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Gedanken zum 1. Mai gesendet am 1. Mai 2007 von Dr. Hans Frisch
 

Heute ist Feiertag - kein evangelischer, kein katholischer, überhaupt kein christlicher - und doch ist AREF, die „Arbeitsgemeinschaft evangelischer Freikirchen“, auf Sendung. Wir könnten versuchen, die Herkunft dieses Feiertages zu ergründen, und wären sofort in der Geschichte der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften - ja eigentlich fing diese Geschichte mit diesem Feiertag erst so richtig an.

Vor 220 Jahren verlangten die Arbeiter in Amerika den Achtstundentag (10 bis 13 Stunden waren damals die Regel). Weil die neuen Vertragsabschlüsse üblicherweise am 1. Mai erfolgten, wurde dieser als Stichtag gewählt - und zum Tag von Protestdemonstrationen, weil die Forderungen abgelehnt wurden.

Bald etablierte sich der Brauch, an 1. Mai für die Arbeiterrechte und Arbeiterforderungen zu demonstrieren und zu kämpfen. Nur selten wurde es dabei blutig - ganz am Anfang als anarchistische Gruppen eine Bombe in ein Polizeiaufgebot warfen und zuletzt 1984 in Berlin Kreuzberg, wo seitdem an diesem Feiertag immer ein besonders starkes Polizeiaufgebot bereitsteht - allerdings mit der strikten Weisung: „Deeskalation!“

Die Kampfrichtung hat sich aber in der letzten Zeit verändert - aus der Forderung nach Reduzierung der Arbeitszeit ist inzwischen eher die Forderung nach ausreichend Arbeit geworden.

Da wir weder ein Gewerkschaftssender sind noch ein Sender der Arbeitgeber würden wir bei diesem Thema wahrscheinlich schnell zwischen die Fronten geraten. Da wird zwar nicht scharf geschossen, aber wahrscheinlich einfach abgeschaltet.

Bliebe ein zweiter Einstieg: Die Nacht zum 1. Mai war die „Walpurgisnacht“, die Nacht in der die Hexen auf ihren Besen zum Brocken im Harz flogen oder auf das Walberla bei Forchheim, zu einem wilden Fest - doch wenn wir da einsteigen wollten, müssten wir mit Goethe konkurrieren, der dieses Fest im Faust so lebendig zeigt.

Da passen wir lieber, und mit Hexen haben wir sowieso überhaupt nichts am Hut.

Also sind wir frei, ein Thema zu wählen.

Tag der Arbeit - unser Sohn meinte, „Schau doch in die Konkordanz, was in der Bibel über „arbeiten“ steht“. Nun brauche ich da nicht mehr die Konkordanz, ein Buch in dem zu den meisten Begriffen die Bibelstellen angegeben sind; ich gebe ins Bibel-Programm auf dem PC ein „arbeiten“ als Suchbegriff, und da kommen 48 Stellen. In sechs dieser Stellen steht:

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun, aber am siebenten Tage sollst du ruhen.

Das wäre doch ein Kontrastprogramm am Tag der Arbeit. Nach der Musik wollen wir es versuchen!

* * * Musik * * *

Was sagt die Bibel über das Arbeiten ?

Also, wenn du ein Bibelprogramm auf der Festplatte hast oder im Internet aufrufst und „arbeiten“ als Suchbegriff eingibst, dann erscheinen 48 Stellen - einige könnten am 1. Mai durchaus zum Thema passen.

„Solange du dem Reichen nützlich bist, lässt er dich für sich arbeiten;
aber wenn du nicht mehr kannst, so lässt er dich fallen.“

Das könnte ein Gewerkschaftsfunktionär formuliert haben. Der Arbeitgebervertreter könnte entgegnen:

„besser arbeiten und dabei reich werden als aufschneiden und ein Bettler bleiben.“

Und für Sklavenhalter der Rat und die Mahnung:

„Lege ihm Arbeiten auf, die einem Sklaven gebühren;
gehorcht er dann nicht, so fessle seine Füße.
Doch lege keinem zu viel auf und tu nichts, ohne ein Recht darauf zu haben.“

Aber Kenner wissen, das stammt aus dem Buch Sirach, und Sirach steht in den „Apokryphen“. Die gehören eigentlich gar nicht richtig zur Bibel - in vielen Ausgaben sind die überhaupt nicht vorhanden. Nein, der andere Satz mit dem Wort „arbeiten“ drängt sich absolut in den Vordergrund - 6 mal heißt es in den fünf Büchern Mose:

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun,
aber am siebenten Tage sollst du ruhen.

Und zweimal steht dabei:

„Wer eine Arbeit tut am Sabbattag, soll sterben.“

Wie in Stein gemeißelt stehen die Sätze da.

Wenn du fragst: „Wer ist ein Jude?“ und bekommst die Antwort: „Der beschnitten ist“, dann melden nicht nur die Moslems Protest an, fast 90 Prozent der amerikanischen Männer sind es aus hygienischen oder anderen Gründen beschnitten, und die jüdischen Frauen würden sich wohl auch melden.

„Wer kein Schweinefleisch isst“, auch da würden sich die Moslems und auch die Vegetarier verwahren.

Nein, das Unterscheidungsmerkmal ist der Sabbat, auch wenn nur die Minderheit der streng orthodoxen Juden am Sabbat kein Feuer anmachen - nicht einmal Licht einschalten (was sie inzwischen einer programmierten Schaltung überlassen), keinen Aufzug bedienen (weshalb in jüdischen Krankenhäusern einen Sabbataufzug am Samstag kontinuierlich fährt und in jeder Etage hält), kein Auto fahren und was es da noch alles gibt - der Sabbat ist für alle Juden der Feiertag (mehr oder weniger, so wie der Sonntag für uns).

Nur wenige werden noch den Rabbi fragen wie der Jude, der wissen wollte: „Rebbe, darf ich am Sabbat töten einen Floh?“ „Du darfst.!“ „Und eine Laus?“ „Darfst du nicht, unter keinen Umständen!“ „Warum den Floh ja und die Laus nein?“ „Nun, am Sabbat darfst du nur Arbeiten tun, die überhaupt nicht aufzuschieben sind. Der Floh springt dir weg, aber die Laus bleibt dir doch bis zum nächsten Tag!“

Die meisten halten es mit der Sabbat wohl wie der Jude, der von einem anderen gefragt wird: „Isst du auch koscher?“ Er antwortet: „Ja, koscher auch.“ „Hältst du die Sabbatruhe?“ „Ja, ruhen tue am Sabbat ich auch.“ Von dem Ernst des Sabbatsgebotes ist das weit entfernt, da müssen wir schon genauer hinschauen nach der Musik.

* * * Musik * * *

Das Sabbatsgebot

„Sechs Tage sollst du arbeiten,
aber am siebenten Tag ist Sabbat, völlige Ruhe, heilig dem Herrn.
Wer eine Arbeit tut am Sabbattag soll des Todes sterben.“

So steht es im zweiten Buch Mose, sechsmal - zweimal mit dem Befehl der Tötung.

Da geht es nicht um Flöhe und Läuse - doch um was geht es?

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“

So wird der Ruhetag eingeführt und begründet.

Einige Kapitel weiter steht:

„Darum sollen die Israeliten den Sabbat halten, dass sie ihn auch bei ihren Nachkommen halten als ewigen Bund. Er ist ein ewiges Zeichen zwischen mir und den Israeliten. Denn in sechs Tagen machte der HERR Himmel und Erde, aber am siebenten Tage ruhte er und erquickte sich.“

Das Gebot der Sabbatruhe verbindet das Volk Israel mit der vollendeten Schöpfung der Welt - zusammen mit Gott soll das Volk in heiliger Ruhe sein, einen Tag lang jede Woche. Wer die Bedeutung dieses Ruhetages ermessen will, der muss sich hineindenken in die Zeit, in der das Bewusstsein noch mythisch war.

Im mythischen Fest hatten die Menschen Beziehung zu den heiligen Geschehnissen der Urzeit, als Saat und Ernte gestiftet wurden, durch den Tod eines göttlichen Helden, als Geburt und Tod ihren Anfang bekamen, als die Wiederkehr der Sonne in den Festen von Stonehenge beschworen und gefeiert wurde.

Im Jahreszyklus hatten solche Feste ihren festen Platz, sie strukturierten die Zeit und das Leben. Da feierte ein Volk alle sieben Tage seine Verbindung mit dem Schöpfer der ganzen Welt - das begründete ein ganz eigenes Selbstbewusstsein für dieses Volk, und es grenzte es ab von allen andern Völkern (und es grenzte die Angehörigen diese Volkes aus, wenn sie unter andern Völkern lebten).

Hier liegt wohl eine der Wurzeln des frühen Antisemitismus! (Sogar in Israel ist eine Art Antisemitismus in der Ablehnung der Ultraorthodoxen vorhanden.)

Nun steht in der Thora, dem Gesetze des Mose, nichts von Aufzügen, Lichtschaltern oder Autofahren. Schon früh kam es unter den Juden zur Diskussion, was denn alles die Sabbatruhe bricht - und die Rabbinen waren reichlich beschäftigt damit, Regeln aufzustellen. „Weil das Gebot heilig ist, deshalb muss ein Zaun darum errichtet werden, lieber etwas zu viel verbieten als eine Übertretung zulassen.“

So ist es verständlich, dass damals, als Jesus am Sabbat mit den Jüngern durch die erntereifen Felder in Galiläa geht, nicht weiter als eine Sabbatmeile (knapp einen Kilometer), und die Jünger Ähren abreißen, sie ausreiben und die Körner essen - dass da die Pharisäer, die ganz frommen, sich empören. „Deine Jünger ernten und dreschen am Sabbat!“

Seine Antwort ist bibelfest und zugleich provokativ:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn auch Herr über den Sabbat.“

Als Jesus dann auch noch am Sabbat eine gelähmte Hand heilt, was doch sicher Zeit bis zum nächsten Tag gehabt hätte, „da gingen die Pharisäer hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes, wie sie ihn umbrächten.“ so wie es im Gesetz steht. „Er soll des Todes sterben.“

* * * Musik * * *

Nun, vielleicht sagst du: „Ich bin kein Jude, was geht mich das an?“ Versuche es doch einmal - am Sonntag mähst du den Rasen mit einem Benzinmäher, oder baust einer Gartenlaube mit lauten Hammerschlägen, oder treibst eine andere Arbeit, die von den Nachbarn bemerkt wird - es kann durchaus passieren, dass die Polizei erscheint und dich an das Gebot der Sonntagsruhe gemahnt. (Ob die Feiertagsruhe an 1. Mai auch darunter fällt, kannst du heute Nachmittag gleich ausprobieren).

Wenn du zu „frommen Kreisen“ gehörst, dann würde ich dir das Sonntagsexperiment nicht empfehlen. Viele verstehen da keinen Spaß, denn „Du sollst den Feiertag heiligen“ heißt doch das dritte Gebot.

Wo er unrecht hat, da hat auch Martin Luther unrecht. „Sabbat, das heißt doch „ruhen, feiern“, also sagen wir gut Deutsch statt „du sollst den Sabbat heilig halten“, einfach „du sollst den Feiertag heiligen“, und schon gilt das Gebot auch für den Sonntag (und alle andern Feiertage, zumindest die kirchlichen).“ So meinte er wohl. Und weil auch Luther nicht an der Staatskirche vorbeikam, deshalb wurde die Sonntagsruhe zum Gesetz (mit Polizei und so).

Wer die Bibel aufmerksam liest (oder AREF aufmerksam hört, zum Beispiel am Sonntag nach Ostern) der weiß: Sabbat ist der letzte Tag der Woche, Sonntag ist der erste Tag (daran ändert auch der Begriff „Wochenende“ nichts). Und endlich kann unser Thema „christlich“ werden. Liebe Juden, die ihre mithört, jetzt solltet ihr wegschalten oder euch mit Toleranz wappnen.

„Am Rüsttage zum Passa wurde Jesus von Nazareth gehängt“, so steht es im Talmud, es ist der einzige jüdische Text zum Tod Jesu. Das Passafest fiel auf einen Sabbat, die Kreuzigung also auf den Freitag davor. Zur Zeit Jesu, und auch später, gab es den Satz: „Wenn einmal ganz Israel einen Sabbat wirklich konsequent hält, dann kommt gleich der Messias und das Reich Gottes bricht an.“

Nun liegt der im Grab, der sich für den Messias hielt, für den „leidenden Gottesknecht“, der für die Sünden des Volkes und zu seiner Erlösung stirbt. Das ist eine absolute Sabbatsruhe.

Am Tag nach dem Sabbat ist das Grab leer und der Auferstandene begegnet den Jüngern. Er erklärt ihnen, und sie verstehen es, dass dieser Gekreuzigte der Christus, der Messias ist. Der Tag der Auferstehung, der „erste Tag der Woche“, wird für die Christen zum wöchentlichen Feiertag. Zum „Tag des Herrn“ wie er in romanischen Sprachen heißt, zum „Auferstehungstag“ im slawischen Raum.

Ob schon die Judenchristen damals in Jerusalem die Sabbatregelung auf den Sonntag übertragen haben, ist schwer zu entscheiden. Dass eine Staatskirche - und das wurde die christliche Kirche schon nach 300 Jahren - mit einem Sabbat-Sonntag viel leichter das Kirchenvolk beherrschen kann als mit einer Auferstehungsfeier, das leuchtet ein. Und das hatte sich zu Luthers Zeiten schon so fest etabliert, dass er es einfach übernahm, so wie die Kindertaufe, das Sakrament des Abendmahls und die Gottesdienstordnung.

Wir als Freikirche, ohne Bindung zum Staat, sollten das Gesetz der Sonntagsruhe nicht einfach übernehmen, als wäre das Sabbatgebot auch für uns gültig. Selbstverständlich dürfen wir den Sonntag, den Tag des Herrn, die Auferstehung feiern und heiligen, nicht weil es geboten ist sondern weil wir es wollen.

Selbst den 1. Mai dürfen wir ernsthaft feiern; in den Kampf um soziale Gerechtigkeit und für die Rechte der Schwächeren dürfen wir uns durchaus einmischen - das Heil können aber davon nicht erwarten, denn das ist uns geschenkt in Jesus Christus, jedem einzelnen in jeder Klasse, in jedem Beruf, in jedem Volk.

Dr. Hans Frisch

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