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Maria Magdalena erzählt
gesendet am 24.03.2002 von Susanne Bader
 

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"Schalom! Ich bin die Maria aus Magdala - ihr habt sicher schon von mir gehört.

Ich will euch meinen Lebenstraum erzählen. Ihr habt bestimmt auch Träume. Als Kinder wollen wir alle Lokführer werden oder Stewardess, berühmte Schauspieler oder Sänger...

Welche Träume habt ihr für euer Leben ?
Wie viele sind davon in Erfüllung gegangen ?
Wie viele sind geplatzt ?
Seid ihr auch so schwer damit fertig geworden wie ich?

Mein Traum begann an dem Tag, als ich ihm begegnete, diesem Wanderprediger Jesus von Nazareth, der die neue Sekte gegründet hat. Mir ging es nämlich viele Jahre schon ganz mies. Jede Nacht hatte ich schlechte Träume, war auch tagsüber nicht gut drauf, hatte ständig diese furchtbaren finsteren Gedanken. Manchmal habe ich die Fäuste genommen und vor Wut gegen Türen und Wände getrommelt, aber ich bin sie nicht los geworden.

Im Dorf haben schon alle behauptet, ich wäre von Dämonen besessen. Ich habe mich ja kaum noch aus dem Haus getraut.

An dem Tag jedenfalls, als Jesus vorbei kam, hat mich irgendwas doch vor die Tür getrieben.
Vielleicht wars die Neugier - oder doch mehr die Hoffnung, denke ich, trieb mich zu ihm hin.
Da stand er. Umringt von weiß-ich-nicht-wie-vielen Menschen. Und er hat mich angeschaut. Er blickte in mein Innerstes, als wüsste er alles über mich. Eine einzige Berührung von ihm hat ge-reicht. Die finsteren Gedanken von mir waren verschwunden. Mit einem Schlag. Wieder gesund !

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für mich bedeutete! Endlich wieder aus dem Haus gehen können und am Alltag draußen teilnehmen. Mein Leben führen. Wie lange hatte ich mich danach gesehnt - doch mit einem Mal bedeutete mir das gar nichts mehr.

Es war wie so ein Wendepunkt, du drehst plötzlich um und machst ganz 'was anderes, was du dir vorher nie vorstellen konntest.

 

2

Ich schloss mich damals diesem Wanderprediger Jesus und seinen Leuten an. Da waren auch ein paar Frauen dabei in seiner Gefolgschaft. War eine schöne Zeit. Wir sind vielen Menschen begegnet, und ich habe die nächtelangen Gespräche mit Jesus so genossen. Seine Liebe, die er ausstrahlte und mit der er uns alle angesteckt hat.

Mein Traum war perfekt: Er war der Verheißene, von dem ich als Kind immer erzählt bekam, wenn mein Vater vom Messias sprach. Und jetzt durfte ich täglich mit ihm sein ! Wahnsinn.

Ich habe gleich alles aufgegeben und bin mit ihm umhergezogen. Hab mein ganzes Geld eingesetzt, dass wir mal etwas Ordentliches für ihn zum Anziehen kaufen konnten.

Mit Judas war ich da nicht immer einer Meinung. Es war sowieso schwierig als Frau in diesem Männerverein. Zu meiner Zeit galten Frauen doch nichts in der Gesellschaft. Ich war nur froh, dass noch andere Frauen dabei waren. Johanna und Susanna zum Beispiel.

Doch ohne Jesus wäre das nichts gewesen. Für den musste ich nicht erst etwas darstellen oder aus gutem Hause kommen. So ernst genommen wurde ich vorher noch von keinem anderen Menschen. Mein Traum wuchs und wuchs: Das war der Messias.

Und die ganzen Kranken, die er geheilt hat. Ihr hättet den Bartimäus erleben sollen, wie der sich gefreut hat, als er wieder sehen konnte. Und seinen Freund Lazarus hat er aus dem Grab kommen lassen.
Jesus musste der König sein, auf den wir alle warteten. Und der endlich mal Schluss macht mit der Bedrohung durch Herodes und die Römer und sein Frie-densreich aufrichtet.

Ich war gespannt, wie er das machen würde.

 

3

Ich glaube, ich war eine der Lautesten, als mein Herr in Jerusalem einzog. Alle haben gejubelt und Hosianna gerufen und den Weg gestreut mit Palmzweigen. Die ganze Stadt war aus dem Häuschen. Jeder hat gesehen, das ist der neue König. Ich sah ihn schon vor mir auf dem Thron sitzen mit goldener Krone und ich im Kreise seiner engsten Vertrauten.

Ein bisschen unkonventionell war der Einzug nach Jerusalem schon, denn Jesus ritt auf einem Esel in die Stadt. Das hat aber niemanden gestört. Er hat ja schon vorher viele Dinge getan, die sich nicht gehören. Hat mit den Zöllnern am Tisch gesessen, hat die Aussätzigen berührt und hat sich immer wieder angelegt mit den höchsten Würdenträgern unter den Juden.

Und die haben ihn kurz nach seinem triumphalen Einzug einfach verhaftet. Mein Traum brach zusammen. Er, der unser Retter sein sollte, mit einem Male eingesperrt und zum Tode verurteilt.

Im Nachhinein erinnerten wir uns, dass er ja immer davon gesprochen hatte, dass das passieren wird. Aber damals wollte das keiner hören und wir haben es gar nicht richtig verstanden. Als er im Gefängnis saß, hoffte ich noch immer, dass irgendjemand diesen schrecklichen Irrtum aufklären würde.

Doch keiner hat sich für Jesus eingesetzt. Er musste ans Kreuz - öffentlich zum Spott aufgehängt werden. Keine Hosiannarufe mehr. So traurig und verzweifelt war ich noch nie in meinem Leben.
Statt der goldenen Königskrone hatten ihm die Folterknechte einen Dornen-kranz in die Kopfhaut gespießt. Hatten ihn angespuckt und den Rücken blutig gepeitscht. Er konnte den dicken Quer-balken kaum noch schleppen, an dem er aufgehängt werden sollte. Es war furchtbar. Doch ich ging den Weg zum Kreuz mit ihm, hätte am lieb-sten den Römern ins Gesicht gespuckt vor Wut.

Und obwohl er jetzt wieder fort war, ließ er etwas von sich in mir zurück. Er hat mir viel Kraft zum Leben dagelassen, Freude und Frieden. Alle Überzeugung, die Kraft, die Zeit und das Geld, das ich in meinen Traum gesteckt habe, waren für mich letztendlich doch nicht umsonst gewesen.

Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat auch keine Kraft zum Kämpfen. Und ich habe geträumt und gekämpft. Das hat mein Leben verändert. Ohne diesen Traum würde ich jetzt nicht voller Freude von ihm erzählen können.

Seine Kraft und Liebe, die er mir dagelassen hat, reichen auch für andere. So möchte ich euch Mut machen zu träumen und zu kämpfen. Auch wenn sich die Träume nicht genau so erfüllen, sie werden euer Leben reicher machen, mutiger und erfahrener. Es lohnt sich zu träumen ! Eure Maria."

Susanne Bader, AREF

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