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Krankenhauspartnerschaft
Martha-Maria und Chicuque in Mosambik

gesendet am 31.07. bzw. 07.08.2005 von Heiko Müller
 

Krankenhauspartnerschaft zwischen Martha-Maria in Nürnberg und dem Landkrankenhaus von Chicuque in Mosambik

Delegation des Landkrankenhauses Chicuque in Mosambik bei einem Liedvortrag in Nürnberg
Foto: www.martha-maria.de

Das Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg pflegt seit zwei Jahren eine Partnerschaft mit dem Landkrankenhaus Chicuque in Mosambik. Mit dabei waren der Direktor des Partnerkrankenhauses, der dortige Ärztliche Direktor, die Verantwortlichen für Chirurgie, Anästhesie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Radiologie und Labor sowie das deutsche Ärzteehepaar Dr. Ulrike Kirchner und Dr. Dominik Dengel. Für AREF war Heiko Müller dabei.

Direktor Jeremias Franca über seine Erwartungen an seinen Besuch in Deutschland

Als wir hier ankamen, wussten wir zuerst gar nicht, was uns erwarten würde. Außer, dass wir etwas über Deutschland erfahren würden.
Wir kannten ja die Menschen, die wir hier treffen sollten. Aber ich glaube, die Erfahrungen, die wir dann gemacht haben, waren jenseits von allem, was wir uns vorstellen konnten.

Wir wurden sehr herzlich empfangen, und das Programm mit uns war sehr interessant. Wir haben viel historische Stätten besucht und ständig unsere Gastgeber gefragt, ob es in Deutschland überhaupt einen Ort gibt, der keine Geschichte hat, mal so einen richtig schäbigen Platz. Weil wir lauter so gute Orte mit schöner Geschichte gezeigt bekommen haben.

Alles so interessant, dass wir uns gefragt haben, ob es überhaupt andere Stellen gibt, die keine Geschichte vorweisen können und langweilig sind. Aber alles, was wir gesehen haben, ist wunderbar und schön. Das war sehr interessant für die Delegation, die Orte zu sehen, insgesamt eine sehr positive Erfahrung

Landkrankenhaus von Chicuque
in Mosambik, Afrika
Foto: www.emkweltmission.de

Lichtblicke am 07.08.2005

Direktor Jeremias Franca über Geben und Nehmen

Ich glaube, dass diese Reise unsere Partnerschaft verstärken wird. Und das ist ja im Grunde auch die Idee dahinter.
Natürlich wissen wir auch, dass da, wo Freundschaft ist, auch hier und da Unterstützung stattfindet. Und wir denken, dass das auch passieren wird. Ich weiß nicht, in welche Größe die ausfallen wird, aber ich glaube, diese Freundschaft wird für Chicuque eine große Hilfe sein.
Am Anfang standen viele Freiwillige von Martha-Maria, die mitmachen wollten. Das ist alleine schon eine großartige Unterstützung. Und wir hoffen, dass dieses Programm noch Jahre weiter besteht. Und wir denken auch, dass wir versuchen können herauszufinden, was wir von Mosambik aus in die Partnerschaft einbringen können.
Ich glaube schon, dass die Partnerschaft mit unserem Besuch hier wachsen wird. Und auch mit den Teams, die von hier aus wieder nach Mosambik kommen werden. Es wird einen Austausch geben von Erfahrungen und Wissen. Und das Wichtigste ist, dass die Freundschaft zwischen den Krankenhäusern sehr gut anfängt.

Direktor Jeremias Franca über Hightech

Besichtigung des Kreiss-Saals im Krankenhaus Martha-Maria
Foto: www.martha-maria.de

Nun, ich denke, der Besuch im Krankenhaus hier erweitert unsere Vorstellungen, dass wir einmal sehen: es gibt noch viel bessere Technologie. Unsere Diagnosenmöglichkeiten sind sehr einfach. Wir haben nicht die ganzen Maschinen, die dieses Krankenhaus hat. Aber wir haben auch gar nicht die Technik, diese Maschinen am Laufen zu halten. Also ist das gerade im Moment viel zu viel, um überhaupt an so etwas zu denken.

Wir sehen die wirklich grundlegenden Sachen, die wir schon nicht haben, uns aber wünschen würden. Das ist erst einmal unser Fokus. Aber es ist gut für uns zu wissen, dass es alle diese Dinge hier auch gibt, und dass man mit dieser Diagnoseausrüstung viel bessere Möglichkeiten hat, die Krankheiten der Patienten zu untersuchen.

Aber diese Technik ist für uns in Mosambik viel zu hoch. Das können wir uns nicht vorstellen. Ich gebe mal ein Beispiel: Hier ist die Röntgenabteilung sehr kompliziert. Keiner benutzt mehr Filme, alle Systeme sind digital. Wir benutzen noch die Filme und die alten Entwicklungsgeräte und die Dunkelkammer mit den Wasserbecken. In der entwickelten Welt hier gibt es diese Technik fast nicht mehr, aber wir verwenden sie eben noch. Und es wäre eine große Hilfe für uns, wenn wir Unterstützung bekommen, dass sie weiter funktioniert.

Direktor Jeremias Franca über Krankenwagen

Zum Beispiel haben wir hier sehr komplizierte Krankenwagen gesehen. Sogar mit Sanitäter drin. Du kannst fast die komplette medizinische Grundversorgung im Krankenwagen machen. So etwas haben wir nicht. Und das wollen wir auch gar nicht. Für uns wäre schon eine große Hilfe, wenn wir nur das bloße Krankenfahrzeug hätten, weil uns unser Wagen in Mosambik ernste Probleme macht.

Noch ein Beispiel: Um bei uns Blutkonserven zu bekommen, müssen wir in weit entfernte Regionen des Landes fahren. Seit kurzem testen wir die auch noch auf HIV, Hepatitis-B und Syphilis. Und fast alle Test sind positiv. Das verringert natürlich die Blutmenge, die wir kriegen, und zwingt uns, noch weiter rauszufahren und die Leute zum Blutspenden zu mobilisieren. Aber das Problem ist: Wenn wir das Blut dann endlich haben, dann haben wir keine Mittel, es zu konservieren und schnell genug zum Krankenhaus zu schaffen, bevor es verdorben ist. Wenn wir dafür eine Lösung bekommen, wäre das das Beste für uns. Aber es ist natürlich gut zu wissen, dass es hier alles gibt, und wir sind den Leuten hier auch sehr dankbar, dass sie uns das einmal gezeigt haben. Und dass man uns die Gelegenheit gegeben hat, mal zu zeigen, was unsere Bedürfnisse und Probleme sind.

Die Direktoren des Landkrankenhauses Chicuque in Mosambik Foto: www.martha-maria.de

Direktor Jeremias Franca über Probleme und Wünsche

Wenn ich zuerst einmal einen Krankenwagen hätte, wäre ein sehr großes Problem gelöst. Wenn ich dann Unterstützung hätte, die Löhne der Schwestern und die des Küchenpersonals zu zahlen, das für die Patienten kocht und das Krankenhaus putzt, also alle diese grundlegenden Sachen macht - das sind die Projekte mit der Priorität A.

Dann haben wir noch die Bauten wie AIDS-Klinik und Küche, da stehen teilweise schon die Fundamente. - Aber wenn wir zuerst nur den Missstand mit dem Krankenwagen lösen könnten - der macht uns wirklich ernste Sorgen. Und wir müssen die Löhne für die Beschäftigten aufbringen. Das wäre sehr wichtig. Dann erst kommen noch Zahnröntgengerät und -behandlungsstuhl - ja, aber das sind alles Projekte mit der Priorität B.

Ausblick von Direktor Jeremias Franca

Also ich muss sagen, wir haben hier viele gute Dinge gesehen. Sehr schöne Orte und wunderschöne Sachen. An die Zuhörer will ich ausrichten, dass wir sehr dankbar sind. Weil wirklich ganz ehrlich alle, die uns über den Weg gelaufen sind, überaus freundlich und zuvorkommend waren.
Trotz der Schwierigkeiten, die wir hatten, direkt miteinander zu sprechen, ohne Übersetzer. Wir konnten schon aus den Gesichtern lesen, dass diese Menschen froh sind, dass man hier ist. Sie können zwar wegen der Sprachprobleme nicht direkt mit dir sprechen, aber du bist hier willkommen. Wir haben das überall gefühlt, wo wir gewesen sind.

Unseren Dank dafür möchte ich weitergeben. Und wir wünschen uns, dass wir einige von diesen Menschen hier in unserem Land wiedersehen können und sie etwas von unserem Leben erfahren können. Und so hoffen wir auch, dass sich dieser Partnerschaft noch Leute über Martha-Maria hinaus anschließen und wir noch lange Erfahrungen austauschen können.

Das Interview führte Heiko Müller, AREF

mehr:
das deutsche Ärzteehepaar in Mosambik Dr. Ulrike Kirchner und Dr. Dominik Dengel unter www.emkweltmission.de

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