer Seite.
König David hatte die Hoffnung erweckt: „Jetzt". Doch so war es nicht.

Eine Verheißung versprach aber dem König: „Zuletzt wird auf deinem Thron einer deiner Nachkommen sitzen, der wird das Reich Gottes für alle Menschen bringen - ein Gesalbter Gottes, ein Meschiach, wie du - der Messias".

Es ging weiter abwärts mit diesem Volk - auch 30 Jahre starker Bußpredigt durch den Propheten Jeremia konnten nichts ausrichten - die Katastrophe kam, das Volk war in der babylonischen Gefangenschaft, der Tempel zerstört. Baruch, der Schreiber des Propheten war unter den Deportierten - und er hatte die Schriftrollen dabei. Auch die Verheißung eines neuen Bundes, den Gott schließen will, der auf Vergebung gegründet ist.

In Babylon traten zwei Propheten auf, die einen Neuanfang durch die Ankunft des Messias verkündeten.
Es geschah die wunderbare Rettung durch den neuen Weltherrscher Kyros, den Perser. Das Volk kehrte zurück, der Tempel wurde wieder aufgebaut - doch es dauerte noch 400 Jahre bis „die Zeit erfüllt war" und Jesus kam.

Musik

Wir wollen versuchen, die Weihnachtsgeschichte ernst zu nehmen, mit der Engelsvision der jungen Maria, die ihr die Gewissheit gab: „Mein Sohn wird der Messias sein“; mit den Hirten und den Sterndeutern vom Euphrat – die ihre Gewissheit bestätigten. Dann bei der Flucht nach Ägypten trägt die Mutter ihren Sohn zwei bis drei Monate auf dem Arm, pausenlos, mit dem Wissen: „Du bist er!"

Wenn es eine frühkindliche Prägung gibt, dann ist sie hier extrem geschehen – und im Exil wurde sie befestigt, denn Maria wird die Frage nach dem Grund ihrer Flucht beantwortet haben: „Der König wollte dich töten, weil du der Messias bist". Diese Prägung und dieses Wissen waren eindeutig und unauslöschlich - und mit diesem Wissen hörte und las der Junge später die Texte der Bibel, besonders der Propheten, und bei „Messias" wusste er: „Das bin ich!" - mit kindlicher Selbstverständlichkeit. Als der Zwölfjährige im Tempel mit den Priestern und Schriftgelehrten ins Gespräch kommt, da staunen diese über seine Kenntnis. Sie wussten ja nichts von seiner Prägung.

Doch, aus dem kindlich-sicheren Wissen: „Ich bin es" wurde die quälende Ungewissheit: „Wie soll ich es sein?" - 18 Jahre lang. Dann tritt seinen Cousin Johannes als Täufer auf und verkündet das Kommen des Messias und den Anbruch des Gottesreiches - mit einem Massenzulauf. Als Jesus auch zur Taufe kommt, da nennt Johannes ihn: „Das Lamm Gottes", mit den Worten des Propheten Jesaja. Bei der Taufe löst sich Jesu Spannung in einer Vision - er hört Gottes Stimme: „Du bist mein Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe". (Jeder Psychologe würde sich wundern, wenn ihm dabei nicht etwas Besonderes widerfahren wäre).
Damit beginnt sein Weg in seine Sendung – und, wenn er wirklich von Gott gesandt ist, dann müssen Zeichen und Wunder geschehen, die ihn bestätigen – denn sein Weg, den auch der Prophet geschaut hatte, führt ans Kreuz.

Die Wunder weckten im Volk die Hoffnung, er könnte der rettende Messias sein – und, die Wunder alarmierten die Priesterschaft, die wusste: „Unter Rettung versteht das Volk Befreiung von den Römern - also Kampf". Und der musste verhindert werden.

Durch die Kreuzigung wurde er verhindert. Die Rettung, die Gott durch Jesu Tod schenkte und die der Prophet mit den Worten vom geopferten Lamm und vom leidenden Gottesknecht verheißen hatte - die konnte erst erkannt werden, als Jesus sie vollbracht hatte, am Kreuz.

Jetzt war die Heilsgeschichte ans Ziel gekommen - das Gesetz war erfüllt. Jeder durfte und darf zu Gott kommen, denn das am Kreuz gestorbene Lamm Gottes ist sein „Sündopfer" - er ist mit Gott versöhnt!
Wir, die nie wirklich unter dem Gesetz des heiligen Gottes gelebt haben, können nicht nachempfinden, welche Befreiung das für die Menschen damals war, als sie es begriffen - die Jünger in den 40 Tagen nach Ostern, und die vielen, vielen seit Pfingsten bis heute - auch ich.

Martin Luther hat es erlebt, wie die Mönchsangst von ihm abfiel, als er das Evangelium erkannte.
„Hier spürte ich, dass ich völlig neu geboren sei und dass ich durch die geöffneten Pforten in das Paradies selbst eingetreten sei“ hat er später geschrieben. Die Kirchen sind gut beraten, wenn sie das Evangelium von Jesus Christus dem Gekreuzigten wieder in die Mitte stellen.

Dr. Hans Frisch

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