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Jahreslosung 2004
gesendet am 11 . Januar 2004
von Dr. Hans Frisch
 

Jesus Christus spricht: Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen

Markus 13, 31

Kaum jemand zweifelt noch, dass die Welt einen Anfang gehabt hat - Urknall nennen wir das, was die Kosmologie als Urbeginn erforscht hat. Eine der ganz großen Entdeckungen war die von Hubble gefundene Rotverschiebung des Lichtes - aus der die Fluchtgeschwindigkeit der Sterne zu berechnen ist und damit ihre Entfernung; denn je schneller sich eine Galaxie bewegt, desto weiter ist sie vom Zentrum des Urknalls inzwischen entfernt.

So entsteht das Bild eines Universums mit der Ausdehnung von einigen Milliarden Lichtjahren, das immer größer wird. Geringe Abweichungen in den Anfangsbedingungen entscheiden darüber, ob die Ausdehnung unendlich sein wird oder sich umkehrt in einen Kollaps, der am Ende zum Gegenteil des Urknalls wird. Doch die Erde wird diese Entwicklung zum Ende des Kosmos nicht erleben - vorher wird die Sonne sich aufblähen zu einem roten Riesenstern, dessen Größe die ganzen Planetenbahnen einschließt. Kosmologisch müßte die Jahreslosung also umgeschrieben werden: Nicht "Himmel und Erde werden vergehen", sondern "Erde und Himmel werden vergehen" - und daran besteht kein Zweifel.

Als Jesus diese Worte sprach, da dachte niemand an Urknall und an die Entwicklungsphasen von Sternen - doch mit dem Ende der Welt rechneten die meisten, ja, mit dem baldigen Ende! Jesus hat diese Erwartung geteilt und bestätigt, er war Jude und redete zum jüdischen Volk. Man kann die Geschehnisse zur Zeit Jesu, seine Wirkung auf die Menschen und die Folgen seines Lebens und Sterbens nur verstehen vor dem Hintergrund dieser Erwartungen.

Schon der Zustrom der Massen zu Johannes dem Täufer, der den Anbruch des Gottesreiches und damit das Ende der alten Welt verkündete, ist ein Ausdruck dieser Endzeitstimmung. Zu diesem kommenden Gottesreich gehörte aber das Kommen des Messias - Johannes musste der Prophet sein, der dessen Kommen vorbereitet. Auch Jesus hat das so verstanden, und erst als auch er sich von Johannes taufen lässt auf den Anbruch des Gottesreiches, wird ihm seine Sendung durch eine Stimme vom Himmel bestätigt: "Du bist mein lieber Sohn."

Jetzt tritt er öffentlich auf und verkündet: "Das Reich Gottes ist angebrochen, mit mir!" Niemand weiß, was er vorher von sich gehalten hat, aber nun ist er sich seiner Sendung als Erlöser, als Messias sicher - und mit dem Messias ist das Ende des alten Äons, der bisherigen Weltzeit angebrochen. Weil es ganz anders kam, als die Massen sich das messianische Gottesreich vorstellten, deshalb war Jesus zum Schluss allein. Doch auch am Kreuz blieb er sich seiner Sendung gewiss. Dieser Jesus spricht: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."

* * * Musik * * *

Nicht zu den Massen hat Jesus dies gesprochen, was unsere Jahreslosung ist - die Massen waren schon auf Distanz gegangen zu ihm. Nicht einmal vor allen Jüngern - nur vier von ihnen saßen mit ihm auf dem Ölberg, dem Tempel gegenüber - die fragten ihn nach dem Zeitpunkt, wann das alles geschieht. Und Jesus antwortete ausführlich. "Es werden Verführer kommen, die behaupten, sie seien der wiedergekommene Christus. Von Kriegen und Kriegsgeschrei werdet ihr hören, Völker und Königreiche werden gegeneinander kämpfen. Erdbeben und Hungersnöte werden kommen, aber das ist erst der Anfang vom Ende. Man wird euch foltern, Kinder werden ihre Eltern ausliefern und töten, man wird euch hassen um meines Namens willen. Doch harrt aus, dann werdet ihr gerettet. Das Ende wird dann plötzlich und schrecklich hereinbrechen, mit einer Drangsal wie nie zuvor." Und dann kündet er die kosmische Katastrophe an.

"Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Danach wird der Menschensohn kommen mit Kraft und Herrlichkeit und die Erwählten sammeln von den Enden der Erde bis zum Ende des Himmels. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."

Mit dem dringenden Rat zu Wachsamkeit beendet Jesus diese apokalyptische Rede - denn niemand außer Gott kennt Tag und Stunde dieser Ereignisse. Es ist im Markusevangelium die letzte Rede Jesu vor seiner Passion. Natürlich, dass die Jünger sich daran erinnerten als sie nach Ostern begriffen hatten: Er ist tatsächlich der von Gott gesandte Erlöser.

So wurde aus der jüdischen Erwartung des Messias die christliche Erwartung auf die Wiederkunft des Christus, und zwar der baldigen Wiederkunft - hatte Jesus doch gesagt: "Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschieht." Und "dieses Geschlecht" meinte doch sicher "diese Generation". Es waren nicht wenige, die von der frohen Botschaft ergriffen wurden. Es entstand eine Christengemeinde in Jerusalem. Und weil das Ende der Welt und die Wiederkunft Christi ja vor der Tür standen, brauchten sie keine Zukunftssicherung. Begeistert und frohen Mutes teilten sie alles miteinander, Ersparnisse wurden aufgebraucht, Grundstücke und Häuser wurden verkauft und der Erlös der Gemeinschaft übergeben. "Urkommunismus" wird dieses Miteinander im Rückblick verklärend genannt - "Leichtsinn" wäre wohl treffender und immer noch zu milde. Doch, wer zum ersten Mal verliebt ist und nicht unvernünftig wird, der hat wirkliche Liebe nicht erlebt. Und so sehe ich diese Unvernunft als Zeichen einer unbedingten Liebe und eines völligen Vertrauens. Ohne eine solche brennende Begeisterung hätte das Evangelium wohl nicht zu dem geistigen Steppenbrand in der damaligen Welt werden können.

Die Gemeinden, die überall im griechisch-römischen Raum damals entstanden, haben denen in Jerusalem dann auch kräftig geholfen zu überleben. Wieder und wieder in der Geschichte kamen Zeiten der Drangsal, die manchen Christen als Beweis erschien: "Jetzt ist es so weit!"

Aber bis jetzt haben Himmel und Erde noch Bestand. Das Ende des kalten Krieges mit der globalen Bedrohung hat einige Endzeitängste gemildert, doch bleibt ein Unbehagen angesichts der rasanten globalen Veränderungen. Die Worte Jesu sind lebendig geblieben - seine Botschaft ist aktuell und wirksam wie damals.

* * * Musik * * *

Es ist schon eine kühne Aussage: "Meine Worte werden nicht vergehen" von jemandem , der nichts von seinen Worten aufgeschrieben hat - und der weiß, dass er ein paar Tage später am Kreuz sterben wird.

Wir können uns fragen, wessen Worte so lebendig geblieben sind wie die Gleichnisse Jesu, wie die Bergpredigt und wie das Vaterunser. Hat irgendjemand die Menschheitsgeschichte so beeinflusst mit seinen Worten wie Jesus (leider auch durch den Missbrauch seiner Worte)?

Doch das konnte er dort auf dem Ölberg allenfalls ahnen. Wessen er absolut sicher war, das sind Worte wie: "Wer mich sieht, der sieht den Vater" - "Ich und der Vater sind eins" - "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich". Er war auf dem Weg, diese Wahrheit zu besiegeln durch seinen Tod am Kreuz.

"So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" - so hatte er zu Beginn seines öffentlichen Auftretens zu dem Ratsherrn Nikodemus gesagt, jetzt wollte er, der eingeborene Sohn Gottes sich hingeben - und er war gewiss, dass damit das Endgültige geschieht zum Heil und für die Ewigkeit. Johannes hat das im Rückblick auf den Nenner gebracht: "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit."

Dass Erde und Himmel vergehen werden, ist gewiss - mit Sicherheit wird kein Mensch erleben, wie die Sonne zum Roten Riesen wird und die Planeten im Feuerball einschmelzen. Todsicher wird jeder von uns eines Tages den Himmel und die Erde nicht mehr sehen.

"Eschatologie" heißt die Lehre von den letzten Dingen, dem Ende von allem. Die "universale Eschatologie", das Ende des Universums, bietet interessante Theorien - die "individuelle Eschatologie" ergreift uns direkt - mit Zweifeln, Angst, Trauer.

Wenn Jesus Recht hatte mit seinem Wissen: "Meine Worte werden nicht vergehen", dann kann unser Ende für uns bedeuten: Hoffnung, Zuversicht, Freude - und nicht erst unser Ende, unser ganzes Leben kann davon erfüllt werden - wenn Jesus sich nicht geirrt hat in seiner Gewissheit. Er hat sie besiegelt mit seinem Tod, Gott hat sie bestätigt und besiegelt mit der Auferweckung.

Sehr viele Menschen haben erlebt, dass Jesus sich nicht geirrt hat, auch ich bezeuge es mit Freuden. "Himmel und Erde werden vergehen, aber Jesu Worte werden nicht vergehen."

Dr. Hans Frisch

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