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Johannes der Täufer
gesendet am 30. Juni 2002 von Dr. Hans Frisch
 

An keinem Ereignis der Weltgeschichte dürften so viele Menschen gleichzeitig Anteil gehabt haben wie an dem, was in ca. 100 Minuten beginnt.

Nicht nur, weil die weltweite Übertragung seit der letzten Fußballweltmeisterschaft sich enorm verbessert hat, auch, und vor allem, weil die Spiele im fernen Asien dort das Interesse am Fußball in großen Volksmassen jetzt erst richtig geweckt haben.

Keine Angst, wir wollen uns nicht mit unseren sehr bescheidenen Möglichkeiten auch noch in das große Medienereignis einklinken - es soll nur ein Einstieg in das heutige Thema sein.

Es geht auch nicht um eine Mannschaft, sondern um einen Einzelkämpfer. Der hatte vor 2000 Jahren Geburtstag, nach dem Kirchenkalender am letzten Montag, den 24. Juni.

Matthäus Kapitel 3 Vers 1
Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa und sprach:
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen !
Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan
und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

So berichtet das Neue Testament von dem Auftreten dieses Wüstenpredigers dort im Jordangraben und von dem Massenzulauf. Mit Yokohama ist das zwar quantitativ nicht zu vergleichen, aber wer wird in 2000 Jahren noch wissen, wie das Spiel heute ausgegangen ist ?

Wenn Kahnīs Prophezeiung eintrifft und Deutschland den Titel gewinnt, dann werden überdurchschnittlich viele Jungen demnächst den schönen Vornamen "Oliver" bekommen, aber kein Vergleich zu den vielen Johannes, Jan, Hans, Iwan, Jean und Jonny, und anderen Johannes -Varianten durch die Jahrhunderte.

Nun haben meine Eltern wohl nicht an dem Täufer Johannes gedacht, als sie mich Hans nannten - mich freut es aber, daß ich auch über den Namen zu ihm Beziehung habe.

Jesus sagte von ihm: "Er ist der größte, der von einer Frau geboren wurde".

Wir wollen uns heute einmal etwas mit ihm befassen.

Musik

"Warum Johanni am 24. Juni?" wird mancher fragen. Der Termin ergab sich, als Weihnachten auf den 24. Dezember festgelegt wurde. Der Engel hatte damals, als er der Maria das Kind Jesus verheißen hatte, gesagt, das ihre Verwandte Elisabeth auch schwanger ist, schon im sechsten Monat "und das in ihrem Alter". Wenn Jesus also am 24. Dezember Geburtstag hatte, dann Johannes ein halbes Jahr früher, am 24. Juni. Und weil Weihnachten bei der Wintersonnenwende liegt, ist Johanni, ein halbes Jahr früher, nahe der Sommer-Sonnenwende.

Es wird Zeit, daß wir näher hinschauen! Vielleicht bekommen wir eine Ahnung, warum Jesus seinen etwas älteren Verwandten so hoch einschätzte. Wir müssen dazu an den Anfang des neuen Testaments gehen Und noch etwas weiter.

Das Altes Testament schließt mit dem Propheten Maleachi - und dessen Schluß lautet:

Maleachi Kapitel 3 Vers 24
Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.
Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage.

Der Prophet Elia soll erscheinen, ehe das Reich Gottes anbricht, er soll das Volk auf diesen großen Tag vorbereiten. Elia, das war der große Prophet, der in einer kritischen Zeit den Glauben in Israel bewahrt und gerettet hatte. Gott hatte ihn in einem feurigen Wagen zu sich geholt, das war dort im Jordantal, wo Johannes später taufte.

Auf die Ankunft des Elia warteten damals die Juden (und sie warten heute noch darauf). Weil dann der Messias, der Retter kommen würde.

Ein halbes Jahr bevor der Engel Gabriel zu Maria in Nazaret kam mit seiner Botschaft, war er schon einmal als Bote in Jerusalem, im Tempel. Dort tat Zacharias, ein Priester aus einem Ort in der Nähe von Jerusalem seinen Dienst. Das Los hatte ihn bestimmt zum Rauchopfer. das war eine besondere Handlung, direkt vor dem Allerheiligsten, in das nur der Hohepriester durfte, einmal im Jahr.

Zacharias war nicht mit mehr der jüngste und auch seine Frau Elisabeth war schon so alt, dass sie die Hoffnung auf ein Kind aufgegeben hatte.

Dort ins Heiligtum dürfte Zacharias seinen Herzenswunsch nach einem Sohn mitgenommen haben - und da stand plötzlich der Engel und sprach ihn an:

Lukas Kapitel 1 Vers 13
Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.
Denn er wird groß sein vor dem Herrn; und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem heiligen Geist. Er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern.

Die Verheißung, mit der das Alte Testament endet - mit der beginnt das neue Testament. Vielleicht hat Zacharias gar nicht bemerkt, was der Engel da verheißen hatte - doch als er den Namen hört, den sein Sohn tragen soll, da verschlägt es ihm die Sprache: "Du sollst ihn Johannes nennen."

Er bleibt stumm, bis der Sohn wirklich geboren ist und er, sehr zur Verwunderung der Familie, auf eine Tafel geschrieben hat: "Er heißt Johannes" - ein Name, der nicht in die Familien-Tradition gehört.

Da wird nichts erklärt im Lukasevangelium, nach der Musik wollen wir versuchen, ob wir da etwas deuten können.

Musik

Johannes, Jan, Hans, Iwan, - es gibt viele Formen des einen Namens - so auch damals schon. Eine der Formen war "Onias" - ein Name mit Geschichte. 170 Jahre zuvor war ein Onias Hoher Priester in Jerusalem, es war zur Zeit der griechischen Besetzung. Dieser Onias hatte einen jüngeren Bruder, der hätte gern das Amt des Hohen Priesters gehabt - sicher nicht, weil er so fromm war. Er ließ es sich etwas kosten - 600 Zentner Silber für den griechischen Herrscher, und bekam das Amt. Bald hatte ein anderer es ihm wieder abgejagt, der ließ Onias ermorden. Seitdem wechselten die illegitimen Priester im Tempel von Jerusalem, oft in schneller Folge.

Der Sohn des letzten legitimen Hohen Priesters hieß auch Onias - der floh nach Ägypten. Dort gründete er auf einer Nilinsel einen jüdischen Tempel in dem noch zu Jesu Zeiten der Opferdienst von den Nachkommen des Onias durchgeführt wurde. Ein Ärgernis für die Priesterschaft in Jerusalem.

"Johannes sollst du ihn nennen", hatte der Engel gesagt. Johannes, Onias, wie der letzte legitime Priester geheißen hatte. Das mußten seine Mitpriester, besonders der Hohe Priester als Provokation empfinden - und die Angst davor konnte einem schon die Sprache verschlagen. Erst als er sich schriftlich festgelegt hatte, konnte er wieder sprechen.

Das ist Fantasie, aber sie erklärt, warum Zacharias seinen langersehnten Sohn "in der Wüste" aufwachsen läßt. Dort in der Wüste am Toten Meer war eine Art Kloster, Qumran. Da lebte eine ganz fromme Gemeinschaft die sich von dem illegitimen Tempeldienst in Jerusalem distanziert hatte. Die nahmen Kinder auf, und es ist wahrscheinlich, dass Johannes dort "in der Wüste" aufwuchs.

Wenn Jesus und Johannes verwandt waren, ist anzunehmen, dass sich kannten. Vielleicht war Johannes der einzige Mensch, mit dem Jesus in seiner Jugend über die Sendung sprach, zu der er sich berufen wusste. Das würde erklären, warum Johannes nicht nur von der akuten Messiaserwartung der Gemeinde in Qumran angesteckt wurde, sondern ein Bußprediger war, der den unmittelbaren Anbruch des Gottesreiches verkündete - denn er kannte den, der kommen sollte, ja, der schon gekommen war. Daher seine Sicherheit und daher seine Vollmacht - die Siegesverheißungen eines Oliver Kahn sind dagegen absolut schwach.

"Ganz Jerusalem und das ganze Land kamen zu Johannes und ließen sich taufen", dass ist sicher übertrieben, so wie: "Die ganze Welt sieht das Endspiel Brasilien Deutschland" übertrieben wäre. Aber viele waren es schon die damals an den Jordan kamen. Und unter denen ist eines Tages Jesus.

Musik

Unter den vielen die an den Jordan kommen, da ist eines Tages Jesus, der, dessen Ankunft Johannes eigentlich meint mit seiner Predigt. Er steht unter denen, welche die Taufe begehren. Johannes ist irritiert: "Taufe du mich!" - ist seine spontane Reaktion. Aber Jesus bleibt bei seinem Entschluss. So wird Jesus getauft von dem, der seine Ankunft als Messias verkündet, und damit beginnt Jesus seinen öffentlichen Auftritt.

"Sehet, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünden trägt" - so bezeugt er sein Wissen von Jesus.

Auf seinem gewaltigen Bild von der Kreuzigung am Isenheimer Altar, da hatte Matthias Grünewald Johannes den Täufer gemalt - auf der anderen Seite Johannes den Jünger mit Maria der Mutter - und unten am Kreuz Maria Magdalena in ihrem Jammer.

Groß steht der Täufer da, mit überstrecktem Zeigefinger weist er auf den Gekreuzigten, und als Symbol steht dabei das blutende Lamm. "Er muss wachsen, ich aber muß abnehmen " - so hatte Johannes bezeugt, und das hat der Maler über ihn ins Bild geschrieben.

Dem Täufer damals ist es erspart geblieben, das Ende von Jesus mit zu erleben. Er starb, als Jesus mit seinem öffentlichen Wirken anfing.

Mit dem Mut und der Kraft eines alttestamentlichen Propheten hatte er dem König die Sündhaftigkeit seiner Ehe mit der Frau des Bruders vorgehalten - und kam dafür ins Gefängnis. Raffiniert brachte die Frau den König dazu, den unliebsamen Ankläger und Mahner zu beseitigen: Salome, ihre hübsche Tochter, die sie in Ehe mitgebracht hatte, verdrehte dem Stiefvater mit einem erotischen Schleiertanz so den Kopf, dass er ein Blankoversprechen gab: "Wünsch dir was du willst, bis zur Hälfte meines Königreichs". Und sie sprach den Wunsch ihrer Mutter aus: "Das Haupt von Johannes, auf eine Silberschale" - wahrlich ein Stoff für eine Oper.

Die Jüngerschar des Johannes führte seine Bußpredigt und seine Taufe noch einige Zeit weiter - doch nach dem Kreuzestod Jesu und seiner Auferstehung wuchs die Kirche Christi mit der Taufe der Erlösung und die Taufe des Johannes zur Buße nahm ab.

Es war nicht das Reich Gottes, wie es die Jünger erwartet hatten, das mit Jesus gekommen war. Auch Johannes hatte gezweifelt, als das ausblieb, was er erwartet hatte. Aus dem Gefängnis ließ er Jesus fragen:

Matthäus Kapitel 11 Vers 3
Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
Jesus läßt ihm antworten: Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Das war offensichtlich nicht ganz selbstverständlich, sich nicht an Jesus zu ärgern. Johannes war der letzte und der größte Prophet, er war der, den Maleachi verheißen hatte - so äußerte sich Jesus danach zu seinen Jüngern und zu dem Volk um ihn.

Matthäus Kapitel 11 Vers 15
Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer. Der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.
Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes; und wenn ihr's annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

Das ist ein gutes Schlußwort für einen Radiobeitrag: Wer Ohren hat der höre.

Vielleicht haben wir eine Ahnung bekommen von der Größe dieses Johannes, der mit einen einmaligen Auftrag in eine einmalige geschichtliche Situation kam - als ein Bußprediger, der Massen in Bewegung setzte und zur Umkehr bewegte, als ein Prophet, der die Ankunft zu verkünden hatte von dem, den alle Propheten bisher verheißen hatten, als Täufer, der diesen Jesus taufte im Jordan, als tapferer Mann, dessen mutiges Eintreten für die Wahrheit ihm das Leben kostete.

Für vier Jahre wird der Sieger von heute als der Größte gelten, dann werden wir im Nürnberger Stadion teilhaben können an der nächsten WM.

Für alle Zeiten wird aber richtig bleiben, was Jesus über Johannes gesagt hatte:

Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer.

Dr. Hans Frisch 

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