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KW 46 / 2018

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Dolchstöße

Vor 100 Jahren: Das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne

Das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne beendet 1918 den 1. Weltkrieg
November 1918: Delegation der Entente, dem Bündnis von Frankreich, Russland und Großbritanien, vor dem Salonwagen in Compiègne, Nordfrankreich, . Zweiter von rechts: der französische Delegationsleiter Marschall Foch Foto: Bundesarchiv_Bild_146-1987-038-29; wikipedia.de, creative commens attribution Share Alike 3.0

11.11.1918: Nach langen Verhandlungen unterzeichnen Deutschland, Frankreich und Großbritannien in den frühen Morgenstunden in einem Eisenbahnwaggon in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Compiègne ein Waffenstillstandsabkommen. Damit endet der 1. Weltkrieg, in dem 8,5 Millionen Menschen starben und mehr als 21 Millionen verwundet wurden. Das Abkommen und der 7 Monate später folgende Friedensvertrag schreiben Deutschland die alleinige Kriegsschuld zu, Deutschland verzichtet auf den Friedensvertrag mit Russland, muss u.a. 1/7 seines Staatsgebietes und seine Kolonien abtreten und die astronomische Summe von 132 Milliarden Goldmark zahlen.

* * *

Klar, dass die Frage aufkam: „Wer ist schuld daran, dass unser Volk und Vaterland so tief ins Unglück sinken musste?“ Die einfache Antwort war: Die, die den Krieg führten. Doch die wehrten sich: das deutsche Heer sei „im Felde unbesiegt“ geblieben und habe erst durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten aus der Heimat einen Dolchstoß von hinten erhalten. Dies ging als „Dolchstoßlegende“ in die Geschichte ein, aber was war geschehen?

Ende September 1918 hatte die Oberste Heeresleitung den Reichskanzler aufgefordert, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, weil die deutschen Truppen mit dem Eingreifen der USA die Front nicht länger halten konnten. Anfang November durfte dann eine deutsche Delegation nach Frankreich einreisen. Die Bedingungen der Franzosen erschienen ihnen jedoch unannehmbar.

Vergeblich versuchten sie, die Regierung in Berlin zu erreichen, denn dort war inzwischen die Revolution ausgebrochen: Fast zeitgleich rief ein Sozialdemokrat „die deutsche Republik“ aus (Philipp Scheidemann) und ein Kommunist „die sozialistische Republik“ (Karl Liebknecht).

Berlin, 9. November 1918: Revolutionäre Demonstranten Unter den Linden
Berlin, 9. November 1918: Revolutionäre Demonstranten Unter den Linden
Foto: Bundesarchiv 183-18594-0045; wikipedia.de, creative commens attribution Share Alike 3.0

Die Militärs hatten sich von der Politik sicherlich ein besseres Verhandlungsergebnis erhofft, denn zum Zeitpunkt des Waffenstillstandsabkommens standen die deutschen Truppen nämlich noch immer in besetzten Gebieten, und kein gegnerischer Soldat stand auf deutschem Boden.

Unmut und Proteste wegen schlechter werdender Lebensmittelversorgung sind leicht verständlich. Doch es gab im Verlauf des Krieges auch immer mehr Streiks in Rüstungsbetrieben. Die Aktionen in der Heimat waren nicht kriegsentscheidend, aber wer lässt sich schon gern in den Rücken fallen?

Den von der Opposition geforderten „Frieden um jeden Preis“ hat Deutschland dann auch bekommen. Bei so wenig offenen Ohren für die heimgekehrten Soldaten waren sie leichte Beute für die Braunhemden, die sich in der Weimarer Republik formierten. Und so wurde es ein sehr holpriger Start in die Demokratie.

Uwe Schütz


mehr bei uns aus der Zeit: mehr bei uns über 1. Weltkrieg:  
1915 : Beginn der Vertreibung der Armenier aus der heutigen Türkei
1917 : Oktoberrevolution in Russland
1918 : Geburt von US-Prediger Billy Graham
1918 : Waffenstillstandsabkommen beendet 1. Weltkrieg
1919 : Einführung des 8-Stunden-Arbeitstages
1919 : Spartakus-Aufstand in Berlin
1919 : Deutschland startet in die Demokratie
1920 : Ende des Osmanischen Reichs
1914 : Auslöser und Beginn des 1. Weltkriegs
1916 : Schlacht bei Verdun
1917 : Kriegseintritt der USA
1917 : Oktoberrevolution in Russland
1918 : Waffenstillstandsabkommen beendet 1. Weltkrieg
1919 : Versailler Vertrag, der diktierte Friedensvertrag
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