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Interview mit Israel-Korrespondent
Johannes Gerloff

gesendet am 06.04.2007 von Elke Heidrich
 

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Israel-Korrespondent Johannes Gerloff
Foto: Uwe Schütz, AREF
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Elke Heidrich hat ihn auf seiner Vortragsreise durch Deutschland gefragt, ob er glaubt, dass es eine politische Lösung zwischen Israelis und Palästinensern gibt

J.G.: Ich sag´s einmal ganz böse so: Wer dauernd eine Lösung fordert, will eigentlich Krieg! Und das hängt auch damit zusammen: Wenn man von den Leuten fordert: "Jetzt kommt mal zu einer Lösung!", dann muss man sich auch überlegen : "Auf was lasse ich mich da ein, wenn ich so viele Verpflichtungen eingehe?". Wogegen: Wenn man die Leute einfach miteinander leben lässt, dann geht das ganz gut und ich könnte Sie jetzt mitnehmen, an ganz unterschiedliche Stellen, Sie sagen wohin, und wir werden dort, wenn wir etwas länger dort sind - vielleicht nicht mit dem Mikrofon oder der Fernsehkamara - aber wir werden merken: Normales Miteinander zwischen Juden und Arabern, Palästinensern und Israelis ist möglich. Im täglichen Leben und vielleicht viel mehr als wir das wahrhaben wollen. Ob es eine politische Lösung gibt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

E.H.: Jetzt sind die Schiffe von der Bundesmarine vor den Küsten vom Libanon. Was halten Sie davon?

J.G.: Jedem, der die Gegend dort kennt, ist klar, dass das eigentliche Problem im Blick auf den Libanon nicht die Mittelmeerküste ist, sondern die Grenze zu Syrien hin und dass von dort die Waffen, die Raketen, unkontrolliert in den Libanon hineinkommen. Ich persönlich denke, dass der Einsatz der Marine vor allem für´s deutsche Gewissen gut ist, dass wir dafür auch sehr viel bereit sind zu bezahlen. Es ist nicht so, dass es nichts nützt. Es zeigt ja einen internationalen Wissen dort was zu tun, auch wenn der Wohl im Moment nicht allzu effektiv ist. Ich war vor ein paar Tagen von an der libanesischen Grenze oben und das Schlimme ist, dass dort an keiner Stelle die libanesische Flagge sichtbar ist, sondern nur die Hisbollah-Flagge, das heißt wir sind genauso weit wie vor dem Krieg und die Hisbollah hat eine erklärte Absicht gegen den jüdischen Staat und von daher ist das Ganze nach wie vor ein Pulverfass.

E.H.: Sie sind ja jetzt auf Vortragsreise unterwegs. Was möchten Sie den Zuhörern sagen?

J.G.: Ich würd mir zum Einen wünschen, dass Leute hier mehr fragen als Antworten geben, dass vielleicht bestimmte Klischees aufgebrochen werden. Ich würde mir wünschen, dass die Leute neugieriger werden. Was passiert da eigentlich? Was sind die Hintergründe? Was sind die geschichtlichen Entwicklungen? Was führt Menschen dort im Nahen Osten dazu, auf bestimmte Weise zu denken und dann auch zu reagieren auf bestimmte Entwicklungen? Ich denke, wir Deutschen sind manchmal viel zu schnell mit den Antworten und viel zu schnell auch, dass wir unsere Klischees, unsere Stereotypen, meinen anderen überstülpen zu können.

 

Johannes Gerloff (Jahrgang 1963) ist Korrespondent in Jerusalem und Mitarbeiter des Christlichen Medienverbundes KEP. Das Interview führte Elke Heidrich, AREF, am 07.03.2007.

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