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Hilfe für Mitrovica / Kosovo
gesendet am 3. November 2000 von Uwe Schütz
 

Wie war die Fahrt ?

So., 20.10.00, 9.00: Der 40-Tonner der "OASE - Hilfe für Menschen in Not" fährt in Brindisi an der Südspitze Italiens auf die Fähre nach Griechenland
So., 20.10.00, 9.00: Der 40-Tonner der "OASE - Hilfe für Menschen in Not" fährt in Brindisi an der Südspitze Italiens auf die Fähre nach Griechenland Foto: Uwe Schütz

Am Montag-Abend sind Frank und ich nach drei Tagen Fahrt mit dem Lastzug der OASE - Hilfe für Menschen in Not (rechts im Bild; www.oase-online.net) über Italien - Griechenland - Mazedonien in Mitrovica angekommen.

Andere LKW warten tagelang an der Grenze Mazedonien - Kosovo bei Skopje. Wir waren dank Gottes Hilfe und der KFOR innerhalb von fünf Stunden drin.

Die KFOR bewacht alle wichtigen Gebäude und Straßen im Kosovo. Auf dem Weg über Pristina nach Mitrovica gab es immer wieder Checkpoints mit gepanzerten Fahrzeugen.

Anmerkung: Die KFOR (sprich: Kafor, englisch "Kosovo Force") ist die im Jahre 1999 nach Beendigung des Kosovokrieges aufgestellte multinationale militärische Formation unter der Leitung der NATO.

Checkpoint französischer KFOR-Soldaten im Norden des Kososo Foto: Uwe Schütz
Checkpoint französischer KFOR-Soldaten im Norden des Kososo Foto: Uwe Schütz

Wie sieht es in Mitrovica selbst aus ?

Viele werden es aus den Medien kennen: Die Stadt Mitrovica wird von einem Fluss geteilt. Die Albaner leben auf der einen Seite, die Serben auf der anderen. Die Brücke, die beide Stadtteile verbindet, wird von der KFOR mit gepanzerten Fahrzeugen kontrolliert. Mitrovica wurde zum Symbol für die unüberbrückbar scheinenden Gräben zwischen Serben und Albanern. Der albanische Teil der Stadt ist durch zurückkehrende Flüchtlinge überfüllt. Die Strom- und Wasserversorgung bricht mehrmals am Tag zusammen.

Bei vielen macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Vor dem Haus sprach ich mit einem jungen Albaner. Er ist in diesem Jahr aus Deutschland zurückgekehrt. Er konnte nicht in sein Elternhaus zurückkehren, weil es im serbischen Teil der Stadt liegt. Er hat immer noch keine Arbeit und will illegal nach Deutschland zurück. Habe versucht, ihm klarzumachen, dass er dringend hier gebraucht wird. Aber er war nur an Geld interessiert und nicht am Wiederaufbau.

Was tut sich politisch ?

Mitrovica, Kosovo, 2000: Ehemalige Roma-Siedlung. Sie wurde am Ende des Krieges nicht durch die Nato, sondern durch die kosovo-albanische Untergrundarmee UCK zerstört.
Mitrovica, Kosovo, 2000: Ehemalige Roma-Siedlung. Sie wurde am Ende des Krieges nicht durch die Nato, sondern durch die kosovo-albanische Untergrundarmee UCK zerstört. Foto: Uwe Schütz

Am vergangenen Sonntag waren Kommunalwahlen. Dabei hat die der UCK nahestehende Partei nur 20% der Stimmen bekommen. Der "UCK-Bürgermeister" muss jetzt seinen Stuhl für den Kandidaten der demokratischen Partei LDP räumen. Die albanische Bevölkerung hat offensichtlich spät aber vielleicht nicht zu spät begriffen, wes Geistes Kind die UCK-Leute sind.

Die Kluft zwischen arm und reich wird größer: Die einen schicken ihre Kinder mit Handy zur Schule, andere haben nicht einmal ein richtiges Dach über dem Kopf.

Trotz starker KFOR-Präsenz darf man sich nicht zu sicher fühlen. Gestern fuhren wir durch ein ehemaliges Zigeunerdorf, dass von UCK-Leuten systematisch zerstört wurde. Die Eindrücke sind unbeschreiblich. Jede Woche werden noch Leute umgebracht oder verschleppt.

Das Verhalten von KFOR und UNMIK, der von der UNO eingesetzten Übergangsverwaltung, zeigt, dass es ,mal wieder nicht um Menschen geht, sondern um Macht.

Was macht AMG international im Kosovo ?

Mitrovia, Kosovo 2000: Zwei Familien mit verwaisten Kindern vor den Trümmern ihres Hauses Foto: Uwe Schütz
Mitrovia, Kosovo 2000: Zwei Familien mit verwaisten Kindern vor den Trümmern ihres Hauses Foto: Uwe Schütz

Gestern haben wir einen kleinen Einblick in die Arbeit der AMG bekommen: Peter Hoffman und sein kleines Team sind diejenigen, in der Stadt, Witwen und Waisenkinder versorgen. Jede Woche wird die Liste, die sie vom Sozialamt bekommen, länger.

Peter Hoffmann beschäftigt acht junge Albaner, die keine Ausbildung haben, ja zum Teil nicht einmal ihr Geburtsdatum kennen. Obwohl sie ihn schon bestohlen haben, hat er es noch nicht aufgegeben, ihnen Grundwerte des Lebens zu vermitteln. Mit Aufbautrupps aus Deutschland konnten in diesem Sommer 12 Häuser wieder aufgebaut werden.

Die Arbeit von Peter Hoffmann ist in der Bevölkerung sehr anerkannt. Dies bestätigt auch die Tatsache, dass die AMG die einzige Organisation ist, die (noch) nicht überfallen und ausgeraubt wurde. Es ist unglaublich, was Peter Hoffmann und sein kleines Team hier trotz Behinderungen durch die KFOR und UNMIK hier leisten.

Eines ist für mich sicher: Gott hat die richtigen Leute an diesem Brennpunkt im Kosovo, um seine Liebe durch Wort und Tat weiterzugeben.

Das war Uwe Schütz live aus Mitrovica / Kosovo

Eine Doku über diese Fahr gibt es unter www.oase-online.net/kosovo/kosovo5.htm

03.11.2000

mehr bei uns:
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Hintergrundinfos zum Kosovo-Konflikt

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