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Johanni

gesendet am 30. Juni 2013 von Dr. Hans Frisch
 

Nun sind wir schon in der zweiten Woche der zweiten Hälfte des Jahres 2013 angekommen. Eigentlich ein tolles Thema für eine Sendung! Es reicht vom Beginn der Zeit über die Zeitenwende bis heute – denn „Woche“ bedeutet, ein „Sieben-Tage-Rhythmus“ mit einem Ruhetag. Der Rhythmus ist von der Schöpfungsgeschichte vorgegeben – „am siebenten Tag ruhte Gott“ – und als Sabbat hat dieser Ruhetag im jüdischen Volk die Zeiten überdauert. So bleibt dieses Volk mit der Schöpfung verbunden – und der Sabbat bleibt weltweit lebendig.

Auf uns ist der Ruhetag mit der Zeitenwende übergegangen - als Sonntag, dem „ersten Tag der Woche“. Am Freitag war Jesus am Kreuz gestorben und hatte im Grab die absolute Sabbatruhe gehalten. Am ersten Tag der Woche wurde er auf erweckt, im Russischen heißt der Sonntag deshalb „Wosskresenje“ - Auferstehung. Das war auch in Sowjetzeiten so.

Johannisfeuer und Abendsonne am Strand der Insel Fanø in Dänemark
Foto: public domain, wikipedia.de

„2013“ meint, „wir sind so viele Jahre nach Jesu Geburt“ (es sind wohl schon 2020 Jahre, aber man wird die Kalender kaum noch ändern, selbst wenn eine Geburtsurkunde auftauchen sollte.) Nicht nur das Geburtsjahr wurde etwas willkürlich festgelegt, auch das Geburtsdatum am 24. Dezember. Das hängt mit der Wintersonnenwende zusammen – dem eigentlichen Beginn eines neuen Sonnenjahres. Dann ist die Sommersonnenwende am 24. Juni genau die Jahresmitte - und weil Johannes der Täufer ein halbes Jahr früher geboren wurde als Jesus, deshalb brennen am 24. Juni die Johannisfeuer, sie markieren den Beginn der zweiten Jahreshälfte. Das war vor einer Woche.

Wenn es jemand stört, dass die Sommersonnenwende am 21. Juni und Johanni am 24. Juni ist, der müsste die Unterschiede zwischen julianischem und gregorianischem Kalender studieren. Das astronomische Sonnendatum musste natürlich exakt in den geänderten Kalender eingepasst werden - einen Geburtstag konnte man auf seinem Datum belassen.
Hätten wir 3 Stunden Zeit, könnten wir jetzt hinschauen auf den Sabbat, durch den die westliche Welt die Siebentagewoche bekam, auf die Unterschiede zwischen Sabbat und Sonntag, auf die historische Trennung der Jahre in „vor Christus“ und in „nach Christus“, auf die uralten Sonnenwendfeiern und ihre Christianisierung.
Für die Sommersonnenwende bedeutete die Christianisierung: Geburtstag von Johannes dem Täufer und Johannisfeuer - da wollen wir nach der Musik etwas verweilen.

Musik

Seit einer Woche werden die Tage kürzer – erst nach Weihnachten beginnt die Sonne wieder zu steigen.
"Er wird wachsen, ich aber muss abnehmen" sagt Johannes der Täufer über Jesus.
Doch nicht wegen dieses Spruchs ist sein Geburtstag auf die Sommersonnenwende gelegt.
Als das römische Fest des „sol invictus“, der „siegreichen Sonne“ am 24. Dezember gewissermaßen zum Geburtsfest Jesu „getauft“ wurde – musste Johannes, der ein halbes Jahr älter war, am 24. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende, geboren sein.
„unter denen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner größer als Johannes“ sagt Jesus über ihn. Nach welchem Maßstab? Sicher nicht nach Meter und Zentimeter, auch nicht nach Elle und Fuß.
Können wir die Größe nachvollziehen, die Jesus gemeint hat?
Er hat es zu Juden gesagt in einem jüdischen Umfeld.
Wenn mit „allen je Geborenen“ verglichen wird, dann kommt die Weltgeschichte in den Blick. – Die hat nach jüdischem Verständnis eine Richtung und ein Ziel – das „Reich Gottes“. Und das Volk, das über den Sabbat verbunden ist mit dem Weltschöpfer und der Weltschöpfung, das sieht sich auch im Zentrum der Weltgeschichte und ihres Zieles.
Viele Propheten haben den Weg dieses Volkes durch die Geschichte begleitet, haben den Weg gedeutet, gewiesen und korrigiert, haben das Ziel anvisiert und beschrieben, die Erwartung lebendig gehalten und für Antrieb gesorgt auf dem langen Kurs. Die Geschichte ging durch schwere Zeiten, wie ein Weg durch schwieriges Gelände mit hohen Pässen, tiefen Schluchten und vor allem langen sumpfigen Strecken, in denen der Untergang drohte, verführt durch Götzendienst mit Wein, Weib, Gesang.
Und dann kam Johannes mit seiner Botschaft: "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen". Er hat gewissermaßen die Zielgerade eingeläutet.
Erwartet wurde weniger ein Endspurt als ein Endkampf - und für den war ein Führer verheißen, ein „Gesalbter Gottes“ wie David – der „Messias“.
"Tut Buße und lasst euch taufen zur Vergebung der Sünden – denn mit dem Reich Gottes kommt auch sein Gericht." ruft Johannes.
Die Botschaft kam an.
„Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden“. schreibt Matthäus.
„Nicht ich bin der Messias – aber er steht vor der Tür. Ja, er ist schon unter euch“ verkündet der Täufer. Und als Jesus zur Taufe kommt: „Dieser ist es. Er ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt trägt.“
Damit hat Johannes seinen Dienst erfüllt. „Nun muss ich abnehmen“ erkennt er und bekennt er - bald danach wird er hingerichtet, eigentlich ermordet, vom König. Der hatte Herodias geheiratet, die Frau seines Bruders, und der Prophet hatte öffentlich dagegen gewettert.
Im Kerker waren selbst ihm Zweifel gekommen, ob Jesus wirklich der Verheißene ist. Er lässt Jesus fragen – doch die Antwort dürfte ihn kaum überzeugt haben: „Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Wahrscheinlich hatte auch Johannes einen Endkampf gegen die römischen Besatzer erwartet.
Die großartige Beurteilung durch Jesus „unter denen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner größer als er“ die hat Johannes wohl nicht mehr erfahren vor seiner Enthauptung.

Musik

Ganz am Ende des Alten Testamentes, da verkündet Gott durch den Propheten Maleachi: Siehe, ich will euch den Propheten Elia senden, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. Der soll das Herz der Väter zu den Söhnen bekehren und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage.
Das Volk kannte die Geschichte, wie Elia einst unten am Jordan mit einem feurigen Wagen in den Himmel geholt wurde – und es kannte die Verheißung des Maleachi, dass er wiederkommt.
Als nun Johannes im Prophetenmantel dort unten am Jordan seine gewaltige Botschaft verkündete, da hielten sie ihn für den wiedergekommenen Elia. „Dann muss das Reich Gottes nahe sein – und der Messias bald kommen!“
Diese Erwartung brannte in vielen – und Johannes lenkte sie auf Jesus, als der auch zur Taufe kam und danach noch einige Zeit im Johanneskreis blieb – sich sogar aktiv am Taufen beteiligte.
Damit waren die Weichen gestellt für seinen weiteren Weg.
„Du bist mein Sohn“ hatte Jesus die Stimme Gottes bei der Taufe gehört – das bedeutete: „Du bist der Messias, mein Gesalbter!“ – Und es geschahen Wunder, die es bestätigten.
Der Geist war auf ihn herabgekommen wie eine Taube – und sein Reden war erfüllt von diesem Geist - und es begeisterte.
So geriet er immer mehr in den Blick der Massen – und ins Visier der Mächtigen.
Doch, die Messiaserwartung der Massen und das Wissen Jesu um seine Sendung gingen auseinander.
Sie erwarteten den Führer für den siegreichen Endkampf – und er war doch das Opferlamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt. Das konnte keiner verstehen.
Die Mächtigen erkannten die Gefahr: „Lassen wir den so, dann werden alle an ihn glauben. Es wird zum Aufstand kommen gegen die Besatzungsmacht, ohne jede Chance auf Sieg – und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute.“
Es fällt der Todesbeschluss – denn „es ist besser, es stirbt einer für das Volk, als dass das ganze Volk verdirbt“.
Seit der Taufe waren damals drei Jahre vergangen, doch die Zuspitzung geschah innerhalb eines Jahres und schon zwei Monate nach dem Todesbeschluss starb Jesus am Kreuz – als „Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt“ - wie Johannes es am Anfang verkündet hatte.
Wenn man diese geschichtliche Situation und diese Geschichte von Johannes und Jesus im Blick hat und bedenkt, dass die Massen in Jerusalem beim Pfingstfest es im Blick hatten, denn sie hatten es miterlebt – dann wird verständlich, dass sie die Predigt des Petrus verstanden und sich 3000 taufen ließen am ersten Tag, dem Geburtstag der Kirche.
Wenn man die weitere Geschichte im Blick behält, die ins „christliche Abendland“ führt - und damit Weltgeschichte wird – dann wird verständlich, dass die Jahrhunderte und Jahrtausende geteilt werden in „vor Christi Geburt“ und „nach Christi Geburt“.

So sind wir von der Sommersonnenwende gekommen zur Zeitenwende.

Wirklich spannend wird es, wenn ein Mensch sich einlässt auf den, der da am Kreuz gestorben ist. Es kann zur Lebenswende werden.

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