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KW 23 / 2018

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Vor 45 Jahren: Willy Brandt besucht als erster deutscher Bundeskanzler Israel

07.06.1973: Die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir begrüßt Bundeskanzler Willy Brandt auf dem Flughafen Lod in Tel Aviv
07.06.1973: Die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir begrüßt Bundeskanzler Willy Brandt auf dem Flughafen Lod in Tel Aviv Fotograf: Moshe Milner, Government Press Office Quelle: Israel State Archives

07.06.1973: Acht Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen reist Willy Brandt als erster deutscher Bundeskanzler zum Staatsbesuch nach Israel. Auf dem Flughafen in Tel Aviv wird Brandt mit allen Ehren von Israels Ministerpräsidentin Golda Meir empfangen. Nach einem Besuch der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wendet man sich politischen Alltagsproblemen zu. Ein Hauptthema ist die latente Krise und Kriegsgefahr in der Region.

* * *

Es kam auch bei den skeptischen Israelis, Nachkommen von Shoa-Opfern und Shoa-Überlebenden gut an, dass Willy Brandt in Yad Vashem, der Mahnstätte des Völkermords, aus einem Psalm las, der in der Bibel steht und auch Teil der jüdischen Liturgie ist (Psalm 103,10: „Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt auch nicht nach unserer Missetat“).

Heute wissen wir durch die Auswertung von Geheimdokumenten, die 2013 freigegeben wurden, dass Israels Ministerpräsidentin Meir bereit war, die im Sechstagekrieg (1967) auf der Sinai-Halbinsel eroberten Gebiete zu räumen. Weil sie dem Vermittlungswillen der Großmächte misstraute, bat sie den deutschen Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger, in Ägypten persönlich Israels Friedenswillen zu betonen und geheime Gespräche anzubieten. Dies verweigerte Brandt jedoch (Quelle: DIE WELT - „Wie Willy Brandt die Friedenskarte verspielte“).

Vier Monate später, am höchsten jüdischen Feiertag, hätten Ägypten und Syrien die Existenz Israels in einem Überraschungsangriff beinahe ausgelöscht (06.10.1973, Beginn des Jom-Kippur-Kriegs). Auch „Ölkrise“ und der Schwenk vom Öl zur Kernenergie wären uns wohl erspart geblieben.

Im deutsch-israelischen Verhältnis wird von deutscher Seite bis heute gerne die „historische Verantwortung“ Deutschlands betont. Aber wo bleiben, abgesehen von Entschädigungszahlungen, die politischen Taten? Israel ist nicht ein Staat wie jeder andere. Er ist der einzige demokratische Staat im Nahen Osten und der Staat, in den Juden aus aller Welt flüchten.

Uwe Schütz

mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über die deutsch-israelischen Beziehungen  
1972 : Watergate-Skandal
1972 : Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft
1973 : Start der Sesamstraße
1973 : 1. Talkshow im westdeutschen Fernsehen
1973 : Bundeskanzler Willy Brandt auf Staatsbesuch in Israel
1973 : Reform des Sexualsstrafrechts
1973 : Einheitliche Notrufnummern 110 und 112
1973 : Jom-Kippur, der Krieg ohne Sieger und mit Ölboykott
1973 : Erstes Sonntagsfahrverbot

1942 : Die Wannsee-Konferenz
1949 : Bundespräsident Heuss verspricht Entschädigungen für jüdische NS-Opfer
1972 : Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft in München
2000 : 1. Rede eines Bundespräsidenten vor der Knesset in Jerusalem
2005 : Deutschland spendet Yad Vashem 350.000 € für Archivierungsprojekt
2005 : Bundespräsident Horst Köhler auf Staatsbesuch in Israel
2012 : SPD-Parteichef Gabriel bezeichnet Israels Regierung als Apartheid-Regime
2013 : Historker veröffentlicht, dass Willy Brandt den Jom-Kippur-Krieg wohl hätte verhindern können

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