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Tag der Einheit

gesendet am 3. Oktober 2012 von Dr. Hans Frisch
 

Wer am 3. Oktober 1990 geboren wurde, der gehört zu den ersten, die in einem wiedervereinigten Deutschland das Licht der Welt erblickten - er (oder sie) wird heute 22. Das ist also gewissermaßen ein doppelter Geburtstag, seiner und der seines vereinigten Landes.

Ob das so bleibt, bis er in mein Alter kommt, ist nicht sicher - schon 2004 wäre es beinahe anders geworden. Damals wollte die Regierung unter Schröder den Feiertag verlegen auf den ersten Sonntag im Oktober, weil jeder Feiertag in der Woche im Bundeshaushalt ein Minus von 500 Millionen bedeutet.

Einen Geburtstag kann man nicht verlegen, er ergibt sich aus Schwangerschaft und Geburt - der Geburtstag der deutschen Einheit wurde geplant. Er musste zwischen einer Außenministerkonferenz am 2. Oktober und dem siebenten Oktober, einem Stichtag in Bezug auf die vorgesehene gesamtdeutsche Wahl liegen.

Die Volkskammer der DDR hat im August den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland mit Wirkung vom 3. Oktober 1990 erklärt - mit großer Mehrheit. Bedauernd sagte damals der Vorsitzende der SED-PDS Gregor Gysi: : "Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zum 3. Oktober 1990 beschlossen."

 

Doch die eigentliche Geburt der deutschen Einheit war ein Jahr zuvor die Öffnung der Berliner Mauer. Lange Wehen waren dem vorangegangen, und dann ging es ganz schnell. Was wir heute feiern ist also gewissermaßen die standesamtliche Beurkundung des Einigungsvertrags - darum sind auch viele Bundespolitiker aus vielen Bundesländern heute in München. Gestern hatten schon dreizehn von ihnen ihren Auftritt im Halbstundentakt, heute sind es zehn weitere, darunter einige Minister. Doch zur Zeit läuft noch der ökumenische Gottesdienst mit einem katholischen, einem evangelischen und einem orthodoxen Bischof - im ZDF wird er übertragen. Eigentlich war Hof für die Veranstaltung vorgesehen, es hatte ja damals die Grenzöffnung hautnah miterlebt. Doch München wurde es - hoffen wir, dass die Feier dort nicht vom Oktoberfest übertönt wird.

Das eigentliche Volksfest ist ja doch in Berlin, auf der Festmeile im Tiergarten, drei Tage lang. Mit dem weltgrößten Volksfest in München kann das sicher nicht mithalten, aber es ist ja auch nicht in Bayern!

So, Jobst Bernd, jetzt musst Du entscheiden, ob feierliche Musik, Wiesn-Musik oder rockige Musik kommt.

Musik

Vielleicht hat dieser oder jene die Öffnung damals miterlebt, als Befreiung. Kaum einer wird das Bedauern von Gregor Gysi teilen über den Untergang der DDR - der war längst besiegelt. Der drohende politische und wirtschaftliche Zusammenbruch des Staates stand unmittelbar bevor - deshalb die Eile.

Doch so dumm, wie es klingt, war das Bedauern wohl nicht. Auch ein unausweichlicher Untergang ist bedauerlich. Und immerhin hatten viele Menschen - anfangs mit großer Hoffnung und mit vollem Einsatz - den Aufbau einer neuen Gesellschaft versucht. Viele Opfer wurden gebracht - es wurden aber auch viele geopfert. Schließlich geschah das alles ja unter der Macht und der Aufsicht von Moskau.
Ich, und auch meine Frau, wir sind dem Staat eigentlich zu Dank verpflichtet. Trotz echter Armut unserer Familien konnten wir Medizin studieren und als Ärzte arbeiten. Die politische Berieselung mussten wir über uns ergehen lassen - doch sie war längst nicht so penetrant und so professionell wie die Werbung, der wir heute ständig ausgesetzt sind.

Wahrscheinlich hatten wir eine Akte bei der Stasi wegen unserer weltanschaulichen Einstellung, die wir nicht verheimlichten - doch ließ man uns in Ruhe (wie die allermeisten unserer Verwandten, Freunde und Kollegen). 1960 hatten wir schon drei Kinder, da wurde von der Einführung der Ganztagsschule gesprochen. Das wollten wir nicht, die durchgehende Beeinflussung unserer Kinder. Noch waren die klein, doch uns war völlig klar, dass die Grenze zu Westberlin (und zu Westdeutschland) bald dicht gemacht wird - denn bei dem Abstrom von Flüchtlingen, darunter viele Fachkräfte, gab es keine Alternative, das war offensichtlich. So entschlossen wir uns auch zur Republikflucht, solange sie noch möglich war.

In Berlin erschien das leicht. Wir wohnten außerhalb und fuhren täglich durch ganz Westberlin mit der S-Bahn. Oft gingen im Tiergarten spazieren. Doch die Stasi hatte uns im Blick. Wir merkten es - nur mit knapper Not entkamen wir ihren Zugriff. Sie standen auf dem Bahnhof, um uns festzunehmen – doch auf dem falschen Bahnsteig. Wir stiegen nicht in den Zug nach Spandau-West, sondern nach Falkensee, um in den Gottesdienst zu gehen. Damit hatten sie nicht gerechnet.

Dass es noch ein Jahr dauerte, bis 1961 die Grenzen geschlossen wurden, hat uns damals gewundert. Die weitere Entwicklung in der DDR konnten wir beobachten, denn nachdem Willy Brand eine Amnestie für die Geflohenen erreicht hatte, waren Besuche bei unseren Familien möglich.

Spannend wurden die Gespräche mit einer Freundin, die aus echter Überzeugung am Aufbau des Sozialismus teilnahm. Sie und ihre Tochter sind aber dann schon vor der Wende aus der SED ausgetreten - die Lügen und Missstände konnten sie nicht mehr übersehen und nicht mehr wegdeuten. Gysi und manche andere konnten es scheinbar doch noch bis zuletzt - eigentlich unvorstellbar - doch warum sollte so etwas nur bei verantwortlichen Finanzexperten im Westen möglich sein.

Musik

Da hat uns das Bedauern des Gregor Gysi über den Untergang der DDR auf etwas eigenartige Gedanken am Tag der deutschen Einheit gebracht. Wenn wir in dieser Richtung weiter denken, dann kommt der Zusammenbruch des ganzen sozialistischen Weltexperiments in den Blick - und angesichts der schier unendlich vielen, die sich für dieses Experiment geopfert haben, und die von diesem System geopfert wurden, ist der Begriff „Bedauern“ viel zu schwach.

Dass Gysi und Genossen jetzt angesichts der offenbar werdenden Mängel der freien Marktwirtschaft fast triumphierend die Illusion eines „guten Sozialismus“ wieder beleben, ist verständlich. Hoffentlich wächst die Schar derer, die sich dadurch verführen lassen, nicht zu sehr.

Du hast Recht, das reicht jetzt! Schließlich ist AREF ein christlicher Sender, die politische Diskussion ist in anderen Medien besser aufgehoben. An der Verkündung so genannter „christlicher Werte“ wollen wir uns nicht beteiligen, in der Regel sind das einfach menschliche Werte!

Doch wenn man genauer hinsieht, die Ursache der meisten Missstände, Fehlentwicklungen und schließlich Krisen und Katastrophen in der Gesellschaft (oder den Gesellschaftern), ist persönliche Gier nach Geld, Geltung, Macht und Ehre. Eine Befreiung der Person von dieser Gier, deren Wurzel der Selbsterhaltungstrieb ist, das könnte echte Hoffnung geben. Die einzige Macht, die so befreien kann, ist Liebe.

Wer geliebt wird, braucht nicht anzugeben, muss nicht mehr beweisen, wer er ist, braucht sich nicht mehr über den anderen erheben, er ist so angenommen wie er ist - und ihm wird geschenkt, was er wirklich braucht.
Die unauslöschliche christliche Botschaft ist: „Du bist geliebt.“

Leipzig, Montagsdemonstration, Bundesarchiv

Nun ist damit keine Politik zu machen - alle Versuche, christliche Politik zu machen, sind gescheitert und werden scheitern – aber, ein Politiker, ein Unternehmer, ein Banker, der diese Botschaft annimmt, der sollte mancher Versuchung seiner Position und seiner Macht widerstehen können. Und solche Versuchungen gibt es nicht nur bei den oberen Schichten der Gesellschaft, sie treffen jeden, und jeder braucht die Gewissheit: Ich bin geliebt.

Darum sagen wir es wieder und wieder: Du bist geliebt! Jesus hat diese Botschaft mit seinem Tod besiegelt, und Gott hat sie mit der Auferweckung bestätigt.

Um doch noch einmal zum Tag der Einheit zu kommen: Die entscheidenden Aktivitäten gingen von Kirchen aus, vor allem die Montagsdemonstrationen.

Ob der gewaltfreie Ausgang, trotz bereitstehender Einsatztruppen Folge der Friedensgebete vor den Demonstrationen war, können und brauchen wir nicht zu klären - auf jeden Fall ist Gott eine gute Adresse für unseren Dank!

 

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