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Islam
gesendet am 28.10.2001 von Hans Frisch
 

Es könnte ja sein, daß einige Zuhörer dabei waren, als wir in der Sendung nach dem Terroranschlag vom 11. September versuchten, auf einer Phantasiespur den Weg eines freundlichen, intelligenten, hilfsbereiten, stets lächelnden Hamburger Studenten der Stadtplanung zum Selbstmordattentat am Steuerknüppel eines Verkehrsflugzeugs zu folgen. Das aufgetauchte Testament von Atta, die weiteren Informationen, die Stellungnahmen von Kennern zeigen, daß diese Fantasiespur gar nicht so weit von der wahrscheinlichen Wirklichkeit entfernt war.

"Um den Hintergrund etwas besser zu verstehen, müßte man den Koran kennen" - so dachte ich - und habe mir diese "Bibel" des Islam aus dem Internet heruntergeladen. Vers für Vers bin ich die 114 Suren am Bildschirm durchgegangen - und habe die für mich wichtigen Verse herauskopiert. Es wurde eine phantastische Entdeckungsreise.

So könnte es jemand gehen, der voller Vorurteile gegen das Christentum ist - er kennt ja etwas von der Kirchengeschichte mit Inquisition, Wissenschaftsfeindlichkeit, verklemmter Sexualmoral und manches andere - wenn so jemand zum ersten Mal das Evangelium wirklich liest. Nun teile ich zwar die in manchen christlichen Kreisen herrschenden Vorurteile gegen den Islam nicht, ich kannte sogar einzelne Zitate aus dem Koran, die Hochachtung gegenüber Jesus und Maria ausdrücken, doch hatte ich es noch nie geschafft, den Koran ernsthaft zu lesen.

Keine Angst, das soll jetzt nicht eine Koranlesung werden, auch keine Vorlesung über den Islam, noch weniger eine Missionsstunde für diese Religion - aber, wenn man die Vorurteile, die Missverständnisse, die Verdrehungen und bösen Verleumdungen hört und liest, die von Christen gegenüber dem Koran und dem Islam vorgebracht werden, dann ist der Versuch einer Klärung dringend angezeigt. Alle Zuhörer, die genau Bescheid wissen, bitte ich abzuschalten oder weg zu hören - zumindest um Nachsicht möchte ich sie bitten bei meinem recht subjektiven und laienhaften Versuch, zum Verständnis beizutragen.

Die Geschichte des Islam beginnt "um 610 n.Chr.",
die Geschichte im Koran beginnt vor 4.000 Jahren mit Abraham

Die Geschichte des Islam beginnt - "um 610 nach Christi" wird mancher meinen, "als Mohammed seine ersten Offenbarungen von Gott erhielt" - sie begann vor 4.000 Jahren, als Abraham den einen Gott entdeckte, oder richtiger, als Gott sich Abraham offenbarte. ABRAHAM war der erste Muslim - so steht es im Koran.

Damit ist schon ein erstes Missverständnis beantwortet: "Wer ist Allah?" "Allah ist ein Götze" tönt es aus mancher christlichen Veröffentlichung.
"Allah ist der Gott Abrahams Isaaks und Jakobs sagt die Bibel und sagt der Koran". "Und der Gott Ismaels" - höre ich den Einwand. Ja, aber das sagt die Bibel ja auch - denn auch der Sohn der Magd hat eine Verheißung Gottes.

Wer da jetzt nicht mitkommt, der sollte noch mal im ersten Buch Mose die Abrahamsgeschichte lesen. Da wird erzählt, wie Abraham, als Sarah jenseits der Wechseljahre nicht mehr mit Nachwuchs rechnen konnte, sich mit Hagar, der leibeigenen Magd einen Sohn anschaffte, den Ismael. Als dann, gegen alles Erwarten, Sarah den Isaak bekam, da war der Streit um das Erstgeburtsrecht natürlich programmiert. Ismael gilt als Stammvater der Araber wie Isaak als Stammvater der Juden - und es ist schwer, in den heutigen Konflikten nicht an in diesen Erbstreit zu denken.

MUSIK

Erst mit dem Islam bekommen die Araber ihre Geschichte

Die Geschichte der Juden ist allgemein bekannt, die Geschichte der Araber liegt ziemlich im Dunkel - erst mit dem Aufkommen des Islam tritt sie ins Licht. Das ist in doppelter Hinsicht zutreffend.

Im Dunkel des historischen Bewusstseins liegen die Entwicklungen der arabischen Stämme, die Jahrtausende lang auf der arabischen Halbinsel lebten - zunächst in den fruchtbaren Randgebieten, danach, mit der Zähmung des Kamels als Nomaden in den Weiten der Wüstengebiete. Auch im geistigen Dunkel blieben diese Stämme - sie hatten keinen Anteil an der religiös geistigen Entwicklung in der jüdisch-christlichen Welt des Abendlandes. Es ist nicht sicher, wann, aber sehr spät spielte die schriftliche Kultur eine Rolle in einem System von lose verbundenen oder zeitweise verfeindeten Stämmen, zwischen denen der Tauschhandel die Regel war und deren religiöse Ideen und Bräuche nur wenig Übereinstimmendes hatten. Es gab zentrale Heiligtümer, alte Bäume, ein roter Stein, ein weisser Stein und der schwarze Meteorstein in Mekka - aber der an diesen Orten geltende Religionsfriede war begrenzt und befristet.

Es gab auch einen höchsten Gott - "al illah" - daneben aber über 300 Götzen, zum größten Teil mit astrologischer Bedeutung. Umgeben war das Gebiet dieser Stämme von den kultivierten Randgebieten - und hier gewannen christliche Strömungen Raum: Im Jemen vom afrikanischen Abessinien aus die Monophysiten, von Persien aus die Nestorianer, vom byzantinischen Syrien aus die Katholiken und dazu noch reichlich Juden. Doch das arabische Zentrum blieb davon weitgehend unberührt. Auf den Handelswegen durch die Wüste fiel etwas von dem Reichtum der umgebenden Welt für die Wüstenstämme ab, als Schutzgeld oder als Beute bei einer "Razzia", dem Überfall auf eine Karawane oder eine Siedlung.

Mohammed kommt in Mekka zur Welt

An der Kreuzung der Nord-Süd Route und der West-Ost Route hatte sich bei dem Heiligtum der Kaaba mit seinem ergiebigen Brunnen eine reiche Stadt entwickelt - Mekka. Der Stamm Kureisch hatte sich hier durchgesetzt und sorgte für Ordnung und Ruhe, was dem einträglichen Zustrom von Pilgern und dem gewinnbringenden Durchzug von Karawanen dienlich war. In dieser Stadt wird um 570 Mohammed geboren, sein Vater stirbt kurz vor seiner Geburt. Als er sechs Jahre ist, stirbt auch seine Mutter und zwei Jahre später sein Großvater. Sein Onkel nimmt ihn auf und ist ihm wie ein Vater.

Bald begleitet der Junge als Helfer Karawanen bis nach Syrien später wird er ein erfolgreicher Karawanenführer. Auch im Mekka gab es Juden und Christen - doch dürfte er auf seinen Karawanenreisen ins tiefere Gespräch mit diesen "Schriftbesitzern" gekommen sein. Die Überlieferung erzählt, dass ein Mönch in Syrien ihn als Propheten erkannt habe - doch von diesem Amt wusste Mohammed noch nichts. Mit 25 heiratet er eine reiche Witwe und gründet eine Familie, und hat für 15 Jahre ein gutes ruhiges Leben.

Da kommt es über ihn. Er geht einsam in die Berge und meditiert in einer Höhle. Dort packt ihn der Engel Gabriel, betet ihm Worte vor, die er rezitieren soll und nie vergessen darf - "Trage vor im Namen Deines Herrn!" - ist der Befehl - und der Engel erwürgt ihn fast, als er nicht reagiert. Mohamed gibt nach, zunächst nur im Familienkreis, wo er Zustimmung findet. Dann öffentlich in Mekka, wo er verspottet wird, abgelehnt und von den Mächtigen angefeindet.

Als seine geliebte Frau und sein väterlicher Onkel sterben, beide in einem Jahr, da verliert er den Rückhalt der einflußreichen Sippe. Im 300 km nördlich gelegenen Medina, dort findet er Anklang und Anhänger. Dieses große Oasengebiet teilten sich zwei arabische Sippen, das heißt, sie stritten und kämpften seit Generationen darum. Hineingezogen in den Streit wurden drei jüdische Stämme die auch dort lebten. Hier erwies sich die größere Einheit in der neuen monotheistischen Religion als einigendes Band.

622 zog Mohammed nach Medina und dort wurde er zunehmend Schiedsrichter und Friedensstifter, schließlich Leiter einer neuen Gemeinschaft. In diesem Gebiet, das endlich eine wirkliche Stadt werden konnte - die schließlich sogar dem Angriff der Mekkaner widerstand. 630 zog Mohammed mit den Seinen siegreich in Mekka ein, und machte es mit dem Heiligtum der Kaaba zum Mittelpunkt des sehr schnell wachsenden islamischen Reiches.

MUSIK

Was steht im Koran ? - Mohammeds Offenbarungen

Es ist Zeit von den Offenbarungen und zu reden, die Mohamed gegeben wurden - denn diese sind Grund und Inhalt des muslimischen Glaubens. Im Gegensatz zur Bibel, in der viele Geschichten, viele Autoren, eine Reihe von Propheten, die Evangelien und die Briefe im Neuen Testament vorliegen, ist der Koran das Reden des einen Gottes zu dem einen Propheten.

Nun war dieser Prophet nicht ein unbeschriebenes weißes Blatt - er hatte Kenntnis des Alten Testaments und der Evangelien, wahrscheinlich durch Erzählungen und Gespräche mit Juden und Christen. Diese Inhalte werden ihm neu offenbart - so unmittelbar persönlich, dass sie für ihn absolute Wahrheit sind. Er sieht sich in der Reihe der Propheten Gottes von Abraham, Ismael Isaak Jakob über Mose und Jesus - und so finden sich im Koran die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte Abrahams, die Befreiung der Kinder Israel aus der Sklaverei in Ägypten und der Zug durch die Wüste, die Gesetzgebung am Sinai und es wird berichtet, wie Gott durch seinen Geist, durch sein Wort, die Jungfrau Maria zur Mutter Jesu macht, wie Jesus, schon von der Wiege an (wie es auch in apokryphen Evangelien erzählt wird) Wunder vollbringt, - "Mit meiner Erlaubnis hast du Blinde und Aussätzige geheilt und Tote auferweckt" sagt Allah.

ALLAH hat Jesus das Evangelium gegeben - es ist die Richtigstellung der von den Juden inzwischen verfälschten Gottesoffenbarung. Das alles ist nicht Meinung Mohammeds - im ganzen Koran findet sich keine persönliche Aussage des Propheten. Es ist Gottes Offenbarung. Argumente gegen andere Meinungen oder gegen andere Aussagen legt Allah dem Propheten und den Gläubigen in den Mund: "Sagt!"

So zum Beispiel "Sagt: 'Wir glauben an Gott und (an das), was (als Offenbarung) zu uns, und was zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen (Israels) herabgesandt worden ist, und was Mose und Jesus und die Propheten von ihrem Herrn erhalten haben, ohne dass wir bei einem von ihnen (den anderen gegenüber) einen Unterschied machen. Ihm sind wir ergeben.' Und wenn sie an das gleiche glauben wie ihr, sind sie rechtgeleitet. Wenn sie sich aber abwenden, sind sie eben in der Opposition. (Sure 2. Die Kuh Vers 136)

Bibel im Blick der Moslems

So sehr war Mohammed von der Übereinstimmung der ihm gegebenen Offenbarung mit der früheren Offenbarung Gottes überzeugt, dass er fest damit rechnete, dass Juden und Christen ihm zustimmen würden. Die Unterschiede zwischen seinen Offenbarungen und der Bibel sah er als Verfälschungen der wahren Offenbarung an, die schon durch das an Jesus übergebene Evangelium und letztgültig durch die Offenbarung des Koran korrigiert wurden.

Im Koran ist diese Offenbarung einfach, schön und überzeugend: "Allah ist der eine Gott, er will das die Menschen an ihn glauben und sich in Hingabe seinem Willen unterwerfen im Gebet, in guten Taten, in Gehorsam. Solche Gläubige nimmt Allah ins Paradies auf." Die Ungläubigen kommen in die Hölle - und die wird noch bunter geschildert als das Paradies.

Die Entscheidung fällt beim Jüngsten Gericht. Solange der Mensch lebt, hat er die Chance zu Allah zu kommen, denn ER ist der Barmherzige und der Vergebende.
Sicher, es kommen noch Ausführungsbestimmungen dazu, besonders, als in Medina gesellschaftlich-politisch-militärische Probleme zu lösen waren.
Erbschaftsregelungen, Ehefragen, rituelle Bräuche und Gebote, Auseinandersetzung mit den Ungläubigen und mit Feinden und vieles mehr war da zu klären - und schließlich war der Koran zu einem Regel- und Gesetzeswerk gewachsen, dass eine weltumspannende Glaubensgemeinschaft zu einer Einheit bringt. Aber jede Aussage beginnt oder endet mit dem "Namen Allahs, des Barmherzigen und Gnädigen" - in den 114 Suren 141 mal. Das Wort "barmherzig" kommt im Koran doppelt so oft vor wie in der Bibel und von "Vergebung" und "vergeben" wird im Koran 216 mal, in der Bibel 140 mal geredet.

Die Unterschiede - Was im Koran im Gegensatz zur Bibel nicht vorkommt

Was im Koran nicht vorkommt ist die Offenbarung Gottes in der und durch die Geschichte seines Volkes, ist die Realisierung, die Fleischwerdung SEINER Gnade im Leben, Leiden und Sterben von Jesus Christus, ist die Bestätigung der Erlösung durch die Auferstehung Jesu. "Ich stehe Jesus, dem Sohn der Maria, am nächsten, sowohl im Diesseits als auch im Jenseits" - dieser Spruch ist vom Propheten Mohammed überliefert. Nach den Aussagen des Koran ist dieser Jesus, Sohn der Jungfrau Maria durch Gottes Geist und Gottes Wort, er ist nicht von den Juden gekreuzigt worden. Allah hat ihn zu sich erhoben. Wer an ihn glaubt, das heißt, seinem Evangelium folgt, wird großen Lohn bekommen. Im jüngsten Gericht wird Jesus als Zeuge auftreten gegen die Ungläubigen unter den Juden und unter den Christen.

Die Verheißung für Ismael und seine Nachkommen

Aber, von dieser Vision des Endes noch einmal zurück zum Anfang. Abraham hatte Gott, den einen Gott, entdeckt und die Magd Hagar, von ihm schwanger, bekommt eine Verheißung dieses Gottes: "Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. Dein Sohn wird ein wilder Mensch sein, seine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn, und er wird wohnen all seinen Brüdern zum Trotz."

ISMAEL "Gott hört" nannte Abraham diesen Sohn - Er ist der Stammvater der Araber.
Mir persönlich scheint es so, als hätte Gott sich schließlich an seine Verheißung erinnert, als er sich in arabischer Sprache dem Mohammed offenbarte als der EINE, barmherzige und gnädige Gott, und damit aus einer Anzahl arabischer Stämme mit vielen Götzen eine Glaubensgemeinschaft machte, deren Menge nicht zu zählen ist und die durchaus ihren Brüdern, den Juden und Christen, zum Trotz wohnt.

Und wenn man die Geschichte des Islam ansieht, dann ist auch die Verheißung vom in wilden Kampf durchaus nicht vergessen. Das ist jetzt sehr kurz - aber vielleicht hilft es in das dringend notwendige Gespräch.

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