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Fronleichnam - Ein Lichtblick? gesendet am 22.05.2008
von Dr. Hans Frisch
 

Lichtblick in die Bibel am Fronleichnam. Da wird jeder Kenner sagen: "Das geht nicht".
Aber fragt einmal in euerer Umgebung, ob es da solche Kenner gibt.

Warum es nicht geht

1. AREF - das heißt "Arbeitsgemeinschaft Rundfunk Evangelischer Freikirchen" - also bestimmt kein katholisches Team - und Fronleichnam ist ein katholischer Feiertag. Was sollen wir dazu sagen?

2. Nirgends in der Bibel ist ein Ereignis oder ein Ansatz für dieses Fest zu finden.

3. Zur Zeit der Gegenreformation wurde der Fronleichnamstag als "Triumph der Wahrheit über die Häresie" gefeiert, zu deutsch: Als Sieg der katholischen Kirche über die Reformation.

Damit wäre mein Beitrag schon zu Ende - wenn es nicht doch ein recht interessantes Fest wäre.

Wie es begann

Es begann im Jahr 1193, da wurde eine Juliane geboren, nahe bei Lüttich in Belgien. Als sie fünf Jahre alt war, starben ihre Eltern - so kam sie als Waisenkind ins Kloster. In Küche und Keller mußte sie mithelfen, so eine Hilfskraft brauchte keine Schule.

Aber in ihrer freien Zeit schlich sich Juliane in die Bibliothek. Die Bücher hatten es ihr angetan. Bald konnte sie lesen und schreiben, lernte sogar Latein. Wahrscheinlich lag es nicht an der vielen Freizeit, sondern an ihrer Begabung. Die Nonnen merkten bald, was für eine Perle sie da hatten und nahmen sie in ihre Gemeinschaft auf.

Die junge Schwester zeigte eine ganz besondere Frömmigkeit. Stunde um Stunde kniete sie in der Klosterkirche vor dem Tabernakel - dem kostbaren Behältnis der geweihten Hostie.  "Der Leib Christi" ist diese für katholische Christen. Am liebsten hätte Juliane nur von der Heiligen Hostie gelebt, es wurde ihr aber nur gestattet, täglich bis zum Abendbrot nüchtern zu bleiben.

Als  die 16 Jahre alt war, da hatte sie zum ersten Mal einen Vision, die sich mehrmals wiederholte:
Sie sah einen leuchtenden Mond an dessen Rand eine dunkle Stelle war - Christus selbst offenbarte ihr: der Mond ist das Kirchenjahr und die dunkle Stelle zeigt, daß da noch ein Fest zu Ehren des heiligen Altarsakraments fehlt. Sie sei berufen, dieses Fest einzuführen.

Bis zu ihrem 37 Lebensjahr behielt Juliane dieses Gesicht für sich - dann wurde sie zur Oberin des Klosters gewählt - und jetzt verkündete sie den Auftrag ihrer Jugendzeit. Sie stieß überall auf Widerstand, wurde verspottet und verleumdet, so daß sie schließlich mit einigen ihr treuen Schwestern das Kloster verließ und unstet umherzog - weiter verfolgt von Verleumdungen und Feindschaft.

Nur ihr Beichtvater und der Erzdiakon von Lüttich, Jakob von Troyes, hielten zu ihr. Völlig verarmt lebte sie schließlich noch zehn Jahre in einer kleinen Hütte - bis sie mit 67 Jahren starb.

Fronleichnam wird ein Fest

Und doch konnte sie noch erleben, wie ihr Fest - Fronleichnam - in Lüttich vom Bischof eingeführt wurde. Der Diakon Jakob von Troyes wurde später Papst Urban IV, er legte den Festtermin auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Und 50 Jahre später wurde das Fest verbindlich für die ganze Kirche durch Papst Johannes XXII. Noch später kamen Fronleichnamsprozessionen auf, die sich immer mehr durchsetzten und bald das zentrale Ereignis des Festes wurden. In feierlichem Umzug wird die Hostie in einer prächtigen Monstranz durch die Fluren getragen, mit Gottesdiensten im Freien - auch auf dem Marktplatz in Nürnberg.

( Musik )

 Vielleicht hat dieser oder jene schon so eine Fronleichnamsprozessionen schon mitgemacht - ich stelle mir es schön vor: In Gemeinschaft, mit frommen Liedern und heiligen Gefühlen durch die Frühlingsfluren ziehen - ein festlicher Gottesdienst in der blühenden Landschaft.

Es ist nicht verwunderlich, daß diese Art, das Fest zu feiern, sich durchgesetzt hat. Der Frühling verlockt doch zum Hinausgehen. Osterspaziergang, Vatertagausflug, Pfingstpartie zeugen auch davon. Daß früher dabei auch eine Art von Flursegen erhofft und erwartet wurde, können wir heute kaum noch nachfühlen. Aber schon im alten Griechenland gab es so etwas in den eleusischen  Mysterien - aber das wäre eine eigene Geschichte.

Woher kommt der Name des Festes?

Es wird also die heilige Hostie - "Leib des Herrn" - festlich geehrt.
"Fron" heißt mittelhochdeutsch "Herr", und "lichnam" "der Leib", der lebendige Leib!
So kam das Fest zu seinem Namen.

Was sagte der "Reformator" Luther zu dem Fest?

Das klingt ja alles recht schön und friedlich. Warum - frage ich - hat Martin Luther dieses schöne Fest für die protestantische Kirche abgeschafft - und warum hat er dagegen gewettert? Eine Predigt zum zweiten Sonntag nach Trinitatis, dem ersten Sonntag nach Fronleichnam, beginnt so:

Weil nun das junge Volk nichts von diesem Fest und dem Prunk weiß, und die Alten es auch vergessen haben, ist es gut, dass man davon predigt. Denn wenn unsere Jugend in die Kirchen kommt oder solch ein abgöttisches Wesen sieht, sie sich nicht daran ärgern und sagen können, daß dieses nicht richtig ist, daß man solch einen falschen Gottesdienst anrichtet und dabei soviel Geld ausgibt, und nicht nach der Meinung kommen, daß man den Sakrament gedenkt und ehrt.  Die Katholiken aber tragen nicht das ganze Sakrament in Brot und Wein herum, sondern durch das Brot allein machen sie es zu einer Schmach und Schande. Sie selbst aber kommen dabei zu den höchsten Ehren, denn diesen Unterschied wollen sie damit erhalten, daß der Pfaffenstand ein besonders hoher und schöner Stand sei vor Gott. Denn den einfachen und gemeinen Christen dürfe man nicht das ganze Sakrament geben, sie müssen sich mit dem Brot alleine begnügen lassen.

Und so geht es weiter - sogar noch schlimmer mit: "Greuliche Abgötterei", "Greuel", "Teufelswerk" Warum der Zorn?

Der Konflikt

Unversehens sind wir in einen tiefen, ernsthaften Konflikt geraten - eigentlich den Konflikt zwischen evangelisch und katholisch:

Die heilige Hostie, der "Leib des Herrn", wird da verehrt, wird herumgetragen und Luther meint - auch angebetet. Vom Kelch ist nicht die Rede.

"Nehmt hin meinen Leib - eßt alle davon. Nehmt hin mein Blut - trinkt alle daraus." So hatte Jesus das Abendmahl gestiftet - zu seinem Gedächtnis.

"Mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden" - dieser Kelch ist nicht dabei, bei Fronleichnam. Er ist für die Gläubigen auch nicht dabei in der Eucharistie; den Priestern ist er vorbehalten.

"Na und?" wird mancher denken, "der eine Schluck Wein!"  Wir können uns kaum hineindenken in die Menschen vor 700 und 800 Jahren. Heute bedrängt die Angst vor Krebs oder Aids viele Menschen - damals war die Angst vor der ewigen Verdammnis allgegenwärtig.

"Von dieser Angst seid ihr befreit durch das Blut Jesu Christi" - so verkündet das Evangelium. "Nehmt hin, trinkt alle daraus" hatte Jesus beim Abendmahl über den Kelch gesagt.

"Von dieser Angst könnt ihr befreit werden, durch die Vermittlung der Kirche - denn der geweihte Priester hat Vollmacht zur Sündenvergebung - durch das Blut Christi im Kelch des Abendmahls". So verkündet die katholische Kirche. Stellt euch vor: da hätte jemand ein Mittel gefunden, das Krebs und Aids zuverlässig verhindert, zumindest würden es die Menschen glauben. Er würde es patentieren lassen - und mit dem Geheimrezept sein Geschäft machen. Was für ein Geschäft! Wenn er dann noch auf der anderen Seite mit großer wissenschaftlicher Autorität die Angst schüren könnte - das wär´s!

So ging es den Menschen mit ihrer Angst vor der Verdammnis - und mit der Kirche.  Das Patent war die Vermittlung der Vergebung nur durch die Priester. Was für ein Geschäft! Lest die Kirchengeschichte und lest die Weltgeschichte. Selbst Kaiser mußten da zu Kreuze kriechen auf ihrem Gang nach Canossa! Auch das wäre eine eigene Geschichte. Und als Meister in diesem Geschäft steht am Anfang Papst Johannes XXII, der Fronleichnam für die ganze Kirche verbindlich machte.

Luther selbst war nur knapp dem Schicksal entkommen, daß viele getroffen hat, die das Geschäft störten. Jan Huss wurde verbrannt - hätte nicht ein Freund ihn versteckt auf der Wartburg, hätte Luther wohl das gleiche Schicksal getroffen. Er kannte die Macht der Kirche, auch den Mißbrauch des Evangeliums -  und deshalb war er so zornig. Denn in der festlichen öffentlichen Feier der Hostie sah er die böse heimliche Aneignung des Kelches durch die Priesterschaft.

( Musik )

Machtmissbrauch

Nicht nur katholische Hörer könnten jetzt nervös geworden sein bei der Aufdeckung des alten Konfliktes. Auch sie bedauern wohl jeden Missbrauch der geistlichen Macht in der Geschichte ihrer Kirche. Sollte nicht lieber das ökumenische, das Gemeinsame betont werden?

Und hat sich das nicht von selbst erledigt, in einer Zeit, wo - sicher mit verursacht durch die Reformation Luthers - nur noch wenige Angst vor der ewigen Verdammnis haben ?

Hatte nicht diese Angst die Menschen an die Kirche gebunden und damit im Glauben an Gott gehalten ? Ist vielleicht der Mißbrauch der freien Gnade am Ende schlimmer als der Missbrauch der Angst?

Zurück zu den Wurzeln

Wir müssen noch tiefer eintauchen in die Geschichte, um da eine Antwort zu finden: Ganz am Anfang der Kirchengeschichte ist etwas Wichtiges geschehen: Da hatten sich viele Juden in Jerusalem und später auch an anderen Orten bekehrt zum christlichen Glauben. Petrus war ihr Bischof..

Zugleich brachte Paulus das Evangelium zu den Heiden in der griechischen Welt. Viele bekehrten sich zu Jesus Christus und damit zum Gott Israels- ohne Juden zu werden. Und Paulus verlangte auch nicht, daß sie das jüdische Gesetz halten mit Beschneidung und mit den Speisegeboten. Das führte zu Spannungen. Die jüdischen Christen wollten die Freiheit vom Gesetz nicht einsehen - und Paulus verteidigte diese Freiheit mit aller Kraft.

Auch Paulus und Petrus konnten bei ihren Zusammentreffen in Jerusalem den Konflikt nicht auflösen. Sie gaben sich die Hand darauf, daß "dem Petrus das Evangelium für die Juden und dem Paulus das Evangelium für die Heiden anvertraut ist".

Petrus wurde später Bischof von Rom und die Päpste sind seine Nachfolger. So kam das Evangelium für die Juden nach Rom - und durchaus jüdisch ist die Entstehung eines zentralen Heiligtums, ist die Etablierung eines Hohen Priesters, ist die Betonung des Gesetzes, ist die Heilsvermittlung durch die Priester.

Ringen um die Wahrheit

Das Evangelium der Freiheit blieb im Untergrund lebendig. Da es keine politische Macht bekam, spielt es in der Weltgeschichte allenfalls die Opferrolle. Denn die etablierte römische Kirche fühlte sich zu Recht bedroht durch die entgegengesetzte Wahrheit und wehrte sich mit ihrer ganzen Macht.

Erst in der Reformation durch Martin Luther trat das Evangelium des Paulus auf der Geschichtsbühne öffentlich in Erscheinung - doch alle Hoffnung Luthers und seiner Nachfolger, die Wahrheit des Paulus gegen die Wahrheit des Petrus durchzusetzen waren vergeblich - bis heute.

Wenn wir ehrlich sind, finden wir beide Wahrheiten auch in uns selbst, obwohl sie sich gegenseitig ausschließen:

Wer seines Heils sich gewiß ist, weil Jesu Blut alle seine Sünden hinwegnimmt, der merkt: "Ich brauche doch Regeln und Gesetze in meinem Leben, da müßte doch jemand mit Vollmacht mir bestätigen, was ich glaube - und der Glaube an den Heiligen Gott braucht doch auch heilige Räume und Feste."

Wer immer brav die Gebote der Kirche einhält, wer regelmäßig zur Messe und zur Beichte mit Absolution geht, der merkt: "Etwas ganz Wesentliches muß doch in mir selbst geschehen - unabhängig von aller äußeren Form und aller äußeren kirchlichen Autorität. Ich persönlich muß doch Beziehungen aufnehmen zu dem der sein Blut für mich vergossen hat."

Wer diese Spannungen in sich nicht zuläßt und sich nur auf seine eine eigene Wahrheit beruft - der muß den Vertreter der anderen Wahrheit verdammen  - und trägt bei zur Spaltung und Feindschaft. Wer wegen dieser Spannung keine Wahrheit für sich gelten lassen will, der kann auch nicht das Abenteuer erleben - wenn zwei Menschen mit gegensätzlicher Herkunft im Gespräch und in der Auseinandersetzung ihre gemeinsame Wahrheit entdecken.

Aufruf

Liebe evangelische, liebe freikirchliche Zuhörer - freut euch, dass es so schöne katholische Prozessionen und Gottesdienste gibt, auch wenn ihr es nicht verstehen und es eigentlich nicht mitfeiern könnt.

Liebe katholische Zuhörer, freut euch, dass es Christen gibt, die auch ohne eure phantastische Kirche in der Gemeinschaft mit Jesus Christus leben und erlöst sind.

Und wenn ihr euch begegnet  - erzählt dem anderen von euch, von euer Freude, eurer Hoffnung, eurem Glauben und euren Erfahrungen. Denn "Fronleichnam", der Leib des Herrn, möchte immer wieder zur Einheit werden.

Dr. Hans Frisch  

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