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Pfingsten - Begeisterung

gesendet am 2. Juni 2013 von Dr. Hans Frisch
 

Am Pfingstmontag war aus technischen Gründen dieser Beitrag nicht möglich - er passt für heute auch noch. Statt über „Geist“, zunächst über „Begeisterung“ - da hat (hoffentlich) jeder seine Erfahrungen, und da können wir auch sehr langen Anlauf nehmen - im Tierreich.

Begeisterung

Es ist wohl berechtigt, das Spielen der jungen Hunde (auch der Wölfe, der Löwen und vieler anderer Tierkinder), als „begeistert“ zu bezeichnen - auch bei Menschenkindern. Wieder und wieder, mit größtem Eifer wird Kämpfen, Jagen, Fliehen, Unterwerfen und anderes Tun und Verhalten durchgespielt – Einsatz, Kraft und Perfektion wachsen mit dem Tier – und schließlich ist es fit für das Leben. Doch Dressur, veränderte Lebensbedingungen oder Behinderungen verlangen oft neue Lernschritte – und die sind auch bei Tieren möglich.

Begeisterung ist Dünger fürs Gehirn

MRT-Aufnahme eines Gehirns
Quelle: wikipedia unter Creative Commens Lizenz

Die Hirnforschung hat gezeigt, wie das beim Menschen geschieht, auch noch im Alter. In Hirnareale, die Funktionen von geschädigten Bezirken übernehmen müssen, bilden sich in relativ kurzer Zeit neue Vernetzungen, - es wachsen Nervenverbindungen. Vierzig Tage intensives Training führen schon zum Erfolg - im Kernspin nachweisbar und aus den wiederhergestellten oder neuen Funktionen zu erkennen.
Das gehört inzwischen zum (erfreulichen) Allgemeinwissen.

Eine wesentliche Rolle für das Gelingen solcher Vernetzungen zu Funktionsgruppen spielt die Verknüpfung mit dem limbischen System, dem Zentrum für Emotionen im Zwischenhirn. Die erfolgreiche Lösung eines Problems verbindet die beteiligten Bereiche mit einem gemeinsamen Glücksgefühl und durch ein Signal, das über Nervenbahnen das Zwischenhirn erreicht, - dort wird etwas Glückshormon ausgelöst. So wird die Erinnerung an die Lösung abrufbar gespeichert.

Das erklärt, warum ein Gefühl, vielleicht auch ein Geruch, ein Ton, eine Erinnerung weckt - besonders an Ereignisse, die uns begeistert hatten. Das ist bekannt - und wir haben es sicher schon erlebt.

Neu erkannt und nachgewiesen hat die Hirnforschung etwas Faszinierendes: Wenn eine Tätigkeit, eine Aufgabe, eine Erfahrung uns begeistert, dann gehen vom limbischen System Impulse in die beteiligten Hirnregionen und setzen dort Prozesse in Gang – in den Zellen, im Stoffwechsel, im Bereich der Gene – und die Bildung von Nervenausläufern zu den Nachbarzellen wird aktiviert, so dass die einbezogen werden.
Begeisterung wirkt wie Dünger in diesem Umfeld und erzeugt neue Strukturen im Gehirn – man könnte sagen: So bilden wir unsere Persönlichkeit.

Musik

Begeisterung ermöglicht Höchstleistungen

Es ist wirklich faszinierend, wie die Hirnforschung den Prozess aufzeigen kann, der vom Spielen der Kinder zur höchsten Meisterleistung führt – besser, führen kann, denn wenige von uns kommen so weit. Bei vielen, viel zu vielen, wurde die Begeisterung der Kindheit gebremst und blockiert durch „Erziehung“, bei manchen hat es einfach nicht gereicht zur notwendigen Ausdauer und Arbeit für den Prozess – denn dazu reichen nicht 40 Tage Training, nicht mal 40 mal 40! Und so sind wir angewiesen darauf, dass wir begeistert werden durch die Leistungen der Meister - im Sport, in Kunst, im Erfolg.

Immerhin haben wir Anteil daran als begeisterte Zuschauer, Zuhörer, Besucher von Ausstellungen, Käufer von Aufnahmen. Selbst durch Anheben der Einschaltquote beim Fernsehen beteiligen wir uns an ihrem Erfolg. Es ist ein gewaltiger Markt - gehandelt wird mit Begeisterung.

Wenn unsere Begeisterung auch nicht reichte zur vollkommenen Selbststrukturierung unseres Gehirns bis zur Meisterleistung - die begeisterte Teilnahme an den Leistungen der Meister strukturiert die Kulturlandschaft in unserer Gesellschaft. Sie schenkt dabei Begegnung, Gemeinsamkeit, Freude - schafft Mittelpunkte, Ziele, auch Berufe, Arbeitsplätze, Architektur - bis zum Olympiastadion, in dem schließlich die Weltelite zusammenkommt in einem fast Heiligen Fest der Begeisterung, oder zur Championsleague.

Begeisterung lässt sich nicht konservieren

Doch überall wo ein Sieger ist, gibt es Verlierer - und bei jeder Siegerehrung stehen unten die Bewunderer, die wieder zurück müssen in ihre Normalität - bis zum nächsten Event. Auch die Sieger nehmen ihre Medaille mit in ihr normales Leben - bis zum nächsten Auftritt - und schließlich bis zum letzten. Begeisterung lässt sich nicht konservieren, sie muss immer wieder neu erzeugt werden, und die Nachfrage ist groß - offensichtlich weil im normalen Leben ein Mangel besteht.

Es müsste eine Begeisterung geben, die in uns lebt und bleibt - unabhängig von äußeren Angeboten.
Wenn du gerade verliebt bist, dann sagst du sicher: „Genau die Begeisterung erfüllt mich!“ Glückwunsch! Halte sie fest und lebendig, die Liebe und die Begeisterung. Es ist nicht leicht auf die Dauer, doch es lohnt jede Anstrengung. Und anstrengend wird es!

Wenn die Geliebte oder der Geliebte vor mir steht als normaler Mensch mit Schwächen und Fehlern, wenn da der Glanz der ersten Liebe verschwunden ist wie eine Illusion, dann kann die Liebe nur lebendig bleiben im Vertrauen, im Glauben, in der Hoffnung – und das ist schwere menschliche Arbeit.

Scheinbar zum Glück gibt es reichlich Angebote, die uns Begeisterung bieten ohne Anstrengung und schließlich helfen, auch nach dem Ende der Liebe über die Runden zu kommen. Und Stufe um Stufe sinken unsere Ansprüche an uns selbst, bis wir von der Höhe unserer begeisterten Liebe wieder ankommen im ganz normalen Dahinleben und uns bei den Angeboten für Begeisterung bedienen.

Musik

Der Markt lebt vom Mangel an Begeisterung

Von der zentralen Bedeutung der Begeisterung für die Strukturierung unseres Gehirns und unserer Person sind wir geraten auf den gewaltigen Markt der Begeisterungsangebote, der unsere Kulturlandschaft (und Geisteslandschaft) strukturiert. Wie jeder Markt beruht auch dieser auf einer Nachfrage, die in der Regel aus einem Mangel kommt.

Nicht zufällig bot sich als Beispiel für echte, innere Begeisterung die Liebe, das Verliebtsein an. Von allen Begeisterungen ist die der Liebe die tiefste und höchste - ja die eigentlich heilige. Und damit sind wir nahe bei Pfingsten!

Eine Botschaft, eine Wahrheit, eine Kraft, die uns im Tiefsten treffen kann, dort wo unsere Sehnsucht nach Begeisterung herkommt, die müsste eine Botschaft der Liebe sein, wahrhaftig und gültig, bleibend und für alle. Wir feiern Pfingsten, den Tag an dem diese Kraft in die Welt kam - vor fast 2.000 Jahren.

Auch das Auftreten von Jesus hat viel mit Begeisterung zu tun, die dann kippte

Damals hatten die Menschen in Jerusalem und dem jüdischen Land gewartet das Gottes Reich endlich kommt, dass der Messias auftritt - siegreich und begeisternd. Als Jesus auftrat mit seiner Predigt, mit seinen Wundern und seinem Charisma, da hatte er Zulauf - Johannes der Täufer hatte seinen Auftritt vorbereitet.

Doch schon bald kippte die Stimmung: er war kein Siegertyp und statt zu kämpfen predigte er Feindesliebe.
Zuletzt liefen auch seine Jünger davon - Petrus, der Frontmann verleugnete ihn, „Verflucht will ich sein wenn ich ihn kenne“. Und dann starb Jesus am Kreuz.

Doch danach geschah eigenartiges: Jesus war plötzlich bei ihnen, wie ein Geist - aber ganz real – und „er sprach mit ihnen vom Reich Gottes“ so steht es in dem Bericht. Vierzig Tage lang, dann verließ er diese Erdenwirklichkeit – „Christi Himmelfahrt“ nennen wir es.

Die Begeisterung von Pfingsten

„Ich will euch den Heiligen Geist, den Tröster senden“ hatte er versprochen - und zehn Tage später, am „Schawuot“, dem „jüdischen Pfingsten“, da kam der Geist herab, mit Wind und Feuer, wir könnten sagen: bewegend und brennend.

Wie betrunken wirkten die Jünger, ihre Sprache klang manchem wie Lallen – doch die meisten verstanden, auch wenn sie eine andere Muttersprache hatten. Begeistert hält Petrus die erste christliche Predigt.
"So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat."

Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?
„Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ antwortet Petrus – und 3.000 tun es!

So ist damals die Gemeinde Christi entstanden – „Geburtstag der Kirche“ wird Pfingsten deshalb genannt.

Und der Geist? Durch zwei Jahrtausende geschieht es immer und immer wieder: Menschen, die Jesus als ihren Erlöser, als „den Christus“ annehmen, erfahren eine neue Begeisterung in sich, die keinen äußeren Anlass braucht, die belebt und Kraft gibt, so wie es die Liebe tut – denn es ist der Geist der Liebe. Es ist der Heilige Geist - denn die Liebe ist heilig. Es ist eine göttliche Kraft, denn es ist der Geist Gottes.
Ich hoffe, dass etwas von der Begeisterung auch bei mir zu spüren ist.

Fußball-Begeisterung

Mit der Fußballbegeisterung der 90 000, die bei der Champions League in London tobte, können wir nicht konkurrieren - doch die wird in 2.000 Jahren sicher vergessen sein!

Auch wenn es die Einschaltquote von ZDF nicht beeinflussen konnte – auch ich hatte eingeschaltet und mich begeistern lassen.

Dr. Hans Frisch

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