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Ostern - Eine Nachlese

gesendet am 15.04.2007 von Dr. Hans Frisch
Leere Grabhöhle 

Die Osterdekorationen sind aus den Geschäften verschwunden, hier und da liegen noch bunte Eier, das über acht Meter hohe Osterei im Hauptbahnhof von Berlin bleibt im Guinness-Buch der Rekorde, die Rückreisestaus auf den Autobahnen sind programmiert. Wieder ist eine Festzeit überstanden, und das war's.

Die Begründungen für das Osterfest klingen manchmal eher germanisch

Von dem Anlass zum Fest ist bei vielen wenig bekannt - fragt einmal in eurer Umgebung. „Ostern, das kommt von Ostera, der germanischen Göttin der Morgenröte und des Frühlings, sie war begleitet von einem Hasen, dem Symbol der Fruchtbarkeit.“ so oder ähnlich sind oft die Antworten. Auch für den Termin werden Begründungen gefunden, die germanisch klingen. Wir wollen uns in die Diskussion über Namen und Termin des Festes nicht einmischen. Einziges Zeugnis für den Namen „Ostera“ ist die Deutung eines englischen Mönchs vor 1.300 Jahren, der von einer Göttin „Eostro“ schreibt. Die germanischen Weihen bekam diese Göttin dann durch die Nazis, die ein jüdisches Fest durch uraltes Germanentum ersetzen wollten.

Unser Osterfest hängt terminlich mit dem jüdischen Passahfest zusammen

Es gibt aber eine einleuchtende Deutung: Das jüdische Volk feierte und feiert immer noch die Erinnerung an den Auszug aus der Knechtschaft in Ägypten am 14. Nissan, das ist die Mitte des Monats am Frühlingsanfang - und weil die jüdischen Monate jeweils mit dem Neumond beginnen. Deshalb ist in der Monatsmitte immer Vollmond, und nach dem richtet sich der Passahtermin (Luther übersetzt Passah mit „das jüdische Ostern“.)

Weil Jesus am „Rüsttag zum Passah“, also einen Tag vor dem Fest - gekreuzigt wurde, fallen Karfreitag und Ostern, als Erinnerung an seinen Tod und seine Auferweckung, mit dem Passahfest der Juden zusammen - allerdings nicht ganz. Im Jahr der Kreuzigung war der Beginn des Passahfests ein Sabbat, also ein Samstag. An diesem Tag lag Jesus im Grab (es war die absolut perfekte Sabbatruhe!). Am nächsten Tag war das Grab leer und Jesus begegnete den Jüngern als der Auferstandene.

Ihre Verzweiflung verwandelte sich in Freude und in Begeisterung, die bald auch Tausende von Juden ergriff: verständlich das in der Christengemeinde der Tag der Auferstehung, also der Sonntag, als „Tag des Herrn“ bald den Sabbat als Feiertag ablöste. Der Name „Tag des Herrn“ ist in italienischen „domenica“ und auch in den anderen romanischen Sprachen erhalten.

Im Russischen heißt der Sonntag „woskresenje“, „Auferstehung“, und die Bezeichnung hat auch die Sowjetzeit überdauert.

Der Sonntag wurde der Tag des christlichen Gottesdienstes, und bald wurde auch das jährliche Osterfest auf den Sonntag, auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, gelegt. So kommt es zu der Differenz zwischen Ostern und dem Passahtermin, denn der wird immer noch vom Vollmond bestimmt.

Taufen wurden gerne auf Ostern gelegt

Zeichenhandlung beim Eintritt in die Christengemeinde war von Anfang an die Taufe. Paulus hat der von der Taufe an die Christen in Rom geschrieben:

"Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?"

Diese Deutung war so überzeugend, dass die Taufe auf Ostern gelegt wurde. Im Germanischen hieß "schöpfen", "giessen" - ausa, und aus der Mehrzahl (denn der Täufling wurde dreimal begossen) entstand Ostern. So könnte der Name auch erklärt werden. Doch "Namen sind Schall und Rauch" sagte Goethe, und wo er recht hat, da hat er recht. Wir wollen also nach der Musik vom Namen wegsehen, hin auf den Inhalt.

* * * Musik * * *

„Am Rüsttage zu Passah wurde Jesus gekreuzigt - und am dritten Tage wurde er auferweckt“ - das ist das Zentrum des Christenglaubens, wobei das erste, die Kreuzigung, leicht, und das zweite, die Auferstehung, fast nicht zu glauben ist. Ehe wir weiter nachdenken, ist eine Entscheidung notwendig: „Wollen wir im Leben von Jesus, in seinem Leiden und in seinem Tod Gottes Handeln erkennen (besser „anerkennen“), oder nicht?“

Wenn nein - dann ist ein Weiterdenken eigentlich überflüssig. Allenfalls könnte es zu Theorien führen, die das Aufkommen des Christentums erklären wollen aus psychologischen Gründen. Die Hinrichtung Jesu war dann eine Sache der Römer.

Wenn ja - dann taucht die Frage auf: „Wozu das Ganze?“

  • „Der zornige Gott muss durch ein Opfer gnädig gestimmt werden“, so oder ähnlich klingen manche Deutungen.

  • „Die Auferweckung war das Zeichen, dass Gott auf Seiten der Opfer steht, nicht auf Seiten der Täter“, in diese Richtung zielt manche neuere Theologie.

Es gibt auch einige andere Versionen.

  • „Der Sieg des Lebens über den Tod“ war eine der Formeln, die Ostern zu hören waren.

Jesus kannte die jüdischen Texte

Die meisten Aussagen klingen gut und haben etwas für sich - mit Ausnahme der Aussage vom „zornigen Gott“. Wenn wir uns den Geschehen annähern wollen, dann müssen wir von dem Gott reden, von dem Jesus sich gesandt wusste (oder gesandt glaubte!) - und das ist der Gott Israels, der Gott des Alten Testaments.

  • Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

  • Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

  • Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

  • So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

  • Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Oder:

  • „mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten.

  • Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

so steht es in den Texten, die Jesus kannte, die er glaubte - denn seine Sendung konnte er nur aus diesen Texten herauslesen (wenn er denn wirklich Mensch war). Das wäre Stoff eine eigene Sendung.

Am unwahrscheinlichsten ist, dass er nicht die Messiaserwartung seiner Zeit kannte, dass er nicht die entsprechenden Prophetenworte auf sich bezog, dass er die Verheißung eines neuen Bundes, der nicht auf dem Gesetz beruht sondern auf der Vergebung, nicht verinnerlicht hatte, dass ihn beim Weg in die Passion nicht die Worte vom leidenden Gottesknecht begleitet hätten.

Die jüdische Texte aus dem Buch des Propheten Jesaja, die die Christen auf Jesus beziehen

  • Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.

  • Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

  • Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

  • Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird;

  • Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

  • Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen.

  • Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

  • Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

So steht es im Buch des Propheten Jesaja.

Manche Theologen behaupten, diese Worte hätten die Christen im Nachhinein mit Jesus in Verbindung gebracht, um ihn als Messias darzustellen - viel einleuchtender erscheint doch, dass diese Worte Jesus auf seinem Weg leiteten und diesen für ihn deuteten.

Wer meint, es braucht ein Opfer, um Gott gnädig zu stimmen, der irrt

Wer bei dem Satz: „Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat …..“ meint, „also doch ein Opfer, um Gott gnädig zu stimmen“, der sollte das Schuldopfer im Alten Testament noch einmal genau betrachten. Da geht es nicht um das Bezahlen von Schuld sondern um den Weg, die Zeichenhandlung, den Ort, wo ein Mensch den Zuspruch Gottes durch den Priester erfahren kann: „Und ihm wird vergeben“ –

  • „So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe.“ Das sagt Gott durch den Propheten Hesekiel.

Das heißt. Wenn Jesus, das Lamm Gottes, als Schuldopfer für mich gestorben ist, wenn dieses Schuldopfer für mich gültig ist, dann gilt auch mir: „Und dir wird vergeben!“

Als Jesus starb, brachen auch die Messias-Hoffnungen der Jünger zusammen

So können wir den Kreuzestod Jesu für uns annehmen. Doch das konnten die Jünger damals nicht (und die Anderen schon gar nicht). Für sie war ihre Messiashoffnung zusammengebrochen, als ihr Meister am Kreuz starb, denn der „Messias“, der sollte Israel erlösen, zumindest von den Römern, auch von Krankheit und Leid. Dass sein Tod die Erlösung bringen sollte, das konnten sie sich nicht vorstellen, das konnte niemand sich vorstellen. In tiefer Trauer, voller Angst gingen sie in die Tage, die wir zu Ostern feiern.

* * * Musik * * *

Vierzig Tage dauerte es nach Ostern bis zur Himmelfahrt - also: 40 Tage war Jesus nach Ostern noch auf der Erde, genauer: 40 Tage lang begegnete er als Auferstandener seinen Jüngern. Und die hatten das wirklich nötig.

„Ihre Messiashoffnungen waren zusammengebrochen, als ihr Meister am Kreuz starb“ hatten wir gesagt, denn, dass der Tod die Erlösung sein sollte, das konnte keiner denken.

Und so waren zwei der Jünger auf den Weg nach Emmaus, ihrem Heimatdorf, nördlich von Jerusalem. Da begegnet ihnen Einer und fragt sie: „Worüber redet ihr da?“ Sie antworten: „Weißt du denn nicht, was in Jerusalem geschehen ist?“ Und erzählen von Jesus. „Der war ein Prophet, mächtig in Taten und Worten“ - und wie er gekreuzigt wurde. „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“

Erst als der Auferstandene den Jüngern das Geschehene an Hand der alten Prophetenbücher erklärt, werden sie froh

Da spricht er zu ihnen: „Warum glaubt ihr nicht dem, was die Propheten geredet haben. Musste nicht der Messias solches leiden?“ Und legt ihnen die Stellen im Alten Testament aus, die davon reden - sicher auch das vom leidenden Gottesknecht.

Als sie in Emmaus ankommen und ihn einladen zum Essen, da bricht er das Brot, so wie er es beim letzten Abendmahl gebrochen hatte, und daran erkennen sie, dass es Jesus ist. Doch der ist plötzlich verschwunden. So geht es weiter. Einmal erscheint der Auferstandene bei ängstlich verschlossenen Türen im Zimmer, einmal am See Genezareth, als einige Jünger wieder beim Fischen sind. Meist erkennen sie ihn nicht gleich, manchmal meinen sie es wäre ein Geist.

Es sind eigenartige Tage und eigenartige Begegnungen - und beim Bericht der Himmelfahrt steht: „Einige aber zweifelten.“

Doch in diesen Tagen, da verstehen die Jünger, was da geschehen war auf Golgatha. Erlösung, das war nicht die Vertreibung der römischen Besatzer aus dem Land, das war Erlösung von der Schuld, welche unsere Beziehung zu Gott stört, auch unsere Beziehung untereinander und zu uns selbst. Erlösung durch Vergebung.

Wer den Gekreuzigten als Schuldopfer für sich annimmt, dem wird vergeben

„Und ihm wird vergeben“, so lautete der Zuspruch durch den Priester beim Schuldopfer im Alten Testament. „Und dir wird vergeben“, so ist der Zuspruch für jeden der den Gekreuzigten als Schuldopfer für sich annimmt, wobei der am Kreuz das Opferlamm ist, der Auferstandene und in den Himmel Aufgefahrene zugleich der Hohe Priester.

Das klingt jetzt alles etwas theoretisch - doch redet einmal mit Menschen, die am Ende waren, die das Ja zu sich selbst nicht mehr fanden und auch nicht das Ja zu den anderen, und die plötzlich begriffen: „Für mich ist Jesus ans Kreuz gegangen, für mich hat Gott ihn hingegeben, damit ich erkenne und erfahre wie sehr ich geliebt bin, wie wertvoll ich für Gott bin.“

Es sind dramatische Veränderungen die Menschen da erlebt haben. Nun gehörst Du nicht zu denen, die am Ende sind, Du bis dir auch keiner Schuld bewusst, für die jemand sterben müsste - doch, weißt Du, wie sehr Gott dich liebt?

Jesus hat das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt. Der hatte sein Erbteil gefordert, der Vater hat es ihm gegeben. Er ging in die Welt und ließ sich’s gut gehen, bis alles verbraucht war. Da landete er bei den Schweinen als Schweinehirt.

„Ich will zu meinem Vater gehen und bei ihm als Knecht arbeiten“ dachte er und kehrte um. Als er zerlumpt und dreckig zuhause ankam, da lief der Vater ihm entgegen, umarmte ihn, ließ ihn gar nicht zu Wort kommen mit seinem Schuldbekenntnis, ließ ihm ein Bad zu bereiten und ließ das Mastkalb schlachten, gab ihm neue Kleider und feierte mit ihm und für ihn ein Willkommensfest.

Der ältere Bruder, der treu und brav zuhause geblieben war, wurde mürrisch. „Solange diene ich dir, für mich hast du kein Fest gegeben. Jetzt kommt dieser Davongelaufene zurück und wird so begrüßt!“ Er hatte gar nicht bemerkt, was er alles an Gutem gehabt hatte die ganze Zeit beim Vater.

  • Allen, die am Ende sind, wünsche ich, dass sie erkennen und erfahren, wie wertvoll sie für Gott sind, der seinen Sohn hingegeben hat für sie.

  • Allen, denen es richtig gut geht, wünsche ich, dass sie das genauso erkennen und erfahren, so dass sie eine Adresse haben für ihren Dank.

  • Und die, welche meinen, sie haben keine Vergebung nötig, sie brauchten keine Gnade, die meinen, sie seien nach menschlichen Maßstäben und nach den Maßstäben Gottes völlig ok, die dürfen das alles vergessen. Aber vielleicht irren die sich.

Dr. Hans Frisch

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