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KW 42 / 2010

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Kalenderblatt über TV-Satire "Das Millionenspiel" anhören 

Inszenierte Wahrheit

Vor 40 Jahren: ARD zeigt die TV-Satire "Das Millionenspiel"

Jörg Pleva als Bernhard Lotz 1970 in "Das Millionenspiel"
Jörg Pleva als der gejagte Bernhard Lotz
1970 in "Das Millionenspiel"

18.10.1970: Im Abendprogramm der ARD läuft die TV-Satire "Das Millionenspiel": In der fiktiven TV-Serie eines Privatsenders können Kandidaten eine Million D-Mark gewinnen, wenn es ihnen gelingt, von drei Killern gejagt eine Woche lang zu überleben und das Fernsehstudio zu erreichen. Sowohl der Sender als auch die Zuschauer können für und gegen den Kandidaten in das Geschehen eingreifen.

Die ganze Republik sitzt gebannt vor dem Fernseher und sieht, wie der 15. Kandidat eine Woche lang übermüdet und voll Todesangst auf der Flucht ist. Er könnte zwar vorzeitig aussteigen, aber ihn treibt nicht nur das Geld, sondern auch das Schicksal eines Aussteigers, der solange als Feigling verhöhnt wurde, bis er sich das Leben nahm. Und so erreicht der Kandidat angeschossen und dem Zusammenbruch nahe das Ziel und bekommt seine Million.

Das große Finale von "Das Millionenspiel", in dem der Kandidat durch die Todesschlange gehen muss, eine 28 m lange Röhre mit drei Einschussmöglichkeiten für die Killerbande.
Das große Finale von "Das Millionenspiel" im Studio des kommerziellen TV-Senders, in dem der Kandidat durch die Todesschlange gehen muss, eine 28 m lange Röhre mit drei Einschussmöglichkeiten für die Killerbande.

* * *

Mit dem Stück haben die Drehbuchautoren Wolfgang Menge und Tom Toelle in einer Zeit, als sich unsere Fernsehwelt noch auf drei öffentlich-rechtliche Programme beschränkte, nicht nur Fernsehgeschichte geschrieben: "Das Millionenspiel" prophezeite, dass mit der Zulassung von kommerziellen Fernsehveranstaltern die Jagd nach Quote gepaart mit Sensationsgier und Voyeurismus der Zuschauer unser Wertesystem verändern werde.

Ich fürchte jedoch, dass nicht nur die so genannten "Reality"-TV-Formate inszeniert sind, denn die Fernsehjournalisten brauchen jeden Tag "gute Bilder".

Und das Problem aller Berichterstatter ist ja, dass das Normale uninteressant ist. (Saul Bellow)

Uwe Schütz


mehr bei uns über Fernsehgeschichte: mehr bei uns über Fernsehen heute:  
1950 : Gründung der ARD
1961 : Gründung des ZDF
1962 : Erster Fernsehsatellit im All (TELSTAR 1)
1967 : Start des Farbfernsehens
1970 : TV-Satire "Das Millionenspiel" läuft in der ARD
1982 : Erste Verträge für private Fernsehenprogramme
1985 : Start der ARD-Serie "Lindenstraße"
1988 : Geiseldrama von Gladbeck
2000 : BigBrother - Start der ersten "Reality-TV-Show

2010 : RTL will RTL will in Doku "Das Medium" Kontakt mit dem totem Uwe Barschel aufnehmen

2004 : Schönheits-OP-Shows in der Diskussion

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