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Trinität Gottes gesendet am 3. Juni 2007 von Dr. Hans Frisch
 


Alle Feste im Kirchenjahr sind vorüber - Weihnachten, Dreikönige, Passionszeit, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten - jetzt fängt die lange Reihe der "Sonntage nach Trinitatis" an - heute ist der erste. Das könnte Anlass sein, einmal über Trinität nachzudenken.

Das ist aber leichter gesagt als getan. Über Trinität findet sich nichts in der Bibel - außer dem Taufbefehl im Markusevangelium: "... und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Die Kirchengeschichte könnte Antwort geben auf die Frage nach der Entstehung und der Gestaltung des Begriffs "Trinität" oder "Dreifaltigkeit" - aber insgesamt ist es schon etwas schwierig !

Da muß doch etwas dran sein! Jeder Gottesdienst beginnt im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, die meisten Menschen sind auf diesen Namen getauft; für die Unterschiede "und für den Kampf" zwischen den Religionen hat der Begriff eine zentrale Bedeutung. Nur, ein Zugang ist schwer zu finden.

Ein Einstieg ergab sich bei einem "Bibelgesprächskreis". "Hiob" war das Thema. Die Geschichte ist wohl bekannt:

Satan bietet Gott eine Wette an. "Dein Liebling, der fromme Hiob, der ist nur so fromm, weil Du ihn so reich gemacht hast. Nimm ihm alles weg - Du wirst sehen!" - Wir würden sagen: "Du hast ihn dir gekauft".

Gott geht auf die Wette ein - und eine Katastrophe nach der anderen macht Hiob zum armen Mann. "Hiobsbotschaften" nennt man solche Nachrichten. "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt" sagt Hiob - Gott hat gewonnen.

Doch Satan gibt nicht auf. "Haut um Haut ! Rühre nur sein Gebein und sein Fleisch an - wahrhaftig, er wird Dir ins Angesicht fluchen". - noch einmal wagt Gott die Wette. Wie es weitergeht, das ist im Hiobbuch nachzulesen.

Mich fasziniert, daß Gott sein Menschenbild hier aufs Spiel setzt. "Was wäre, wenn Satan Recht behält?" Sofort und entschieden kam in dem Gesprächskreis Widerspruch: "Das kann ich nicht denken, daß der allwissende Gott nicht wußte, wie die Wette ausgeht, wie Hiob sich entscheiden wird und daß er standhält" - meinte die Pfarrerin, und ließ nicht mit sich handeln. Das kann sie nicht denken - und ich kann nicht denken, daß Gott der Gerechte eine Scheinwette abschließt - es geht doch hier um die Freiheit des Menschen. Zwei Aussagen über Gott, beide richtig, aber unmöglich in Eins zu bringen. So wie das Licht Welle und Teilchen ist, obwohl es nur "entweder oder" sein kann.

Gott weiß alles, auch in alle Zukunft - Gott weiß nicht, wie der Mensch sich entscheiden wird, und er wartet und hofft auf seine Liebe und Treue. Er kann die Wette durchaus verlieren! Von diesem und von jenem Gott zugleich reden, das geht nicht - obwohl beides, die Allwissenheit und das Hoffen von dem EINEN Gott redet! So eröffnete das Gespräch über Hiob den Zugang - zwar nicht zur Trinität, aber zu einer "Dualität".

Unterstellen wir, daß - anders als beim Licht - die Wirklichkeit Gottes nicht nur in zweifach sondern nur in dreifach unterschiedener Gestalt zu erfassen ist - dann sind wir schon etwas näher bei unserem Thema "Trinität".

(Musik)

Wenn unsere Annahme stimmt, daß für Menschendenken "Gotteswirklichkeit" nur in dreifach unterschiedener Gestalt ganz zu erfassen ist, dann müßte das auch in anderen Religionen zu finden sein - denn erst, wenn die Antworten ganz gefunden sind, kommt das religiöse Fragen zur Ruhe.

Blicken wir auf den Hinduismus. "Brahma" ist die eine, ewige, absolute Wirklichkeit (die veränderliche Welt ist nur "Maya", eine täuschende, oberflächliche Erscheinung) - doch tritt diese eine göttliche Wirklichkeit in Erscheinung als Brahma der Schöpfer, Vishnu der Bewahrer und Shiva der Zerstörer. "Trimurti " wird diese Trinität genannt. Um dieses Zentrum hat sich eine vielgestaltige hinduistische Religion entwickelt - das Christentum mit seinen zahlreichen Konfessionen und Kirchen erscheint dagegen fast wie aus einem Guß. Aber der Hinduismus ist ja auch fast doppelt so alt.

Ähnliches findet sich in den anderen Religionen - ein Text im Internet behauptet: ".. die christliche Dreifaltigkeit ist die letzte Prägung einer langen Reihe von Dreifaltigkeiten." Der Autor findet die ältesten Wurzeln der Trinität "bis in Urzeiten allen Verstehens zurückreichend."

Der Vergleich mit der Musik drängt sich auf: Ein Ton sagt noch nichts - zwei Töne öffnen eine Spannung, wie eine Frage - der Dreiklang gibt Antwort, er ruht in sich.

Die Geometrie und die Statik melden sich auch: Erst mit dem Dreieck fängt Geometrie an, auf drei Punkten ruht eine Last stabil.

Wohin wir auch sehen, überall glänzt die Drei in einem besonderen Licht: die drei Dimensionen des Raumes, "die drei Brüder" oder "die drei Schwestern", die "drei Wünsche" oder drei Versuche in den Märchen und, und, und.

Das soll uns nicht zu einer Zahlenmystik führen - vielleicht gibt es uns ein Gespür für eine Struktur in unserem Denken und Erkennen , in dem die "Dreifaltigkeit" einen besonderen Platz, eine zentrale Bedeutung hat.

Einem Moslem dürfte es als Gotteslästerung erscheinen, wenn die Wirklichkeit des Einen Gottes unserem Denken zuliebe in eine Dreifaltigkeit aufgespalten wird. Auch für jüdische Ohren klingt "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" etwas wie Gotteslästerung.

An der Notwendigkeit - und an der Unmöglichkeit - Gott den Gerechten, Gott den Gnädigen und Gott den Hoffenden als EINEN zu sehen kommt auch der jüdische Glaube (und wohl auch der moslemische) nicht vorbei. Doch beiden hilft das strikte Verbot: "Du sollst dir kein Bild machen!"

Fassen wir zusammen: Einen Zugang in das schwierige Thema Trinität brachte das Gespräch in einem Bibelkreis: Gott wettet um das Vertrauen und die Treue Hiobs - und er könnte verlieren; Gott ist allwissend , und nichts wird je geschehen, was er nicht will und schon immer weiß. Wie kann beides der EINE Gott sein? Eine "Dualität" für unser Denken, ähnlich der Dualität des Lichtes, das Welle und Teilchen ist, aber nur Entweder-Oder sein kann für unser Denken. Die Annahme, "Gotteswirklichkeit" ist für menschliches Denken und Erkennen nur in dreifach unterschiedener Gestalt - also in einer "Trinität" zu fassen - diese Annahme fand eine Bestätigung beim Blick auf den Hinduismus mit der "Trimurti" von Brahma, Vishnu und Shiva. Auch in der Musik, in der Geometrie, in der Statik, in Märchen und in vielem Anderen ist die Drei etwas Besonderes - in unserem Denken und Erkennen scheint eine Struktur für die "Dreifaltigkeit" vorzuliegen. Auch betont "monotheistische " Religionen kommen daran nicht vorbei, sind aber durch ein "Bilderverbot" geschützt. Jetzt bin ich gespannt, zu welchem Ende wir finden nach der Musik.

(Musik)

Die zentrale Aussage der Bibel ist: Gott hat den Menschen in die Freiheit entlassen (oder - aus dem Paradies vertrieben).

"Nun ist der Mensch geworden wie unsereiner, er weiß, was gut und böse ist" verkündet er in der himmlischen Versammlung. Eine Art Reifezeugnis - nie wird Gott diese Freiheit des Menschen antasten.

Schon hier begegnet er als der Gerechte: Unabwendbar ist die Konsequenz des "Sündenfalles". Aber auch als der Gnädige: Er macht den Menschen selbst die ersten Kleider. Und als der Hoffende: "Die Sünde lauert vor der Tür, Du aber herrsche über sie" ruft er Kain zu, der trotzdem seinen Bruder erschlägt.

Er bleibt der Gerechte, mit Sintflut, Sodom und Gomorrha, mit vielen Katastrophen und Niederlagen - die in der Geschichte des jüdischen Volkes als Konsequenz von Unglaube und Untreue festgehalten sind. Er bleibt auch der Gnädige, der seinem Volk immer wieder Vergebung und einen neuen Anfang schenkt. Und er bleibt der Hoffende, der seine Hoffnung auf ein "Reich Gottes unter den Menschen" nicht aufgibt und diese Vision von den Propheten immer deutlicher ausdrücken läßt.

Es war ein langer Weg, von Kain, der seinen Bruder erschlägt im Streit um das richtige Opfer bis zu Kaiphas, der Jesus zum Tode verurteilt und ihn damit zum erlösenden Opfer macht. Vom Anfang an hatte der Weg diese Richtung: Der Mensch, frei und schuldfähig, soll Gott dem Gerechten begegnen und soll seine Schuld erkennen; der schuldige, unfreie Mensch soll Gott den Gnädigen erleben und Vergebung empfangen; und - der erlöste Mensch soll mit Gott dem Hoffenden ein neues befreites Leben beginnen.

Stellvertretend für die Menschheit ist das Volk Israel diesen schweren Weg durch die Geschichte gegangen - bis es, - bis die Zeit reif war zur Offenbarung für alle Menschen.

So beschreibt Paulus das Geschehen, welches wir "Evangelium" nennen. Wo der ganz gerechte "Gottessohn" freiwillig für die Schuld der Menschenkinder am Kreuz stirbt, da ist Gott der Gerechte und Gott gnädige EINS - und wo aus dieser Erlösung zu Pfingsten begeisterte Gemeinde erwächst - da ist Gott der Hoffende mit seiner Kirche auf dem Weg - und deshalb geschieht jeder Gottesdienst und jede Gemeinschaft von Christen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes - im Namen des Dreieinigen Gottes.
 
Dr. Hans Frisch

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